Knapper Sieg

19. Juni 2011 17:21; Akt: 19.06.2011 19:33 Print

Leipheimer gewinnt die Tour de Suisse

Der Amerikaner Levi Leipheimer gewinnt die Tour de Suisse nach einem packenden Duell mit Damiano Cunego. Das abschliessende Zeitfahren entschied Fabian Cancellara für sich.

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Die Infografik der Tour de Suisse 2011.

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Für Cunego, Leader seit der 3. Etappe, war die Rundfahrt um 1000 m zu lang. Der Italiener wehrte sich im Zeitfahren von Schaffhausen über 32,1 km zwar wie ein Löwe. Doch dies sollte nicht reichen. Am Schluss wurde er von jenem Gegner geschlagen, den er am meisten gefürchtet hatte und der die Prüfung gegen die Uhr mit 1:59 Minuten Rückstand auf ihn in Angriff genommen hatte. Nach 22 km wies Cunego noch 33 Sekunden Reserve auf Leipheimer auf. Im Gegenwind nach der Steigung der Opfertshofer Höhe ging der Italiener unter. «Ich betrachte es als Wunder, dass ich wenigstens den 2. Platz rettete. Mir wurde schon bei der Streckenbesichtigung klar, dass es für mich schwierig werden würde. Ich habe alles gegeben. Mehr lag nicht drin», erklärte Cunego, der im Zeitfahren lediglich den 39. Platz erreichte.

Etappensieg für Cancellara

Der Ausgang dieses Zeitfahrens erinnerte an den Final der Tour de Suisse 2004, als Fabian Jeker das Zeitfahren in Lugano mit 42 Sekunden Vorsprung auf Jan Ullrich in Angriff genommen hatte und schliesslich vom Deutschen um eine Sekunde bezwungen wurde. Die vier Sekunden zwischen Leipheimer und Cunego stellen die viertgeringste Differenz in der Geschichte der nationalen Landesrundfahrt dar. 1941 herrschte in der Kriegs-Rundfahrt nach drei Etappen zwischen Seppli Wagner und Edgar Buchwalder Gleichstand. Der Sieger (Wagner) wurde im Hallenstadion in der Form eines Sprintes ermittelt. Neben Ullrich und Jeker gab es auch 1987 eine Tour de Suisse, die durch Andrew Hampsten (USA) mit lediglich einer Sekunde Vorsprung auf Peter Winnen (Ho) gewonnen wurde.

Ältester Gesamtsieger

Leipheimer wurde mit seinen 37 Jahren und sechs Monaten ältester Gesamtsieger dieser Tour de Suisse, ohne - mit Ausnahme seines 2. Etappenplatzes in Malbun - gross in Erscheinung getreten zu sein. Der Kalifornier kam in dieser Saison zu seinem wichtigsten Erfolg. Er hatte bislang nur die 6. Etappe der Kalifornien-Rundfahrt für sich entscheiden können. Aber Leipheimer verfügt genau über die Fähigkeiten, um Rundfahrten wie die Tour de Suisse für sich entscheiden zu können. Sein Name ziert die Siegerlisten der Kalifornien-Rundfahrt (2007/08/09), der Kastilien-Leon-Rundfahrt (Sp/2009), des Dauphiné Libéré (2006), der Deutschland-Rundfahrt (2005) und der Route du Sud (Fr/2002).

Leipheimer bestritt zwei Saisons im Team US Postal, wurde damals aber nicht für die Tour de France aufgeboten. In der bedeutendsten Rundfahrt der Welt bot er hingegen vor sechs Jahren Anlass zu Spekulationen. Der Weltverband UCI drängte damals den sportlichen Leiter des Teams Gerolsteiner, Hans-Michael Hoczer, Leipheimer wegen auffälligen Blutwerten aus dem Rennen zu nehmen. Dies geschah nicht, und Leipheimer beendete die Tour de France als Sechster.

Zehnter Tageserfolg

Diese Tour de Suisse endete, wie sie begonnen hatte - mit einem Sieg durch Fabian Cancellara. Der Berner siegte in einem sowohl von der Strecke als auch von den äusseren Einflüssen her anspruchsvollen Zeitfahren. Mit seinem zehnten Tageserfolg rückte der vierfache Weltmeister bis auf einen Sieg zu Ferdi Kübler und Hugo Koblet auf. Mit neun Sekunden Vorsprung auf Andreas Klöden (De) und 13 Sekunden auf Leipheimer fiel die Marge Cancellaras nicht überaus gross aus. Klöden lag bei den beiden Zwischenzeitnahmen leicht voraus. Seinen Sieg stellte der Berner auf den letzten 10 km im Gegenwind und in den Abfahrten sicher. «Mir verschafft dieser Erfolg Genugtuung. Er zeigt mir, dass die Form stimmt und dass ich für die Tour de France gerüstet bin», sagte Cancellara. Der Berner verzichtet auf die Teilnahme an der Schweizer Meisterschaft im Zeitfahren, bestreitet aber am Sonntag das Strassen-Championnat, ehe er in die Bretagne zur Tour de France reist.

Von einer erfreulichen Überraschung darf im Falle von Mathias Frank gesprochen werden. Der Roggliswiler bestritt das Zeitfahren seines Lebens, stiess dank seinem 12. Platz auf den 6. Schlussrang vor und erreichte damit seine Zielsetzung, eine Klassierung in den Top Ten. Nachdem er schon einen guten Giro d'Italia mit Vorstössen in drei Etappen bestritt, deutete Frank sein Potenzial auf den Schweizer Strassen erst recht an.

75. Tour de Suisse. 9. Etappe, Einzelzeitfahren in Schaffhausen (32,1 km):
1. Fabian Cancellara (Sz).
2. Andreas Klöden (De) 0:09 zurück.
3. Levi Leipheimer (USA) 0:13.
Ferner:
Damiano Cunego (It) 2:16.

Gesamtwertung:
1. Leipheimer.
2. Cunego 0:04.
3. Steven Kruijswijk (Ho) 1:02.
Ferner:
6. Mathias Frank (Sz) 2:24.


(sda)

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