Giro d'Italia

02. Mai 2012 10:58; Akt: 02.05.2012 11:47 Print

Scarponi will den «richtigen» Giro-Sieg

Am kommenden Samstag startet der Giro d'Italia. Michele Scarponi belegte 2011, hinter dem später disqualifizierten Alberto Contador den zweiten Rang. Dieses Jahr soll der «richtige» Sieg her.

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Das Siegerpodest 2011: Alberto Contador gewinnt vor Michele Scarponi (l.) und Vincenzo Nibali. (Bild: Keystone)

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Letztes Jahr standen Scarponi und Vincenzo Nibali im Schatten von Alberto Contador. Der Spanier dominierte die Rundfahrt nach Belieben. Er verschenkte Etappensiege an Fahrer seiner Gunst. Gleichwohl hatte er am Schluss nichts in der Hand, weil ihn der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne des Dopingmissbrauchs schuldig befand und seine Resultate annullierte.

«Ohne Contadors Präsenz wäre das Rennen völlig anders verlaufen», sagte der Franzose John Gadret, der den 3. Schlussrang «erbte». Dass er über die Reserven und die mentale Stärke verfügt, den Giro-Triumph aus eigener Kraft zu verwirklichen, weiss Michele Scarponi. Der Stern des Radprofis aus Jesi ist erst in den letzten beiden Jahren so richtig aufgegangen. Die Gründe dafür bleiben im Dunkeln. Scarponis Name fiel gelegentlich im Zusammenhang mit dem Madrider Dopingarzt Fuentes. «Man muss in die Zukunft schauen», kam der Italiener allfälligen Diskussionen zuvor. In dieser Saison ist Scarponi noch sieglos. Im Tirreno Adriatico (7.), der Baskenland-Rundfahrt (8.) und bei Lüttich - Bastogne - Lüttich (8.) deutete er an, dass er mit der Spitze mitzuhalten vermag. Scarponi hat seinen Saisonaufbau so geplant, dass er von Mitte Mai an in Hochform ist. Das Ziel ist klar: «Ich will am Schluss der Rundfahrt das Gefühl erleben, auf der obersten Stufe des Podests zu stehen.»

Konkurrenz aus dem eigenen Lager

Scarponis grösster Gegenspieler könnte ein Landsmann sein. Ivan Basso will den Giro zum dritten Mal nach 2006 und 2010 gewinnen. Lange Zeit liess der Lombarde offen, ob er zur ersten dreiwöchigen Landesrundfahrt der Saison antreten wird. Am Schluss der Tour de Romandie entschied sich Basso zur Teilnahme, obwohl er in er Westschweiz keine grossen Stricke zerrissen hatte: «Ich fühle mich bereit. Die Moral stimmt. Gegenüber der Trentino-Rundfahrt vermochte ich mich zu steigern.» Basso traf seine Vorbereitungen auf den Giro auf Teneriffa. Die Bewältigung von nicht weniger als 66 000 Höhenmetern soll ihn zum richtigen Zeitpunkt in Hochform bringen. Bassos Teamkollege Vincenzo Nibali sprach ursprünglich vom Double Giro/Tour de France. Er entschied sich jedoch, ausschliesslich auf die Tour de France zu setzen.

«Roman Kreuziger wird unser wichtigster Gegner sein», glaubt Basso. Der Tscheche blieb bisher den Beweis schuldig, dass er in einer dreiwöchigen Rundfahrt ganz an der Spitze zu bestehen vermag. In der Trentino-Rundfahrt fiel Roman Kreuziger in der Schlussetappe mit der Ankunft auf dem Passo Pordoi einem «Hungerast» zum Opfer. «Ein Fehler, der mir nicht hätte passieren dürfen.» In der Königsetappe der Tour der Romandie war der Tscheche immerhin der einzige Fahrer, der einen halbherzigen Angriff auf Bradley Wiggins startete. Und im Zeitfahren von Crans-Montana wurde er nur von den Spezialisten geschlagen. Im Team zeigte man sich von Kreuzigers Gewicht beeindruckt: 67,5 kg, genau richtig für die Berge.

Schleck wird mehr oder weniger zur Teilnahme gezwungen

Erst zum zweiten Mal nach 2005 nimmt Fränk Schleck am Giro teil. Und dies erst noch gezwungenermassen. Als Teamleader war mit grossen Ambitionen Jakob Fuglsang vorgesehen. Wegen Knieproblemen musste der Däne aber Forfait erklären. So musste Fränk Schleck mehr oder weniger freiwillig ja sagen zum Giro-Aufgebot. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach das Einvernehmen zwischen den Brüdern Schleck und Teammanager Johan Bruyneel nicht das beste ist. Im Aufgebot des Teams RadioShack figuriert auch Oliver Zaugg. Der Sieger der Lombardei-Rundfahrt sollte sich in einer der Bergetappen auszeichnen können. Im BMC Racing Team gehen Mathias Frank, Johann Tschopp und Danilo Wyss an den Start. Die kleine Gruppe Schweizer Radprofis wird durch Reto Hollenstein und Andreas Dietziker vervollständigt. Deren Namen scheint auf der provisorischen Liste des Team Netapp auf. Die Equipe gehört zu jenen vier Mannschaften, die vom Veranstalter mit einer Wildcard bedacht worden sind.

Von der Maglia rosa träumt Mark Cavendish. Der Strassenweltmeister denkt dabei weniger an das Prologzeitfahren in Herning (Dä) über 8,7 km als vielmehr an die beiden folgenden Flachetappen in Dänemark mit den Zeitgutschriften für den Sieger.

Ziel wiederum in Mailand

Nach der Rückkehr nach Italien kumulieren die topographischen Schwierigkeiten traditionellerweise in der dritten Giro-Woche. So führen in der 14. Etappe 26 Kilometer hinauf ins Ziel nach Cervinia. 24 Stunden später folgt die Bergankunft in Pian dei Resinelli im Hinterland von Lecco. In den Dolomiten führt das 17. Tagespensum die Fahrer über die Pässe Valparoloa, Duran, Forcella Staulanza und den überaus steilen Passo Giau. Das Terrain für die Ankunft auf Alpe Pampeago (19. Etappe) ist ebenfalls sehr anspruchsvoll. Die Königsetappe am zweitletzten Tag beinhaltet die Pässe Tonale, Aprica, Mortirolo und die Bergankunft auf dem Stilfserjoch (22 km, 1540 m Höhendifferenz). Abgeschlossen wird der Giro d'Italia mit einem Zeitfahren über 31,5 km in Mailand.

95. Giro d'Italia. Der Etappenplan:

Samstag, 5. Mai: 1. Etappe, Einzelzeitfahren in Herning (Dä, 8,7 km). - Sonntag, 6. Mai: 2. Etappe, Herning - Herning (206 km). - Montag, 7. Mai: 3. Etappe, Horsens - Horsens (Dä, 190 km). - Dienstag, 8. Mai: Ruhetag. - Mittwoch, 9. Mai: 4. Etappe, Mannschaftszeitfahren in Verona (32,2 km). - Donnerstag, 10. Mai: 5. Etappe, Modena - Fano (199 km). - Freitag, 11. Mai: 6. Etappe, Urbino - Porto Sant'Elpidio (207 km).

Samstag, 12. Mai: 7. Etappe, Recanati - Rocca di Cambio (202 km). - Sonntag, 13. Mai: 8. Etappe, Sulmona - Lago Laceno (229 km). - Montag, 14. Mai: 9. Etappe, San Giorgio del Sannio - Frosinone (171 km). - Dienstag, 15. Mai: 10. Etappe, Civitavecchia - Assisi (187 km). - Mittwoch, 16. Mai: 11. Etappe, Assisi - Montecatini Terme (243 km). - Donnerstag, 17. Mai: 12. Etappe, Seravezza - Sestri Levante (157 km). - Freitag, 18. Mai: 13. Etappe, Savona - Cervere (121 km).

Samstag, 19. Mai: 14. Etappe, Cherasco - Cervinia (205 km). - Sonntag, 20. Mai: 15. Etappe, Busto Arsizio - Lecco/Pian dei Resinelli (172 km). - Montag, 21. Mai: Ruhetag. - Dienstag, 22. Mai: 16. Etappe, Limone sul Garda - Falzes (174 km). - Mittwoch, 23. Mai: 17. Etappe, Falzes - Cortina d'Ampezzo (187 km). - Donnerstag, 24. Mai: 18. Etappe, San Vito di Cadore - Vedelago (139 km). - Freitag, 25. Mai: 19. Etappe, Treviso - Alpe di Pampeago (197 km). - Samstag, 26. Mai: 20. Etappe, Caldes/Val di Sole - Stilfserjoch (218 km). - Sonntag, 27. Mai: 21. Etappe, Einzelzeitfahren in Mailand (31,5 km).
Totaldistanz: 3504 km.

Die Podien der letzten Jahre:
2003: 1. Gilberto Simoni (It). 2. Stefano Garzelli (It). 3. Jaroslaw Popowitsch (Ukr).
2004: 1. Damiano Cunego (It). 2. Sergej Gontschar (Ukr). 3. Gilberto Simoni (It).
2005: 1. Paolo Savoldelli (It). 2. Gilberto Simoni (It). 3. José Rujano (Ven).
2006: 1. Ivan Basso (It). 2. José Enrique Gutierrez (Sp). 3. Gilberto Simoni (It).
2007: 1. Danilo Di Luca (It). 2. Andy Schleck (Lux). 3. Eddy Mazzoleni (It).
2008: 1. Alberto Contador (Sp). 2. Riccardo Ricco (It). 3. Marzio Bruseghin (It).
2009: 1. Denis Mentschow (Russ). 2. Franco Pellizotti (It). 3. Carlos Sastre (Sp).
2010: 1. Ivan Basso (It). 2. David Arroyo (Sp). 3. Vincenzo Nibali (It).
2011: 1. Michele Scarponi (It)*. 2. Vincenzo Nibali (It). 3. John Gadret (Fr).
* = nach der Disqualifikation von Alberto Contador (Sp) wegen eines positiven Dopingbefundes.

(sda)