«Freak Show»

21. Juli 2018 10:01; Akt: 21.07.2018 10:04 Print

So ausgeflippt und kreativ sind die Tour-Fans

An der Tour de France sorgen die Zuschauer genauso für Spektakel wie die Fahrer. Auch bei der 105. Ausgabe setzen sie sich auf verschiedene Art in Szene – leider nicht immer positiv.

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Dieser Fan fällt tierisch auf und hat bestimmt saumässig heiss, doch der Spass steht über allem. Ein Wunder, dass der aus den Shrek-Filmen bekannte Gingerbread-Man (Lebkuchenmann) in der Sonne nicht dahin schmilzt. Ob dieser bunte Hase auf der Suche nach Pink Panther ist? Schön warm dürfte auf jeden Fall auch er haben. Noch so ein Vogel, der sich am Abend dann gut duschen muss. Casimir, eine Figur aus der zwischen 1970 und 1980 in Frankreich populären TV-Show «L'Ile aux Enfants», will auch mit von der Partie sein – immerhin muss er nicht in der sengenden Sonne ausharren. Und noch so ein «Tier», das freiwillig sauniert. Nanu, ist schon Adventszeit oder haben wir etwas verpasst? Das müssen uns die Norweger mal erklären. Ja, die Fotografen haben dich gesehen – die Fahrer aber vielleicht nicht. Während der Tour darf sich Mami auch mal einen peinlichen Auftritt leisten. Hauptsache, er kann sich bequem zurücklehnen und mal abwarten, was da so kommt. Den kennen wir doch! Diesmal hat er sich allerdings einen Schattenplatz ausgesucht. Auch schlichtere Aktionen verdienen Applaus. Diese Franzosen haben auf dem alten, aber noch nicht ausgedienten, Mähdrescher bestimmt den besten Überblick. Was sich mit landwirtschaftlichen Maschinen alles anstellen lässt. Am Strassenrand gibt es echte... ...aber auch unechte Blumen zu bewundern. Wenn die Tour durchs Land rollt, ruht die Feldarbeit. An einem Feldrand auf das Fahrerfeld wartende Fans sind immer wieder zu sehen. Andere stellen Klappstühle auf und vertreiben sich die Wartezeit mit Verpflegung aus der Kühlbox. Apropos kühl: Hauptsache, das Bier steht im Schatten! Und die Flagge der Bretagne darf in diesem Landesteil auch nicht fehlen. Dieses Mädchen trägt extra einen traditionellen bretonischen Kopfschmuck und schwenkt die passende Fahne dazu. Da ist er ja wieder! Meine Name ist Hase und ich weiss von nichts – doch zum Glück hilft das Handy weiter. «Wenn das Feld anrollt, trete auch ich so richtig in die Pedalen», denkt sich wohl dieses Mädchen. Auch diese Zuschauer haben viel Aufwand betrieben, um den Tour-Tross entsprechend zu würdigen. Dieser Mann sucht mit der Flagge und dem Royal Banner Schottlands offenbar den Anschluss. «Allez vite!» Sie sind ebenfalls mit dem Landesteil des Vereinigten Königreichs verbunden: Die Mitglieder der Somme Battlefield Pipe Band, einer in Frankreich ansässigen Vereinigung, die die Musik von schottischen Soldaten und ihrer Regimente fördert, sorgt für Stimmung. Als Ritter von Malta verkleidet posiert dieser Monsieur am Turm des im 13. Jahrhundert erbauten Châteaux de la Hague-Saint-Hilaire in Curemonte (Departement Corrèze im Zentrum Frankreichs). Velos – ob noch fahrbar oder nicht – sind natürlich immer ein beliebtes Fotosujet. Im Dinosaurier-Kostüm «brüllt» es sich auch gut, nur dürfte kaum ein Laut zu hören sein. Was für ein wunderbares Bild: Eine Reiterin begleitet den Tour-Tross und hält dabei stolz die Nationalflagge in die Luft. Der letzte Mohikaner reitet ebenfalls aus. Diese Familie hat ihr Wohnzimmer kurzerhand auf die Strasse gezügelt. Aus luftiger Höhe verpassen diese sechs Kletterer sicher gar nichts. Wetten, das ganze Dorf ist da? Unterwegs erhalten die Teilnehmer des berühmtesten Radrennens der Welt auch «heilige Unterstützung». Dieser Fan versucht Tour-Vorjahressieger Chris Froome zusätzlichen Schub zu geben, was der Brite aber wohl gar nicht nötig hat. Wer ganz nah dabei sein will, nimmt dafür auch ein wenig Staub auf der Lunge in Kauf. Dabei können die Fahrer während einigen Etappen auch vom Wasser aus – wie hier am Lac d'Annecy – angefeuert werden, was diese britischen Frauen mit Inbrunst tun. Jesus lief einst übers Wasser, dieser Leader-Imitator radelt über den Lac d'Annecy. Wie schafft er das? Die Sponsoren-Karawane fährt wie immer voraus und verteilt Geschenke an die Zuschauer. Da entsteht ein gewisser Gruppenzwang. Andere hingegen reissen sich geradezu um die Gadgets. Diese Truppe ist in Bereitschaft. Sie spielt die Freie Französische Widerstandsgruppe von Maquis des Glieres nach, die im Zweiten Weltkrieg auf dem Plateau des Glieres gegen die deutschen Besatzer kämpfte. Das muss ein Schweizer sein. Er stellt wohl einen Hahn (das französische Wappentier) dar – oder will er vielleicht ein weisser Doppeladler sein? Diese beiden Hübschen müssen sich offensichtlich beeilen, um im Tütü ihren grossen Auftritt nicht zu verpassen. Da ist er wieder! Der lapin (französisch für Hase – und nicht zu verwechseln mit «Lappi») hoppelt wahrscheinlich von Etappe zu Etappe. Beim Aufstieg zur legendären Alpe d'Huez vereinen sich im sogenannten «Dutch Corner» (holländische Ecke) diese Holländer. Nirgendwo sonst auf der Tour ist die Atmosphäre so grandios. Diese Holländer sind beim Vorbeifahren ihres Landsmanns Steven Kruijswijk komplett aus dem Häuschen. Schliesslich konnten sie während der Fussball-WM niemanden anfeuern. Bevor die Profis kommen, bewältigen diese verkleideten Amateure die 21 Kehren und den 13,8 langen Anstieg (mit über 1000 Höhenmetern) der Königsetappe, die auf der Alpe d'Huez endet. Für andere ist das Warten beim «Dutch Corner» in Kostümen schon eine genug grosse Herausforderung. Die Zuschauer machen den Aufstieg zur Alpe d'Huez für die Fahrer zusätzlich zur Tortour. Sich einen Weg durch die Massen zu bahnen ist mehr Fluch denn Segen. Und immer wieder kommen die Fans den Radprofis gefährlich nahe. Das bekommt Vincenzo Nibali zu spüren. Der Vierte des Gesamtklassements stürzt im Rauch von Petarden, zieht sich dabei einen Wirbelbruch zu und muss die Tour nach der Königsetappe aufgeben. Offenbar hat ein Zuschauer den Italiener zu Fall gebracht. Dieser halbnackte Mann rennt neben Kruijswijk mit – und kurz nach dieser Aufnahme einen Fotografen um. Aber zum Glück bleibt die Mehrheit der Tour-Fans vernünftig und auf Abstand, wie dieser Anhänger, der den Franzosen Romain Bardet antreibt. Und wo zum Teufel bleibt dieses Jahr eigentlich der legendäre «Rote Teufel»? Er lebt noch! Während der 11. Etappe wurde er kurz von einer Eurosport-Kamera gefilmt, fotografiert hat ihn aber (für einmal) keine Agentur (dieses Bild stammt von der Tour 2017).

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(ddu)