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15. Februar 2011 17:28; Akt: 15.02.2011 18:18 Print

Spanischer Verband spricht Contador frei

Der dreifache Tour-de-France-Sieger Alberto Contador ist von der Disziplinarkommission des spanischen Radsport-Verbandes vom Dopingvorwurf freigesprochen worden.

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Beim Captain der peruanischen Fussballnationalmannschaft wird im Oktober 2017 bei einer Kontrolle das Kokain-Abbauprodukt Benzoylecgonin festgestellt. Guerrero erklärt, er habe in der Heimat einen Anistee getrunken, weil er eine Magenverstimmung hatte. In Argentinien habe er einen Schwarztee mit Zitrone und Honig getrunken, weil er eine Grippe hatte. Im Februar 2017 wird die italienische Tennisspielerin positiv auf die verbotene Substanz Letrozol getestet. Bei der Anhörung im Sommer sagt sie: «Mir ist das Krebsmittel meiner Mutter in die Tortellini gefallen.» Der Luxemburger wird im Juli 2012 mit dem Diuretikum Xipamid erwischt, das nicht leistungsfördernd ist, aber zur Verschleierung von Doping-Substanzen dient. Er sieht sich als «Opfer einer Vergiftung» und beteuert seine Unschuld. Der Spanier gibt die Schuld am Clenbuterol-Befund an einem Ruhetag der Tour de France 2010 «verunreinigten Lebensmitteln», genauer gesagt einem Stück Fleisch. Am Tag nach der Kontrolle steht die Bergetappe zum Col du Tourmalet auf dem Programm. Drei positive Tests auf anabole Steroide im Jahr 2010 überführen den 400-m-Weltmeister und -Olympiasieger. Die beschämende Begründung: Ein Medikament zur Penisvergrösserung, das er eingenommen hat, enthält die verbotene Substanz. Der Tennisspieler wird des Kokainkonsums überführt. Der Franzose behauptet nach der positiven Probe im Frühjahr 2009, dass er lediglich eine Frau in einem Nachtclub geküsst habe, die die Droge konsumiert habe. Auch die Schweizer Tennisqueen wird 2007 in Wimbledon positiv auf Kokain getestet. Ihre Erklärung für die minime Menge in ihrem Körper: «Jemand hat es mir in den Fruchtsaft getan.» Darauf muss man erst einmal kommen. Die deutsche Mountainbikerin sagte 2007 nach dem positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol : «Der Asthma-Inhalator meiner Mama ist explodiert. Vor Schreck hab ich ‹huch› gesagt und wohl versehentlich etwas inhaliert.» Der Amerikaner wird 2006 zum ersten überführten Tour-de-France-Sieger der Geschichte. Seine Erklärung für den erhöhten Testosteronwert: Er habe am Vorabend der 17. Etappe, auf der er dann allen davonfuhr, «zwei Bier und mindestens vier Whiskys getrunken» – aus Frust, weil er auf dem 16. Teilstück völlig eingebrochen war. Der rumänische Stürmerstar wird im Herbst 2004 des Kokainkonsums überführt. «Ich habe das nur gemacht, um meine sexuelle Leistung zu steigern», sagt er. Reichlich abenteuerlich erklärt der Amerikaner seine positiven Proben im Jahr 2004, die Blutdoping nachweisen: «Ich bin ein Mischwesen, die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert.» Im Sommer 2002 wird dem deutschen Radstar die Einnahme von Amphetaminen nachgewiesen. Daran schuld seien zwei Pillen, die ihm am Abend vor der Kontrolle in einer Disco angedreht worden seien. «Keine Ahnung, was da drin war, aber ich habe sie halt in meiner Dummheit geschluckt», sagt er. Der Italiener wird vor und während des Giro d'Italia 2002 positiv auf Kokain getestet. Den ersten Befund führt er auf eine vom Zahnarzt verabreichte Spitze zurück, später auf einen kolumbianischen Koka-Tee, den ihm die Tante seiner Frau serviert hatte. Zum zweiten sagt er: «Meine Mutter schickte mir Bonbons aus Peru. Und diese waren in Kokablätter eingepackt.» Ach ja, Simoni wird übrigens freigesprochen. Im März 2002 wird der belgische Radstar wegen des Besitzes von Dopingpräparaten gesperrt. Er behauptet bei der Anhörung: «Mein Hund hat Asthma.» Des Clenbuterol sei demnach für das Tier und das Epo «aus einer anderen Zeit seines Lebens» gewesen. Der Langläufer gewinnt an den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City drei Goldmedaillen. Er muss jedoch alle abgeben, da er positiv auf das Epo-ähnliche Darbepoetin getestet wird. Seine Ausrede: Eine Diät im Vorfeld der Spiele sei schuld. Der Helfer, der Ullrich 1997 zum Tour-Sieg verhalf, wird zwei Jahre später überführt. Er kann natürlich nichts für seinen hohen Testosteronwert, weil er nur seine Zeugungskraft stärken wollte. Deshalb habe er dummerweise zu einem Mittelchen seines italienischen Schwiegervaters gegriffen. Wieder Testosteron: 2001 sei sein Masseur schuld gewesen, welcher ihm die Beine mit einer testosteronhaltigen Salbe «positiv massierte», sagt der US-Sprinter. Der Beschuldigte weist die Vorwürfe zurück. Ein erhöhter Nandrolonwert wird dem britischen 100-Meter-Olympiasieger 1999 zum Verhängnis. Wie es dazu gekommen ist? «Ich habe nicht gedopt. Ich habe nur zu viele Avocados gegessen!» Der Fall des kubanischen Hochsprung-Weltrekordhalters sorgt 1999 für Verschwörungstheorien in seinem Heimatland. In einer TV-Ansprache von Fidel Castro macht dieser die CIA und die kubanisch-amerikanische Mafia fürs den positiven Kokain-Test verantwortlich. Der deutsche Langstreckenläufer gibt nach auffälligen Tests im Sommer 1999, die einen erhöhten Nandrolonspiegel anzeigen, an, unbekannte Täter hätten ihm die Substanz in die Zahnpasta getan. Nachdem der US-Sprinter 1998 erwischt worden ist, sagt er zu seinem verdächtigen Testosteronwert: «Ich hatte fünf Flaschen Bier und viermal Sex - es war ihr Geburtstag, und die Lady hatte eine Extra-Behandlung verdient.» Wie männlich! Woher der erhöhte Nandrolonwert des Judo-Olympiasiegers von 1996 kommt, weiss er selbst nicht, denn natürlich hat er nichts Falsches getan. «Ich bin Moslem und halte mich strikt an die Regeln, die Drogen als Todsünde ansehen - also auch das Doping», sagt der Franzose nach dem Befund 1998. Beim Goldmedaillen-Gewinner von Nagano 1998 wird nach seinem Sieg Marihuana im Blut gefunden. Laut dem Kanadier sei dies aber nur vom Passivrauchen. Glück für ihn: Marihuana ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht als illegale Substanz gelistet. Der britische Kugelstosser wird an der EM 1994 mit anabolen Steroiden erwischt und macht sein Haarshampoo für den positiven Dopingbefund verantwortlich. Die Substanz sei in den Kreislauf geraten, weil er das Shampoo getrunken habe. Versehentlich, versteht sich. Der US-Rad-Star wird offiziell nie mit Doping erwischt. Aber seine Weigerung an der Schiedsgericht-Verhandlung vor der Usada teilzunehmen, gleicht einem Schuldeingeständnis. Armstrongs Erklärung, warum er dort nicht erscheinen wird: «Im Leben eines jeden Mannes kommt der Punkt, an dem er sagen muss: ‹Genug ist genug.› Ich muss mich mit den Anschuldigungen gegen mich seit 1999 beschäftigen. Das fordert Tribut - auch von meiner Familie und meiner Stiftung. Das alles hat mich zu dem Punkt geführt, an dem ich sage: ‹Ich bin fertig mit diesem Unsinn.›» Im Zuge der umfassenden Untersuchungen gegen den gefallenen Star berichten belgische Medien, dass er 1999 auf dem Weg zu seinem ersten Tour-Sieg gleich viermal positiv auf Kortikoide getestet worden sei. Damals war nur von einer «auffälligen Kontrolle» die Rede. Armstrong machte eine Salbe zur Behebung von Sitzbeschwerden für die geringen Kortikoidspuren verantwortlich.

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Nach dem Freispruch darf Contador ab sofort wieder starten, nachdem er seit dem vergangenen September suspendiert gewesen ist. Der Weltverband UCI und die Welt-Antidopingagentur WADA haben die Möglichkeit, den Freisprung innerhalb eines Monats beim Internationalen Sportgericht (CAS) in Lausanne anzufechten. Erhalten bleibt dem Spanier vorderhand die Gültigkeit seines Triumphes 2010 in der Tour de France. Zudem kann er mit der Aufhebung der Suspension damit rechnen, sein grosses Ziel in den Farben seines neuen Arbeitgebers Saxo Bank zu verwirklichen und in dieser Saison am Giro d'Italia, der Tour de France und an der Vuelta an den Start zu gehen. Contador unterbrach das Training nie und nahm auch an den Zusammenzügen seines neuen Teams stets teil.

Die aus drei Rechtsanwälten bestehende Disziplinarkommission machte offenbar einen Kniefall vor der Politik und dem hohen Ansehen des Volkshelden Contadors. Sogar der spanische Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero twitterte, es gebe keine juristischen Gründe, die eine Verurteilung rechtfertigen würden. Da zogen es die Juristen der Kommission vor, die Verantwortung an andere Instanzen abzuschieben. Contador, der am zweiten Ruhetag der letztjährigen Tour de France in Pau positiv auf Clenbuterol getestet worden war, beteuerte stets seine Unschuld. Der Spanier tischte eine abenteuerliche Geschichte auf, wonach der Verzehr von kontaminiertem Fleisch der Grund für den positiven Dopingbefund gewesen sei. Mit dieser Argumentation vermochte der Madrilene offenbar auch die Mitglieder der Disziplinarkommission zu überzeugen. In der Begründung bezieht sich die Kommission auf den Artikel 296 der Antidopingregeln der UCI. Demnach kann ein Sportler freigesprochen werden, sofern er nachweist, dass er bei der Einnahme einer als Dopingmittel gewerteten Substanz weder schuldhaft noch fahrlässig gehandelt hat. Von diesem Passus zog der Tischtennisspieler Dimitri Owtscharow (De) Nutzen, der bei einem Turnier in China verseuchtes Fleisch gegessen hatte und dazu im Gegensatz zu Contador mittels Haarproben auch entlastende Beweise vorlegen konnte. Bei Contador hält sich der Verdacht, der Nachweis der geringfügigen Konzentration von 50 Piktogramm Clenbuterol, sei auf eine Eigenbluttransfusion zurückzuführen.

Schon vor fünf Jahren hatte eine schützende Hand dazu geführt, dass Contadors Name beinahe unbefleckt blieb. In den Unterlagen des Dopingarztes Eufemiano Fuentes tauchten Akten mit den Initialen «A.C.» auf. In der wenige Wochen später veröffentlichten Liste der Kunden Fuentes war dann kein Hinweis auf «A.C.» mehr zu finden. Im weiteren ist daran zu erinnern, dass Contador seine Profikarriere in der Sportgruppe von Manolo Saiz begann, der im Mittelpunkt des Dopingskandals um Dr. Fuentes stand.

In den vergangenen Tagen hatte Contador seine Öffentlichkeitsarbeit intensiviert. Zuerst hielt der Spanier an Pressekonferenzen auf Mallorca seine Beteuerungen auf Unschuld aufrecht. Dann liess er sich sogar im spanischen Fernsehen zu seinem Fall interviewen. Schon am Montagabend hiess es auf den Fernsehkanälen, Contador stehe vor dem wichtigsten Etappensieg seiner Karriere.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Glenn Buterol am 15.02.2011 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    alle sind gleich, manche etwas mehr...

    Wieder verliert der Radsport etwas an Glaubwürdigkeit. Schade dass die Wissenschaft von der Politik nicht anerkannt wird.

  • daniel am 15.02.2011 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Korruption wohin man schaut

    Die FIFA machts vor, warum nicht auch der Spanische Radsportverband

  • Indi am 15.02.2011 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Geld kann man korrigieren

    warum schmeisst man den spanischen Verband nicht aus dem Weltverband raus.Weil Geld halt auch Doping ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • nic am 16.02.2011 00:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die einzig richtige Entscheidung!

    Genau wie bei Owtscharow macht der Gebrauch von Clenbuterol zu diesem Zeitpunkt und in der Dosierung absolut keinen Sinn. Es ist absolut richtig riguros gegen Dopingmissbrauch vorzugehen, doch sollten nicht vor lauter Eifer Unschuldige vorverurteilt werden.

  • P.P. am 16.02.2011 00:46 Report Diesen Beitrag melden

    Verzweiflung

    Was für eine unglaubliche Polemik...Ich glaube, Ihr seit einfach alle ein bisschen gekränkt...Die Spanier hatten in letzter Zeit einige Erfolge, Nadal stellt euren Roger in der Weltrangliste in den Schatten, dann die EM und WM... Contador wurde freigesprochen, das interessiert die Leute hier aber anscheinend wenig. In euren sturen Köpfen hat sich die Meinung gefestigt, alle Spanier seien gedopt, und alle Siege eines Spaniers würden auf Doping basieren. Ich nenne das Verzweiflung.

  • Son Goku am 16.02.2011 00:11 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich Gerechtigkeit

    Das ist gut so... Viva Contador....

  • Manolo am 15.02.2011 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nation der Sport-Betrüger

    Spanien = Dopingeldorada für alle Sportler, vom Radfahrer, den Leichtathleten über Mannschaftssportler wie Fussballer, Baketballer und Handballer. Und dann wird noch alles unter den Tisch gekehrt und via höchste Regierungskreise abgesegnet.

  • Franz F am 15.02.2011 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    eine Farce

    dieser Freispruch "spricht" "für" den Spanischen Radsport - Doping erlaubt = Freispruch