Kitz-Sieger Didier Cuche

22. Januar 2012 23:00; Akt: 22.01.2012 17:57 Print

«Eine Achterbahn der Gefühle»

von Marc Fragnière - Eine (kurze) Nacht nach seinem fünften Sieg auf der Streif stellte sich Didier Cuche am Sonntag den Medien. Der Neuenburger sprach über verrückte Tage und seine möglichen Nachfolger.

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Didier Cuche, wie geht es Ihnen heute?
Didier Cuche: Ich habe mir noch überlegt, ob ich eine Sonnenbrille anziehen soll, habe es dann aber bleiben lassen. Im Ernst: Ich erlebe sehr bewegende Zeiten. Es waren am Samstag zwar weniger Leute im Zielraum als in anderen Jahren, aber an der Siegerehrung waren wahnsinnig viele Menschen. Ohne Zweifel waren sie da, um mich zu verabschieden.

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Es waren viele Schweizer in Kitzbühel, um Sie zu unterstützen. Aber Ihre Popularität in Österreich ist ausserordentlich.
Es ist berührend, ausgerechnet im Land unserer Erzrivalen eine derartige Popularität zu spüren. Wieso das so ist, ist schwer zu erklären. Sicher ist, dass ich hierher zurückkehren werde.

Aber nicht als Rennfahrer.
Nein, ich werde am Rand der Piste stehen und zuschauen – sicher mit etwas Wehmut. Aber ich denke, ich kann das Spektakel auch geniessen, ohne mich selber unter Druck zu setzen, und im Wissen, dass ich keine Risiken eingehen muss, um im Ziel anzukommen.

Wie würden Sie die letzten acht Tage beschreiben?
Als Achterbahn der Gefühle. Zuerst war Wengen mit der grossen Enttäuschung (Cuche wurde Abfahrts-15., die Red.). Gleich im Anschluss wurde ich zum Schweizer des Jahres erkoren. Das Wissen, dass die Öffentlichkeit hinter mir steht, war eine Riesen-Motivation. Dann, am Montag, kam die Erkenntnis, dass ich meine Ski an den Nagel hängen werde. Und was in den Tagen danach passiert ist, das war einfach nur verrückt.

Was war die verrückteste Emotion? Die Ankündigung des Rücktritts oder der fünfte Sieg auf der Streif?
Beides waren sehr starke Emotionen, obgleich komplett verschieden. Das Bedauern über den Rücktritt wird sicher noch kommen. Je näher das Saisonende rücken wird, desto stärker wird das Bewusstsein werden, dass es das Ende ist. Die Entscheidung ist nach und nach gereift. Ich spüre, dass ich nicht mehr die Energie habe, so zu leiden, wie es nötig ist, um während der ganzen Saison konkurrenzfähig zu sein. Diese Erkenntnis wuchs nach und nach, so dass sich die Emotionen kontrollieren liessen. Das war wohl auch der Fall bei meinem Sieg am Samstag. Er war ganz anders als mein erster. Ich will nicht sagen, dass ich mich daran gewöhnt habe in Kitzbühl zu siegen (lacht), aber im Kopf habe ich mich vorbereitet, den Sieg anzustreben. Das ist anders als bei einem Überraschungssieg.

War dieser fünfte Sieg Ihr schönster?
Nein. Aber der Fakt, dass der fünfte Sieg ein Rekord ist, hat ihn speziell gemacht. Ich lüge nicht und niemand wird mir widersprechen, wenn ich sage, dass der Sieg am Samstag nicht der schönste war, den man in Kitz gesehen hat. Aber in ein paar Jahren wird keiner fragen, ob an jenem Tag die Sonne schien oder nicht. Was ich auch mitnehme von diesem Rennwochenende wird das letzte Training sein, das ich gewonnen habe. Das Wetter war prächtig und ich habe den letzten Sprung sehr genossen.

Was ging Ihnen bei der Siegerehrung durch den Kopf?
Es ist extrem schwierig, die richtigen Worte zu finden. Das ist Emotion pur! Das muss man in sich einsaugen, weil es ja das letzte Mal ist. Jedenfalls in Kitzbühel...

In sportlicher Hinsicht hat Sie der Sieg am Samstag zurückgebracht in den Kampf um die kleine Kristallkugel im Abfahrts-Weltcup.
Ich nehme diese 100 Punkte gerne mit. Der Kampf ist neu lanciert, aber Beat Feuz hat demonstriert, dass er momentan wirklich sehr stark ist. Er hat ein grosses Rennen abgeliefert, wenn man bedenkt, dass er nach einem Doppelintervall im Schneegestöber gefahren ist (Feuz ist mit der Nummer 16 nach der Werbepause und mit entsprechend viel Neuschnee auf der Piste gefahren, die Red.)

Ist Beat Feuz der nächste Super-Star im Ski-Zirkus?
Viele Schweizer sind dazu in der Lage. Wir haben eine ausserordentliche Gruppe zusammen. Aber in Zukunft wird Beat – immer vorausgesetzt, er verletzt sich nicht – einer der Top-Athleten sein. Gerade auch wegen seiner Fähigkeit, in der Kombination zu gewinnen. Schon in dieser Saison muss man sich vor ihm in acht nehmen. Er ist «on fire». Er fährt Ski, ohne sich Fragen zu stellen. Er fährt Kurven in einer Position, die niemand so fahren kann. Er geht im richtigen Moment Risiken ein. Auch er hatte früher mit Verletzungen zu kämpfen. Aber er hat sich die Zeit genommen, um zurückzukommen, und jetzt ist er da und wie.

Wird es für Sie nach den Emotionen von Kitzbühel nicht schwierig, Motivation für den weiteren Saisonverlauf zu finden?
Ganz im Gegenteil. Das ist sehr motivierend. Ich hatte die Ehre einer stehenden Ovation im VIP-Zelt. Die super-wichtigen Leute waren da, alle Sponsoren von Kitzbühel, und diese haben sich erhoben, um mir zu applaudieren. Das war einfach unglaublich. Nach solchen Erlebnissen fällt es nicht schwer, mich gut zu fühlen. Und darum geht es: Sich gut zu fühlen, um zu tun, was es braucht, um gut Ski zu fahren.

Kommen Sie schon dazu, Ihre Karriere nach der Karriere zu planen?
Jetzt möchte ich zuerst mal die Saison beenden, das dauert ja noch eine Weile. Und dann muss ich mich in den ersten Monaten danach erst noch zurecht finden. Das ist keine Selbstverständlichkeit, aber ich kann nicht so weiterleben, wie ich es jetzt tue. Vielleicht schaffe ich es ja, diese Emotionen wiederzufinden, indem ich einen anderen Sport beginne – Extremsport oder Motorsport.

Wenn Sie ein einziges Bild der letzten Woche konservieren könnten. Welches wäre es?
Das Überqueren der Ziellinie. Der Lärm des Publikums, der Anblick der Zeit-Anzeige. Das passiert alles in einem Sekundenbruchteil. Der Rekord, die Freude, das Geniessen dieses letzten Moments mit dem Sieg, das knüpft dann alles daran an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mike am 23.01.2012 00:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grand didier

    le grand didier ist der beste skirennfahrer der welt. ende.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mike am 23.01.2012 00:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grand didier

    le grand didier ist der beste skirennfahrer der welt. ende.

    • karin 23.1.12 am 23.01.2012 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      didier cuche

      schade das wir so einen super skifahrer und tollen mensch im skisport verlieren.didier are the best!

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