Nach dem Horrorsturz

02. Februar 2011 12:55; Akt: 02.02.2011 15:12 Print

«Grugger weiss, welchen Ski er fährt»

Der Zustand von Hans Grugger verbessert sich kontinuierlich. Er spricht und erkennt seine Angehörigen. Allerdings hat er momentan auch Lähmungserscheinungen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Dienstag hatte der Österreicher zum ersten Mal gesprochen und seine Freundin Ingrid Rumpfhuber mit einem simplen «Hallo» begrüsst (20 Minuten Online berichtete). Die Ärzte der Uniklinik Innsbruck liessen daraufhin verlauten, dass die Aufwachphase des beim Abfahrtstraining in Kitzbühel schwer verunfallten Athleten nun abgeschlossen sei. An einer Medienkonferenz zogen die Mediziner heute Mittwoch nun eine erste Bilanz. Dr. Alexandra Kofler, die ärztliche Direktorin, sprach einleitend von «wirklich erfreulichen Nachrichten. Der Gesundheitszustand von Hans Grugger verbessert sich kontinuierlich.»

«Herr Grugger hat ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten, bei dem es auch zu einer Blutung zwischen Gehirn und Schädelknochen kam. Deshalb wurde der Patient gleich notoperiert. Das Risiko zu sterben liegt laut Erfahrungswerten bei 40 bis 50 Prozent», machte Univ.-Prof. Dr. Claudius Thomé, der Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie, in der Folge noch einmal die Schwere der Verletzung deutlich. Der Patient sei allerdings nach der Operation gleich überraschend stabil gewesen, denn oft komme es in solchen Phasen zu Komplikationen, vor allem was den Gehrindruck betrifft. Neben den schweren Kopfverletzungen habe der Skirennfahrer auch zwei Brüche an der Halswirbelsäule erlitten. «Diese waren glücklicherweise nicht verschoben und sollten ohne operativen Eingriff verheilen.» Dazu kamen Rippenbrüche, eine Lungenquetschung und eine Gefässverletzung an der Halsschlagader. «Diese Verletzung birgt ein Risiko für Schlaganfälle, deshalb musste Herr Grugger von Anfang an mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt werden.» Aufgrund der schwere der Verletzungen sei es notwendig, dass der Österreicher auch die nächsten Tage auf der Intensivstation verbringen müsse, da nach wie vor lebensbedrohliche Komplikationen auftreten könnten, so der behandelnde Arzt weiter.

Erinnerungsvermögen ist vorhanden

Nachdem bei Grugger vor kurzem die Aufwachphase beendet und auch sein Atmungsgerät entfernt werden konnte, ist der Salzburger im Moment wach und ansprechbar. «Er kann kommunizieren, weiss bestimmte Dinge, zum Beispiel welchen Ski er fährt, und erkennt seine Freundin und seine Familie. Noch spricht er aber deutlich verlangsamt. Es ist eher ein Aneinanderreihen einzelner Wörter. Er kann auch noch keine komplexen Gedankengänge durchführen, aber das ist völlig normal bei einer so schweren Verletzung», so Dr. Thomé.

Die rechte Körperhälfte, vor allem das rechte Bein zeigen im Moment eine Minderbewegung, eine Art Lähmungserscheinung. Diese ist auf die Gehirnverletzung zurückzuführen. «Der rechte Arm hat sich in den letzten Tag fast normalisiert. Es bessert sich mit hoher Wahrscheinlichkeit. Der Heilungsprozess dauert aber Wochen bis Monate. Es ist wichtig, dass er jetzt Ruhe hat und abgeschirmt wird.» Deshalb wird es ab sofort auch keine tägliche Medieninformation zum Gesundheitszustand des Patienten mehr geben. Jeder Tag ohne Komplikation ist ein guter Tag», so der Arzt abschliessend. Es soll nun langsam mit physikalischer Therapie begonnen werden. Ob eine komplette Wiederherstellung möglich ist, ist weiterhin nicht abschätzbar.

(mon)