Lara Gut-Behrami

08. Februar 2020 08:30; Akt: 08.02.2020 08:32 Print

«Ich gewann alles und war gleichzeitig am Ende»

In einem Interview mit Tamedia spricht Lara Gut-Behrami von ihrem Reifeprozess und kritisiert ihre Kritiker und den Sexismus im Sport.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Früher hatte ich das Gefühl, dass alles ein Kampf ist», sagte Lara Gut-Behrami in einem Interview mit Tamedia. Sie hatte keine zwei Minuten Ruhe. Sie beschäftigte sich praktisch ausschliesslich mit Skifahren, es sei alles gewesen, worüber sie geredet habe. Und das brachte ihr auch den Erfolg. So errreichte sie 2016 mit dem Sieg des Gesamtweltcups ihr grosses Ziel. «Ich gewann alles und war gleichzeitig am Ende», sagte Gut-Behrami. Trotzdem wollte sie immer mehr und ging grössere Risiken ein, was 2017 in St. Moritz in einer Verletzung endete. Dadurch lernte sie, dass es zu viel wurde.

Doch jetzt ist sie entspannter und könne es auch voll geniessen, wenn sie zu Hause sei. Nach dem Training im Kraftraum liege sie drei Stunden auf dem Sofa und sehe fern. «Das ist ein Leben, wie ich es vorher nicht kannte», sagte sie.

«Wie sollte ich so etwas ernst nehmen?»

Gut-Behrami versteht zwar, dass Kritik zum Sport gehört. Doch oft geht sie ihr zu weit. Beispielsweise, als sie plötzlich nur noch fünfzehntbeste Skifahrerin war und es hiess, sie soll aufhören, sei unprofessionell. «Wie sollte ich so etwas ernst nehmen?», fragte sie sich. Die Kritik, sie nehme ihren Beruf nicht ernst, sei daneben. Für die Kritiker sehe alles leicht aus, doch sie habe «hart dafür gearbeitet», meinte die 24-fache Weltcupsiegerin.

Am meisten Mühe macht ihr aber nicht die Kritik an ihrer Leistung auf dem Schnee, sondern jene an ihr als Person und an ihrer Familie, vor allem an ihrem Vater, über den in den letzten Jahren viel geschrieben wurde. Sie forderte, dass man über den Skisport spricht, denn «ich bin eine öffentliche Person wegen des Skifahrens».

«Männer werden eher respektiert»

Auch über Sexismus im Skisport spricht Gut-Behrami. Im Skizirkus sind fast ausschliesslich Männer als Trainer tätig. «Als Frau zu sagen: So ist es! Das war nicht leicht», sagte sie. «Männer werden eher respektiert.» Zudem müsse sie sich andauernd rechtfertigen «gerade als Frau». Jede Athletin müsse immer genau beweisen können, dass sie recht habe. Gut-Behrami befürchtet, dass viele denken: «Das ist doch nur ein Mädchen, zickig, es hat seine Tage.» Darauf könne man nicht aufbauen.

Ein weiteres Problem sieht sie darin, dass das Wort Mädchen verwendet wird, wenn über sie und ihre Kolleginnen gesprochen wird, obwohl es alle erwachsene Frauen sind. «Ich glaube, bei den Männern käme es auch nicht gut an, würde sie jemand Buben nennen», meinte sie dazu.

Trotz allen negativen Seiten ihres Erfolgs ist Gut-Behrami glücklich in ihrem Leben. «Ich würde nichts ändern wollen.»


Wintersport

(ets)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger M. am 08.02.2020 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Reiffeprüfung nicht bestanden

    Ich verstehe nicht weshalb sie immer wieder mit Rundumschlägen provoziert und dann überrascht ist, dass sie kaum noch jemand mag. Sie wirkt nach wie vor wie ein verzogenes Kind, dass es gewohnt ist im Mittelpunkt zu stehen und deshalb dauernd um Aufmerksamkeit ringt.

    einklappen einklappen
  • Viktor am 08.02.2020 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Warum war sie so hochnässig und frech. Wie man in den Wald ruft so kommt es zurück. Diese Hochzeit gab noch den Rest.

    einklappen einklappen
  • Lars am 08.02.2020 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ja genau

    «Wie sollte ich so etwas ernst nehmen?» , ist genau das, was ich mich auch immer frage, wenn Lara Gut eine ihrer Medienoffensiven startet und mit grosser Klappe versucht über mangelnde Leistung hinweg zu täuschen die keinerlei Privatteam rechtfertigt und dies auch noch nie tat und nie tun wird.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • M T am 08.02.2020 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Nico Stark am 08.02.2020 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Ich frage mich, was genau sie mit ihrem gejammer bezwecken will. Weder ein Vorbild noch ein Profi.

  • Der Denker am 08.02.2020 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst Sie doch in Ruhe

    Was hat Euch Lara Gut angetan, dass so viele so negativ schreiben. Nichts, sie ist eben eine Persönlichkeit und will ernst genommen werden. Sie soll fahren so lange es ihr Spass macht. Basta !

  • frankG. am 08.02.2020 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Käse von gestern"

    Es zählt die Gegenwart, nicht die Vergangenheit, Frau Gut-Behrami. Fangen Sie nochmal an mit guten Leistungen, nicht mit ewigen, langweiligen Ausreden.

  • Merl am 08.02.2020 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Sportler sind auch nur Menschen

    Menschen sind keine Maschinen. So kann es auch sein, dass eine Athletin Gefühle hat, über die sie sich äussert.