Ski-Kollege über Barandun

07. November 2018 07:14; Akt: 08.11.2018 12:33 Print

«Ich glaube, er kannte keine Angst»

von Adrian Hunziker - Pierre Bugnard ist mit Gian Luca Barandun Ski gefahren, sie waren zusammen im Militär und fachsimpelten über Sport.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Pierre Bugnard ist Swiss-Ski-Fahrer und gehört dem B-Kader an. Die Spezialdisziplin des 25-Jährigen ist Riesenslalom, er trainierte mit Gian Luca Barandun aber auch Super-G. Die beiden kennen sich seit rund zwölf Jahren und sind gute Freunde geworden.

Bugnard hätte am Riesenslalom in Sölden starten sollen, aber das Rennen wurde abgesagt. Nun konzentriert er sich auf den Europacup, will vorne mitfahren, um sich den Startplatz für den Weltcup zu erkämpfen. Früher fuhr er auch mal Abfahrt, aber er merkte, dass er zu viel überlege und zu wenig riskiere.

Pierre Bugnard, wo waren Sie, als Sie vom Tod von Gian Luca Barandun erfuhren?
Ich war zu Hause, als mein Trainer mich anrief, gegen 19 Uhr.

Wie haben Sie auf diese Nachricht reagiert?
Ich glaubte das zuerst nicht, ich war schockiert. Da wird man schon zuerst mal still. Man realisiert zwar nicht, was da geschehen ist, das dauert ein wenig. Man glaubt es einfach nicht. Das ist hart.

Wie gut haben Sie Barandun gekannt?
Wir kennen uns schon lange. Als ich vor rund zwölf Jahren nach Davos kam, in die Trainingsgruppe Mittelbünden, war er auch da. Im Militär waren wir auch gemeinsam. Ich hatte viel mit ihm zu tun, immer wieder.

Wie war er als Zivilist, als Skifahrer, als Soldat?
Schlussendlich kommt alles aufs Gleiche raus. Er war immer ruhig, er blieb immer der Gleiche, er war stets bereit zu helfen, er war meist lustig. Im Training war er stets sehr konzentriert, er war so fokussiert wie kein anderer. Wir haben zuletzt drei Monate im Militär zusammen verbracht und trainiert. Dabei pushten und halfen wir uns gegenseitig. Wir hatten eine sehr gute Beziehung.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Tu vas me manquer mon pote ? R.I.PEin Beitrag geteilt von PIERRE BUGNARD (@pierre_bugnard) am

Er war für Sie also auch privat ein Freund?
Ja. Wir waren beide begeisterte Sportfans. Wir haben uns über alles unterhalten, nicht nur übers Skifahren. Wir interessierten uns für viele Sportarten, im Sommer für Leichtathletik und Radfahren, im Winter für Eishockey.

Wussten Sie von seinem Hobby Gleitschirmfliegen?
Ja, ich wusste es schon. Aber er hat nicht so oft darüber gesprochen. Ich wusste, dass er viel Snowkite fuhr.

Können Sie sich erklären, weshalb Barandun als Speedfahrer noch einen zusätzlichen Kick brauchte?
Er war immer der Typ, der keine Kompromisse machte. Er gab in jeder Abfahrt einfach alles, stets vollen Einsatz, wollte immer alles riskieren. Er stürzte zwar mal auch, aber er kannte nichts. Ich glaube, er kannte keine Angst. Er hatte im Skifahren alles im Griff. Ich weiss nicht, weshalb er auf Gleitschirmfliegen gekommen ist. Eventuell wegen des Adrenalins.

Wie war es, mit ihm zu trainieren?
Wir hatten immer persönliche Wettkämpfe im Training, wer nahm beispielsweise mehr Gewichte? Er war immer stärker, er war halt ein richtiger Wettkampftyp. Wenn er etwas machte, dann machte er es richtig. Er überlegte sich aber auch, wie er noch besser werden konnte. Für mich war er ein Musterathlet.

War er auch einer, der nie verlieren konnte und immer der Beste sein musste?
Nein, das überhaupt nicht, er war ein sehr fairer Gegner.

Welche Eigenschaft werden Sie an ihm am meisten vermissen?
Wie soll ich das sagen? Er hat das Leben geliebt. Er hatte stets ein Lächeln auf seinem Gesicht, war immer guter Laune. Ich hatte immer Spass mit ihm, wir hatten nie einen Tag, an dem wir schlecht gelaunt im Training waren. Er hat auch nie gejammert. Man hat viel von ihm lernen können.

Was haben Sie von ihm gelernt?
Als ich nach Davos kam, konnte ich kein Deutsch, er hat es mir beigebracht. Er hat mich auch mal ausgelacht, wenn ich etwas nicht aussprechen konnte, dann hat er mir geholfen mit der Aussprache. Ich habe ihm viel zu verdanken.

Wintersport