Cuches letzte Fahrt

17. März 2012 12:57; Akt: 17.03.2012 16:34 Print

«Speediers» grandiose Abschieds-Show

von Ralf Meile - Getreu dem Motto seines Sponsors konnte es Didier Cuche heute nicht besser als die anderen, aber länger. In einem Nostalgie-Anzug und auf alten Holzlatten sagte er der Ski-Welt adieu.

Didier Cuche über seine letzte Fahrt im Weltcup-Zirkus mit speziellem Dress. (Video: 20 Minuten Online)
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Eine Ski-Karriere lang kämpfte Didier Cuche stets bis zur Ziellinie um jede Hundertstelsekunde. Doch in seinem 369. und allerletzten Weltcuprennen liess es der Neuenburger gemächlich angehen: Der 37-Jährige trat in einem Nostalgie-Anzug zum 2. Lauf des Riesenslaloms von Schladming an. Zeit und Resultat waren zum Abschied nebensächlich.

Kollegen wie der Norweger Aksel-Lund Svindal oder der Amerikaner Ted Ligety liessen es sich nicht nehmen, Cuche zum Starthaus hinaus zu schreien. Im Steinzeit-Look winkte dieser fröhlich in die Kamera, bevor er sich auf die Piste stürzte. Nach wenigen Schwüngen stoppte er bei FIS-Renndirektor Günter Hujara, umarmte ihn und überreichte ihm eine spezielle Cuche-Startnummer. Dass die beiden in der Vergangenheit nicht immer ein Herz und eine Seele waren, schien in diesem Moment vergessen.

Showman auf Holzlatten

Unterwegs bedankte sich Didier Cuche bei Trainern und Torrichtern für ihren Einsatz – und er musste sich auch einmal kurz in den Schnee legen. Mit den altertümlichen Holzlatten an den Füssen war die Fahrt aber eher ein Krampf denn ein Vergnügen. «Ich versuchte die Kurven anzudriften wie mit normalem Material. Das ging aber nicht. So musste ich herumrutschen und bis zum nächsten grossen Schneehaufen warten, dass ich das nächste Tor erwischte», so Cuche nach seiner letzten Fahrt. Dass er sich mit einem solchen Outfit verabschiedete, war ein Spontan-Entscheid. «Ich wusste lange nicht, ob ich einfach normal fahre und im zweiten Lauf irgendwo abschwinge, um mich zu verabschieden. Ich erfuhr diese Woche aber, dass in der Nähe ein Museum ist und ein Vertreter meiner Skifirma organisierte mir diese altertümlichen Klamotten. Es hat jedenfalls Spass gemacht.» Ganz der Showman, der er auch ist, liess er es sich jedoch nicht nehmen, noch einmal einige Torstangen mit letztem Körpereinsatz zu attackieren.

Im Schladminger Zielstadion vor den begeisterten Fans wurde der 37-Jährige von seinem Fanclub mit Champagner erwartet. Und selbstverständlich zelebrierte Cuche vor den begeisterten Zuschauern auch ein letztes Mal seinen berühmten Ski-Salto – Holzlatten hin, Holzlatten her.
Didier Cuche geniesst seine Abschiedsfahrt im Retro-Look. (Quelle: SF)

Hommage der Konkurrenten

Auch Didier Cuches Gegner trugen ihren Teil zur Abschieds-Show bei. Im Ziel versuchte sich beinahe jeder am Ski-Salto. Doch kaum einem gelang er so wie dem Meister. Als «ganz speziell und sehr emotional» bezeichnete Cuche diese «Ehrung» durch die anderen Athleten.

Cuche ging sein Abschied nahe. «Schon bei der Streckenbesichtigung vor dem Rennen hatte ich Mühe, mich zu konzentrieren», gab er nach dem 1. Lauf im Schweizer Fernsehen zu. «Ich war am Start in einer ganz anderen Verfassung als sonst.»

Vom Pechvogel zum Superstar

Mit Didier Cuche verliert die Ski-Schweiz einen ihrer populärsten Fahrer aller Zeiten und einen der erfolgreichsten der letzten Jahre. Beide Fakten stehen in direktem Zusammenhang.

Denn seine Beliebtheit gründet in Niederlagen. Wie oft verpasste er den Sieg oder das Podest um wenige Hundertstelsekunden? «Nöd scho wieder, dä arm Cheib», jammerten Daumen drückende Hausfrauen vor dem Fernseher und drückten dem charismatischen Glatzkopf beim nächsten Rennen dafür umso fester die Daumen. 2011 wählten sie ihn gar zum «Schweizer des Jahres».

Das Timing für den Absprung

Dabei machte es bei Cuche «klick». In ihm wuchs nach teils schweren Verletzungen die Erkenntnis, dass auch ein zweiter oder dritter Platz ein gutes Ergebnis sein kann. Er wurde entspannter – und fand so nach Jahren des verbissenen Kampfes sein persönliches Erfolgsrezept. Gepaart mit dem nach wie vor vorhandenen, gewaltigen Ehrgeiz sorgte die neu entdeckte Lockerheit für Triumphe en masse. 21 Weltcuprennen gewann er, darunter fünf Mal den Abfahrtsklassiker von Kitzbühel. 2009 krönte er sich in Val d’Isère zum Super-G-Weltmeister.

Cuche scheint den perfekten Moment für den Rücktritt gefunden zu haben. Er gehörte auch mit seinen 37 Jahren noch zu den besten Skifahrern der Welt. In seiner letzten Saison kämpfte er bis zuletzt um die Siege in der Abfahrts- und der Super-G-Disziplinenwertung und er gewann noch einmal vier Rennen.

Längst eine Legende

Sein grimmiges Zähnefletschen im Starthaus. Sein energisches Abstossen, mit kräftigen Hieben in den Schnee, als ob seine Stöcke ein Metzgerbeil wären und der Berg ein Tier, das er erlegen muss. Seine unerreichte Eleganz bei Sprüngen, wenn er noch in der Luft schon wieder die perfekte Hockeposition einnehmen konnte. Seine Power in den Oberschenkeln, die Co-Kommentator Hans Knauss im ORF in der Schlussphase einer jeden Abfahrt mit «Schmalz hat er, der Fleischhauer» hochleben liess. Und natürlich sein Ski-Salto, die spektakulärste Variante, sein Arbeitsgerät abzuschnallen.

Das alles ist Cuches Vermächtnis. Es sind die Erinnerungen, die oft länger haften bleiben als die Resultate.

Im ersten Lauf des Abschiedsrennens wollte es Didier Cuche noch einmal wissen. Allerdings war sein Rückstand am Ende beträchtlich. (Quelle: SF)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Wir verlieren nicht nur ein Skiass, sondern auch einen wundervollen Sportler! Danke Didi für die tolle Zeit im Skirennsport!!! – C. Müller

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meile Rita am 17.03.2012 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Adieu Didier Cuche

    Didier, wir vermissen dich jetzt schon! Vor allem deine Persönlichkeit und deine prima Erfolge. Ein toller Sportler hat den Absprung gewagt, wohl zur besten Zeit. Vielen vielen Dank für die vielen spannenden Minuten im Skizirkus. Es war phänomenal. danke danke danke und alles Gute für die Zukunft!

  • Fred HEAD am 17.03.2012 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Legende

    Lieber Didier Cuche, du bist vom Spitzensport zurückgetreten. Du warst, bist und wirst immer eine Legende und ein ganz grosses Vorbild für unsere Jugend sein. Bleibe gesund, geniesse deinen neuen Lebensabschnitt und bleibe uns noch viele Jahre erhalten.

  • Marco Lang am 17.03.2012 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke Didier! Du bist und bleibst der Größte!

Die neusten Leser-Kommentare

  • der Kitz am 19.03.2012 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Medien

    Danke Didier du hast mir und vielen andern das Mittagessen immer wieder versüsst. Du bist ein grosse Vorbild. Die Uebertragung war zwar ohne Respekt, wenn mann bei deinem Abschied einen Wirlpool zeigt mit ein paar Teenies zeigt. Aber eben die Presse und die Medien sind schlechter geworden und haben keinen Respekt mehr, du hingegen bist jeden Tag besser geworden. Danke!!

    • Skifan am 19.03.2012 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      Chugelblitz

      Dachte auch das die Teenies im Whirlpool unötig waren! Trotzdem geile Abschiedsshow. WIr werden dich vermissen "Chugelblitz"!

    einklappen einklappen
  • Roger am 19.03.2012 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank!

    Merci Didier! - Du bist für mich ein Vorbild und bist es für viele andere auch. Danke für die vielen Jahre ehrlichen Sport! Ich weiss nicht, ob ich ab 2012 den Skiweltcup noch weiter verfolgen werde. Denn eigentlich wollte ich nur Dich sehen!! Du bist "THE KING"

  • Peter Stutz am 18.03.2012 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    Vielen, vielen Dank Didier !!!

    Die Schweiz verliert einen supersportler, auf den wir alle sehr, sehr stolz sein konnten ! Stolz, auf seine Leistungen, aber auch auf seine Herzlichkeit und Natürlichkeit ! Es war immer wieder eine Freude Dir beim Skifahren zuzusehen und hatte auch enorm Spass gemacht, mitufieberen und wieder und immer wieder ein Spitzenresultat von Dir erleben zu dürfen. Darum also: vielen vielen herzlichen Dank für diese unvergessenen Stunden !

  • Tom M am 17.03.2012 21:56 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke Didi für die schönen Momente

  • Anthares am 17.03.2012 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Vermutlich reicht es nicht aus einfach nur DANKE zu sagen. Didier Cuche war nicht nur ein Botschafter für die Schweiz, er war eine Bereicherung für den Sport im allgemeinen. Für viele ist Didier ein Vorbild und eine Inspiration. Mit Sicherheit wird seine positive Ausstrahlung auch nach seinem Rücktritt noch auf viele Menschen wirken. Ein Mann wie er ist nicht am Ende seiner Karriere, diese geht unter Garantie weiter, aber einfach in einem anderen Bereich. Ich möchte hier diese Gelegenheit nutzen, um Didier Cuche für die folgenden Lebensabschnitte das allerbeste zu wünschen.