Olympia-Piste 2018

04. Februar 2016 13:19; Akt: 04.02.2016 14:03 Print

Bernhard Russi und der magische Baum

Die Speed-Cracks befahren in Südkorea Neuland. Ein Schweizer kennt die Olympia-Strecke für 2018 in- und auswendig: Pistenarchitekt Bernhard Russi.

Bildstrecke im Grossformat »
Sensationell: Carlo Janka fährt im Super-G von Jeongseon allen um die Ohren. Der Schweizer gewinnt das Rennen vor Christof Innerhofer der sich sichtlich über den zweiten Rang freuen kann. Schon wieder bester Schweizer: Beat Feuz verblüfft auch in Jeongseon, wo er Fünfter wird. Der Sieg geht an Kjetil Jansrud (M.), der bereits die Trainings dominiert hat. Der Norweger gewinnt vor Dominik Paris (l.) und Steven Nyman. Carla Janka schafft es als Siebter ebenfalls in die Top Ten. Auch Ralph Weber überzeugt. Der St. Galler realisiert als 13. sein zweitbestes Abfahrts-Ergebnis im Weltcup. Direkt hinter ihm folgt Marc Gisin. Kjetil Jansrud aus Norwegen stellt auch im zweiten Abfahrtstraining auf der Olympiastrecke 2018 von Jeongseon die Bestzeit auf. Carlo Janka verbessert sich und wird Siebter. Auch Beat Feuz legt einen Zacken zu und fährt auf den 9. Rang. Der Norweger Kjetil Jansrud stellt beim ersten Training die Bestzeit-Premiere auf der von Bernhard Russi konzipierten Olympia-Abfahrtsstrecke von 2018 auf. Carlo Janka ist der schnellste Schweizer und fährt auf Platz 15. Beat Feuz muss sich vorerst mit Position 35 begnügen. Er kennt die Olympia-Piste von 2018 wie kein anderer: Bernhard Russi. Warum? Er ist der Architekt. Für die Fahrer ist es ein langsames Herantasten: Die Speed-Cracks schauen sich die neue Strecke in Jeongseon (Südkorea) an. Am Samstag findet auf der Olympia-Strecke von 2018 erstmals ein Weltcuprennen statt. Freies Skifahren ohne Zeitmessung: Carlo Janka macht sich mit dem Schnee in Südkorea vertraut. Wobei: Kunstschnee ist überall gleich, oder? Warm eingepackt dreht Dominik Paris eine Runde auf der Olympia-Strecke von 2018. Gleiches tut Hannes Reichelt. Kjetil Jansrud verzichtet auf ein Gilet. Der Norweger scheint schon heiss auf die Premiere in Südkorea zu sein. Schnee liegt nur auf der Piste. Ready - nur das mit dem Schnee hat nicht wunschgemäss geklappt. Ein weisser Landstrich. Ein Glück gibt es Schnee-Kanonen. Viel Platz gibt es abseits der Strecke nicht. Das Equipment ist auf dem neusten Stand.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Eckdaten der Strecke: Sie ist 2,852 km lang (zum Vergleich: die Lauberhorn-Abfahrt ist 4,480 km lang) und weist einen Höhenunterschied von 825 Metern auf. Der Start befindet sich auf 1370 Metern über Meer, das Ziel auf 545 m ü.M. Es ist davon auszugehen, dass der Kurs trotz vier Sprüngen nicht das ganz grosse Spektakel garantiert. Die richtig steilen Passagen fehlen, eine eigentliche Mutprobe gibt es nicht; überwinden müssen sich die Fahrer nirgends.

Russi weiss um die Thematik und hat eine Reaktion angekündigt. Eine direktere Linienwahl bei der Kurssetzung etwa oder weitere Erdarbeiten im Bereich der Sprünge sollen zur Attraktivitätssteigerung beitragen.

Eine statt zwei Pisten

Ursprünglich waren es zwei Pisten, für die Russi eine Lösung suchte. Der Plan, für Männer und Frauen eigene Strecken zu bauen, musste aber verworfen werden. Im Verlauf der drei Kandidaturen Pyeongchangs für die Ausrichtung von Winterspielen war der obere Teil des Berges zur Schutzzone erklärt worden. Umweltschützer hatten sich für den Erhalt einer seltenen Baumart stark gemacht.

Besagte Bäume stehen vor allem dort, wo die Frauen-Strecke vorgesehen war. «Ich spürte, dass wir den Aktivisten entgegenkommen und einen Kompromiss finden mussten», erinnert sich Russi. «Noch am selben Abend wurde vereinbart, lediglich eine Piste zu bauen.» Mit Ausnahme eines rund 300 Meter langen Abschnitts ist die Strecke für Männer und Frauen nun identisch.

Breiter als anderswo

Weitere Kompromisse hatte Russi nicht einzugehen. «Ich konnte das bauen, was ich mir vorgenommen hatte.» Die einzige Abweichung betraf die Traverse kurz nach dem Start, zurückzuführen auf ein kleines Missverständnis. Die einheimischen Arbeiter hatten Russis Vorgabe nicht wie gewünscht umgesetzt. Einfluss auf den Streckenverlauf nahm das Versehen allerdings keinen.

Mehr fällt die mehrfach überdimensionierte Breite der Strecke auf. Russi klärt auf. «Ich plane jede Passage auf hundert Prozent Breite, lasse vorerst aber nur die Hälfte davon bauen, so dass ich auf jeder Seite Spielraum habe. An besagten Stellen wurde die Schneise von Anfang an aber auf eine Breite von über hundert Prozent geschlagen.»


Die Abfahrts-Strecke in der Video-Grafik. (Quelle: Streamable)

Russi und der «Magic Tree»

Für die engagierte Firma war es ein attraktives Geschäft. Mit dem gefällten Holz liess sich ganz schön Geld verdienen. Der bekannteste Baum im Gebiet, «Magic Tree», blieb von der Profitgier verschont. Für die Rettung des Baums brachte Russi sogar Änderungen an. «Der Baum beeindruckte mich. Ich machte mir meine Gedanken.»

Das allein hätte wohl nicht gereicht, um das Entfernen des magischen Baums zu verhindern. Es ist eine Sage, die den Fortbestand sicherte. Erzählt wird die Geschichte von Frauen, die erst schwanger wurden, nachdem sie eine Nacht bei «Magic Tree» verbracht hatten.

Tritt Défago in Russis Fussstapfen?

Dieser Tage kann Russi zum zweiten Mal auf die Dienste von Didier Défago zählen. «Im vergangenen Sommer waren wir schon einmal gemeinsam vor Ort», erzählt Russi weiter. Diesmal hat Défago eine Doppelfunktion inne. Er stellt sich auch als Testfahrer zur Verfügung – für Russi eine absolute Luxuslösung. «Mit seiner Erfahrung ist er vor allem für den Kurssetzer (Hannes Trinkl, den Verantwortlichen der FIS für den Speed-Bereich, Red.) extrem wichtig.»

Ob Défago, der wie Russi eine Lehre als Hochbauzeichner absolviert hat, ihm in der Rolle des Pistenarchitekten folgen wird? «Ich habe mir vor längerer Zeit Gedanken darüber gemacht, wer nach mir diese Aufgabe übernehmen könnte. Mit Didier (Défago) habe ich vor zwei Jahren schon lose darüber diskutiert. Auf jeden Fall hat er nicht gleich abgewinkt.»

Nächster Halt: Peking

Einen zeitlichen Rahmen für seinen Abgang hat sich Russi nicht gesteckt. «Diesbezüglich bin ich kein grosser Planer.» Planen wird er vorläufig weiterhin im Sold der FIS. Mit der Abfahrtspiste für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking steht die nächste Aufgabe bevor.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wooz am 04.02.2016 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Winterspiele

    Wie kann man Winterspiele an ein Land vergeben das nicht mal gescheite Pisten hat? Und jetzt graben die den halben Berg um?

  • Wallis am 04.02.2016 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach nein.

    Winterspiele haben in Südkorea nichts verloren.

    einklappen einklappen
  • EddietheEagle am 04.02.2016 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zerstörer

    Man schaue sich die Bilder 4, 10 und 12 an und jeder sollte sich fragen, ob das ökologisch sinnvoll ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hoffmann am 05.02.2016 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schluss damit

    hört endlich auf mit diesen Mega-Veranstaltungen die die Natur versauen. Nicht ohne Grund schiffen die Abstimmungen in Europa in letzter Zeit immer ab. Kohle machen nur die Grossen, der Steuerzahler blutet dafür.

  • Pro Olympia am 05.02.2016 01:25 Report Diesen Beitrag melden

    Warum das passiert?

    Weil Länder, wie die Schweiz, die schon etliche solcher Pisten mit Tradition haben, sie aus der Verantwortung ziehen, Olympische Spiele zu veranstalten. Wer die Spiele nicht selber austragen will, sollte auch nicht berechtigt sein dort Medaillen gewinnen zu dürfen!

  • Annerös Neve am 04.02.2016 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Asien macht auf Winter

    Was macht eine Abfahrtspiste eingequetscht in ein Täli und im Gebüsch und ohne Schnee? Wo sind die andern Pisten für Slalom und RS? Wo die Loipen? Die haben bis jetzt wirklich keine Skigebiete und keine Tradition darin. Bis jetzt haben sich die Koreaner noch nicht so hervorgetan im Skifahren oder Langlauf usw. Da war ja Sochi noch die perfekte Destination!

  • Stir Wok am 04.02.2016 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Magic Tree

    Hut ab, das ist Respekt vor der Kultur

  • Kein Kommentar am 04.02.2016 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Der Russi baut und kommentiert

    Wenn Russi am SRF kommentiert schalte ich um, es ist echt nicht zum aushalten. Gut früher war er ja noch viel schlimmer, er musste jede Zehntel oder hundertstel kommentieren. Was ich mich auch frage woher er das wissen hat wie man eine Piste baut. Das ist wie in der Formel 1 dort werden die Strecken auch fast alle vom gleichen gebaut. Die Langeweile hat somit ihren grossen Einzuggehalten. Wie wäre es wenn man die Winterspiele in Länder geben würde die auch Schnee haben.

    • Norbert Kaufmann am 04.02.2016 18:24 Report Diesen Beitrag melden

      Selbstdarsteller par excellence

      Wenn Russi am Fernsehen kommentiert schalte auch ich um, oder ab. Zur Frage woher er das Wissen zum Pistenbau hat beschäftigt mich auch. Landschaft versauen kann er ja !

    • Doch Kommentar am 04.02.2016 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kein Kommentar

      In Länder wie z.B. die CH? Die Bündner wollten ja von Olympia 22 nix wissen, träumen Sie weiter.

    einklappen einklappen