Martin Rufener

18. März 2011 14:47; Akt: 18.03.2011 14:47 Print

Der Erfolgscoach tritt ab

von Herbie Egli - Am Sonntag geht die Ära Martin Rufener bei Swiss Ski zu Ende. Der 52-jährige Berner brachte das Schweizer Männerteam in sieben Jahren auf die Erfolgsspur zurück.

Martin Rufener schaut auf erfolgreiche sieben Jahre als Herren-Cheftrainer bei Swiss Ski zurück. (Video: 20 Minuten Online)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Martin Rufener übernahm das Schweizer Herrenteam 2004. Gleich in seinem ersten Amtsjahr folgte der Tiefschlag mit der WM in Bormio, wo die Schweiz ohne Medaillen wieder abreisen musste. Einen Amtsantritt stellt man sich wahrlich anders vor. Der charismatische Berner hatte aber nie die Absicht, den Bettel gleich wieder hinzuwerfen. «Mein Hauptplan war es, mit verschiedenen Athleten Erfolg zu haben. Am Anfang trug das noch keine Früchte. Jahr für Jahr machten wir aber grosse Fortschritte. Auch dank der Kontinuität im Trainerstab», sagt Rufener im Interview mit 20 Minuten Online. Seine Strategie ging auf. Während die Leaderfiguren wie Bruno Kernen und über längere Zeit Didier Cuche Erfolge einfuhren, wuchsen im Hintergrund jüngere Athleten heran. Daniel Albrecht, Carlo Janka und seit diesem Winter auch Beat Feuz und Patrick Küng.

Unter Rufener fuhren die Athleten bei Grossanlässen auch wieder Edelmetall ein. Die beiden Höhepunkte sind die WM 2009 in Val d'Isère mit vier Herren-Medaillen und die Olympischen Winterspiele in Vancouver mit den Goldmedaillen von Didier Défago und Carlo Janka. «Die Aufarbeitung von Turin bis nach Vancouver ist ein Highlight. Wir gewannen nicht nur Medaillen, sondern stellten auch Olympiasieger. Das ist das Höchste, was man erreichen kann», bilanziert Rufener. Dass Cuche in seiner Zeit viermal die Königsdisziplin Abfahrt für sich entscheiden konnte, findet er eine «Mega-Geschichte».

«Danis Unfall ging sehr tief»

Rufeners Amtszeit war aber nicht nur von schönen Momenten geprägt. Der schlimmste Vorfall war der Horrorsturz von Daniel Albrecht 2009 in Kitzbühel. «Der Unfall mit Dani ging sehr tief. Auch die Verarbeitung des ganzen Vorfalls», sagt der abtretende Schweizer Herrenchef. Wie alle anderen ist aber auch er sehr froh, dass schliesslich alles ein gutes Ende nahm. «Im Nachhinein kann man sagen, man ist happy und kann es anders einordnen, weil es gut kam.» Rufener hofft sogar, dass Albrecht im Sommer gut trainiert und nächste Saison wieder im Weltcup fahren kann.

Die Messlatte hoch gelegt

Eigentlich wollte Rufener bis zu den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotchi als Herren-Cheftrainer weiterarbeiten. Ein Knatsch mit dem Verband um seine Kündigungsfrist brachte das Fass aber zum Überlaufen. Der 52-Jährige verlängerte seinen Vertrag nicht und entschied sich, einen Job in der Privatwirtschaft anzunehmen. Als Nachfolger hat Swiss Ski Osi Inglin verpflichtet. Der ehemalige Frauen-Cheftrainer von 2005 tritt ein schweres Erbe an. Von seinem Vorgänger bekam er bereits Tipps. «Wir hatten schon gute Übergangsgespräche. Ich sagte ihm frühzeitig, dass er den Betreuerstab nicht auseinanderreissen soll. Das ist das A und O», so Rufener. Was den Rest betrifft, muss Inglin aber einen eigenen Weg finden. «Seine Strategie und Ziele muss er selbst festlegen. Ich wünsche ihm dazu alles Gute.»

Rufeners letzter Weltcup-Auftritt ist am Sonntag mit dem abschliessenden Team-Wettbewerb. An den Schweizer Meisterschaften in der kommenden Woche mit den Speed-Disziplinen in St. Moritz und den technischen Wettbewerben auf der Lenzerheide feiert der Berner dann seinen definitiven Abschied aus dem Skizirkus. Ende April endet sein Arbeistverhältnis mit Swiss Ski.