Dopingnetzwerk zerschlagen

27. Februar 2019 12:45; Akt: 27.02.2019 17:24 Print

Mehrere Festnahmen an der Nordisch-WM

Die nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld haben ihren Dopingskandal. Bei Razzien werden im Zusammenhang mit Dopingverstössen mehrere Personen festgenommen.

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Bei den verhafteten Personen handelt es sich unter anderen um die österreichischen Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf sowie einen kasachischen und zwei estnische Athleten, wie das österreichische Bundeskriminalamt mitteilte. In Deutschland wurden ein Sportarzt und ein deutscher Komplize festgenommen.

«Uns ist es gelungen, auch einen Sportler auf frischer Tat zu erleben», sagte Dieter Csefan vom Bundeskriminalamt bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Innsbruck. Demnach sei eine Person mit Bluttransfusion im Arm angetroffen und festgenommen worden. Um welchen der fünf betroffenen Sportler es sich handelt, wurde nicht bekannt. «Ich bitte um Verständnis, dass wir zu den einzelnen Sportlern keine Angaben machen», sagte Csefan.

Der deutsche ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt hatte in den sozialen Medien von mehreren Razzien in der Nähe der WM-Strecken berichtet, auf denen am Nachmittag das Rennen über 15 Kilometer stattfand. Bisher hat es bei der WM in Seefeld keine Dopingfälle gegeben.

Der mutmassliche Kopf des kriminellen Dopingnetzwerkes ist ein Sportmediziner aus Erfurt, der sich mit einem Komplizen ebenfalls unter den Festgenommenen befindet. Auch in Deutschland fanden mehrere Hausdurchsuchungen statt. Die Behörden ermitteln seit mehreren Monaten «wegen des Verdachts des gewerbsmässigen Sportbetruges sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken». Die Gruppierung in Erfurt sei dringend verdächtig, «seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern und daran zu verdienen», hiess es weiter.

Der bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 positiv auf EPO getestete Langläufer Johannes Dürr hatte im Januar umfassend über die Dopingpraktiken im Leistungssport ausgepackt, hatte sich dann aber nicht für die WM qualifiziert. Seine Aussagen halfen nun auch bei der Operation «Aderlass».

Weltweit agierendes Netzwerk zerschlagen

Es dürfte auch nicht bei den Langläufern bleiben. «Es werden sicherlich auch noch andere Sportarten betroffen sein», sagte Csefan. Als Begründung dafür nannte der Beamte, dass die Ermittlungen ergeben hätten, dass «dieses Netzwerk seit Jahren weltweit agiert». Konkret nannte er einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren und sprach direkt von einer «kriminellen Organisation».

Das österreichische Bundeskriminalamt hatte schon vor gut zwei Jahren bei der Biathlon-WM in Hochfilzen in den Teamunterkünften der kasachischen Nationalmannschaft eine Razzia durchgeführt. Bei der nächtlichen Durchsuchung wurden zahlreiche medizinische Produkte und Medikamente sichergestellt.

Wintersport

(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dopingexperte am 27.02.2019 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Spritzensport

    tja, da werden wohl auch wieder neue Ranglisten erstellt werden müssen... wer an die Spitze im Spitzensport will, darf die Spritze nicht fürchten, eigentlich wäre Spritzensport das richtige Wort:-)

  • Marco am 27.02.2019 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Austria

    Komisch, wenn's im Wintersport um Doping geht, sind die Österreicher immer an vorderster Front dabei... Wir wär's mal mit etwas strengeren Kontrollen auch im alpinen Skisport...?!

    einklappen einklappen
  • ewiger Zweiter am 27.02.2019 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    der Druck der/die Beste zu sein

    wird leider immer grösser - man wird wenn man nicht den Sieg holt oft fertig gemacht - in den Medien steht dann, "ist nur Zweiter geworden" oder "hat versagt und ist am Titel vorbei" Kein Wunder versuchen die Menschen auch im Sport die Leistung mit Zusatzstoffen zu erreichen um nicht als Versager abgestempelt zu werden - so ist das nun mal in dieser höher, schneller weiter Welt

Die neusten Leser-Kommentare

  • schuschleid am 27.02.2019 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufhören mit dem Mist!

    Und unser Dario ist selbstverständlich sauber!

  • Roli am 27.02.2019 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spitze des Eisberges

    Eine Frage der Zeit, wenn es die Norweger und Schweden erwischt. Mir kann keiner erzählen, dass so wie diese Nationen vorne weg laufen ohne Doping machbar ist.

  • Nando am 27.02.2019 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    ausdauersport am schlimmsten

    bin gespannt wann es im triathlon mal so richtg knallt, da wird am meisten reingepfiffen.

  • Thomas Jauslin am 27.02.2019 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dümmer geht immer

    Ich bin jetzt schon auf die Ausreden der Dopingsünder gespannt. Aber wie dumm muss man sein, wenn doch klar ist, dass Dopingfahnder unterwegs sind. Vor allem an einer WM. Jeder Dopingfall zeigt, dass es noch viele dumme Sportler gibt.

  • Mal Ehrlich am 27.02.2019 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Nadel ist gesessen.

    Ich freue mich auf die Reaktion von ÖSV-Präsident, Herrn Schrecksnadel. Sofort ORF einschalten.