Nordische Ski-WM

28. Februar 2011 12:35; Akt: 28.02.2011 12:42 Print

Droht uns das nächste Ski-Debakel?

von Monika Brand - Nach dem enttäuschenden Abschneiden an der Alpinen Ski-WM ruhten die Hoffnungen auf Simon Ammann und Dario Cologna. Doch der Auftakt ist missraten.

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Simon Ammann (l.) und Dario Cologna: Die beiden Schweizer Trümpfe haben an der Nordischen Ski-WM noch nicht gestochen. (Bilder: Keystone)

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Im alpinen Lager lecken Cuche, Janka, Gut und Co. immer noch die Wunden der WM in Garmisch-Partenkirchen. Sechs Medaillen hatte man dort anvisiert, mit lediglich einmal Silber kehrte die Schweizer Delegation aus Deutschland zurück. Routinier Cuche hatte in der Abfahrt zugeschlagen. Ansonsten häuften sich zu Beginn der Weltmeisterschaft die vierten Plätze, am Ende gabs in den technischen Disziplinen gar nur noch Klassierungen unter «ferner liefen».

Umfrage
Gibt es auch an der Nordischen Ski-WM ein Medaillen-Debakel für die Schweiz?
42 %
38 %
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Insgesamt 285 Teilnehmer

Nach dieser herben Enttäuschung bot sich also für einmal die Chance für die nordischen Ski-Athleten, ihre alpinen Kollegen zu überflügeln. Die Stimmung im Land war gut. Auch die 20-Minuten-Online-User waren überzeugt, dass Ammann, Cologna und Co. zuschlagen würden: 69 Prozent der über 1500 Teilnehmenden sprachen sich im Vorfeld der WM in Oslo bei unserer Umfrage dafür aus, dass die Schweiz mindestens zwei Medaillen holen würde. Seit Donnerstag ist nun die Weltmeisterschaft im Gang, doch bisher ist auch hier die Bilanz der Eidgenossen ernüchternd. Langläufer Dario Cologna trat bereits zweimal an – und verpasste zweimal die Medaillen deutlich. Im Sprint am Donnerstag war zwar klar, dass nur mit einem Exploit mit Schweizer Edelmetall zu rechnen war, dennoch war das Halbfinal-Aus des Münstertalers enttäuschend. Der Weltcup-Leader war als Neunter schliesslich gerade mal zwei Plätze besser als Teamkollege Martin Jäger, der überraschend stark lief und im Halbfinal durch einen Stockbruch ausgebremst wurde.

Schwarzes Wochenende für die Schweiz

In der Doppelverfolgung über 30 Kilometer am Sonntag zog Cologna schliesslich erneut einen schwarzen Tag ein. Bis zwei Kilometer vor dem Ziel kämpfte der Münstertaler, der in diesem Rennen zu den Medaillenanwärtern gehörte, vorne mit. Dann aber liess er sich im Feld einklemmen und fädelte beim Ausscheren ein. Damit war das Rennen für den Schweizer vorbei, der Traum vom Edelmetall geplatzt. Cologna erreichte das Ziel schliesslich nur als 24.

Auch im Skispringen war der Schweiz das Glück nicht hold. Doppel-Doppel-Olympia-Sieger Simon Ammann sprang am Samstag auf der Normalschanze auf Platz 4 – und holte damit «Leder». Ein Bild, wie wir es uns von der Alpinen Ski-WM bereits gewohnt sind. 4,8 Punkte fehlten dem Toggenburger am Ende aufs Podest.

Nur noch drei Chancen

Anders als im alpinen Bereich lastet an der Nordischen Ski-WM der gesamte Druck im Schweizer Lager nur auf zwei Schultern: denjenigen von Dario Cologna und Simon Ammann. Nach knapp der Hälfte der Weltmeisterschaft haben die beiden Trümpfe noch nicht gestochen und die Chancen für Edelmetall schwinden zunehmend. Konkret dürfen wir uns nur noch dreimal die Hoffnung auf eine Medaille machen: Dario Cologna tritt am Dienstag über 15 Kilometer klassisch an. Hier gehört er wie bei der «Königsdisziplin» über 50 Kilometer freie Technik am Sonntag zu den Sieganwärtern, zumal Mitfavorit Petter Northug sich entschieden hat, das Rennen auszulassen (20 Minuten Online berichtete). Auch mit der Männer-Staffel tritt Cologna am Freitag noch an, doch diese wird im Kampf um die Medaillen wohl nicht mitmischen können. Seit dem historischen Weltcupsieg der Schweizer in La Clusaz zeigt die Formkurve des Teams nach unten. Toni Livers zog sich eine rätselhafte Virusinfektion zu und Curdin Perl kämpft mit einem Leistenbruch.

Für Simon Ammann geht es am Donnerstag noch einmal um Edelmetall. Dann wird von der Grossschanze gesprungen. Titelverteidiger ist hier übrigens Andreas Küttel. Doch der Schweizer wird bei seinem letzten Wettkampfsprung der Karriere nicht mehr vorne mitmischen können. Er muss froh sein, wenn er überhaupt die Qualifikation vom Mittwoch übersteht.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Österreicher am 28.02.2011 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Gedankenanstoss

    Auffallend ist nur dass die Mehrheit der Schweizer es zwar schade finden wenn keine Medaille gemacht wird, aber insgesamt immer hinter ihrem Team stehen. Die Medien schaukeln die Sache mit übertriebenen Erwartungen in den Himmel und schreiben sich dann danach den Frust von der Seele. War an der Ski-WM genau das Gleiche: Jedem schweizer No-Name wurde plötzlich eine Medaille zugetraut und hinterher war man in den Medien enttäuscht. Extremer sind nur die Medien in meinem Heimatland Österreich, wo selbst eine Silbermedaille in den Medien (zum Glück NUR in den Medien) als Niederlage angesehen wird

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  • Nachwuchssportlerin am 01.03.2011 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sind die Erwartungen an alle gleich hoch??

    Dario Cologna, Lara Gut, Carlo Janka, Wendy Holdener und alle anderen Talente aus dem Sport. Sie haben das Zeug zum Siegen, aber es reicht nicht immer. Alle Leute können nicht immer in Topform sein. Oder arbeiten Sie jeden Tag genau gleich viel in derselben Zeit wie am Vortag?? Nichts ist so brutal wie der Spitzensport - wenn du verlierst wirst du von den Medien den Bach runtergezogen. Wie wäre es, wenn der Chef abends zu Ihnen sagt: "heute war Ihre Leistung nicht gleich stark wie gestern, wenn Sie morgen nicht besser arbeiten können Sie gehen." ????

  • rollibolli1 am 28.02.2011 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Mentalitaet

    Solange man in der CH immer noch nicht merkt, dass erfolgreicher Spitzensport nicht nur Topathleten und Betreuer braucht, sondern eine professionelle Verbandsstruktur von A-Z . Die CH hatte sehr oft das Glueck dass Riesentalente z.T. vorhanden waren, die die Medallen holten , aber die Verbaende haben seit Jahren amatuercharakter oder sind durch Nobodys gefuehrt. Warum ist man in der CH nicht in der Lage die ex-Stars in die Verbaende und in die Nachwuchsfoerderung einzubringen...?!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nachwuchssportlerin am 01.03.2011 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sind die Erwartungen an alle gleich hoch??

    Dario Cologna, Lara Gut, Carlo Janka, Wendy Holdener und alle anderen Talente aus dem Sport. Sie haben das Zeug zum Siegen, aber es reicht nicht immer. Alle Leute können nicht immer in Topform sein. Oder arbeiten Sie jeden Tag genau gleich viel in derselben Zeit wie am Vortag?? Nichts ist so brutal wie der Spitzensport - wenn du verlierst wirst du von den Medien den Bach runtergezogen. Wie wäre es, wenn der Chef abends zu Ihnen sagt: "heute war Ihre Leistung nicht gleich stark wie gestern, wenn Sie morgen nicht besser arbeiten können Sie gehen." ????

  • Daniel am 28.02.2011 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Viel zu hohe Erwartungen

    Sportliche Erfolge kann man nicht einfach auf Knopfdruck herbeizaubern. Das erfordert jahrelange Aufbauarbeit. Die Medien schrauben die Erwartungen viel zu hoch. Die Sportspektakel werden auch völlig überbewertet. Was nützt mir in meinem persönlichen Leben eine Goldmedaille eines Schweizers? Rein gar nichts, weder mehr Lohn noch Anspruch auf Rente. Deshalb sind mir die Resultate an WM's und Olympiaden ziemlich egal.

  • rollibolli1 am 28.02.2011 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Mentalitaet

    Solange man in der CH immer noch nicht merkt, dass erfolgreicher Spitzensport nicht nur Topathleten und Betreuer braucht, sondern eine professionelle Verbandsstruktur von A-Z . Die CH hatte sehr oft das Glueck dass Riesentalente z.T. vorhanden waren, die die Medallen holten , aber die Verbaende haben seit Jahren amatuercharakter oder sind durch Nobodys gefuehrt. Warum ist man in der CH nicht in der Lage die ex-Stars in die Verbaende und in die Nachwuchsfoerderung einzubringen...?!

  • Besserwisser am 28.02.2011 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Sport = *gähn*

    Skifahren? Gähn... Fussball? Mega-Gähn... Evtl. Tennis & Skispringen, Eishockey. Aber mehr ist halt nicht drin im Schweizer Sport! :-) Darum -> wegzappen

    • Denker am 28.02.2011 16:47 Report Diesen Beitrag melden

      Skifahren gähn?

      Letzt Saison haben unsere Skifahrer Medallien geholt, da war die Schweiz noch das mit abstand effizienteste Land, wenn man die Top 50 anschaute. Dieses Jahr läuft es einmal nicht wie gewünscht und schon kommen die dummen Kommentare. Finde ich wirklich schade, dass so viele Sportzuschauer nur "Fans" der Gewinner sein wollen und bei schlechten Leistungen ihre Nation nicht mehr unterstützen.

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  • K.E. am 28.02.2011 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Alleine gegen Gruppe

    Dario Cologna war völlig auf sich alleine gestellt, während sich die anderen Spitzenläufer auf ihre Teamkameraden verlassen konnten.