Horrorsturz am Hahnenkamm

20. Januar 2011 11:14; Akt: 21.01.2011 09:44 Print

Grugger übersteht OP gut - Albrecht leidet mit

Kitzbühel-Trainingsopfer Hans Grugger wurde in der Uniklinik Innsbruck offenbar ein Blutgerinsel im Kopf erfolgreich entfernt. Er liegt nun auf der Intensivstation.

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Kurz nach 18 Uhr hat der ÖSV eine offizielle Meldung veröffentlicht. Laut dieser ist die OP beendet und sei «gut verlaufen». Wie «oe24» berichtet, wurde Grugger auf die neurochirurgische Intensivstation verlegt, wo er die Nacht verbringen soll. Weitere Informationen sollen im Lauf des Freitags folgen.

Der Horrorsturz von Hans Grugger beim Abfahrtstraining in Kitzbühel hat die Skiwelt schockiert. Daniel Albrecht wurde vor zwei Jahren selbst ein Opfer der Streif und überlebte seinen schweren Sturz nur mit viel Glück. Dass nun erneut ein Fahrer mit dem Leben kämpft, stimmt den Walliser nachdenklich. «Der schwere Unfall von Hans Grugger hat mich tief getroffen. Ich möchte mich dazu nicht weiter äussern. Ich bin mit meinen Gedanken bei ihm und seinen Angehörigen», lässt Albrecht durch Swiss-Ski ausrichten.

Gemäss «oe24» sickerte durch, dass dem Schwerverletzten während einer Notoperation ein Blutgerinsel im Kopf entfernt wurde. Weitere Informationen geben die Ärzte heute nicht mehr bekannt. Sie wollen die Entwicklung in den Nachtstunden abwarten und morgen vor die Öffentlichkeit treten.

Notoperation immer noch im Gang

Grugger wurde nach seiner Erstversorgung an der Unfallstelle mit einem Rettungshelikopter in die Uniklinik Innsbruck geflogen. Dort wird er seit dem frühen Donnerstag-Nachmittag notoperiert. Laut Erstdiagnose von Universitätsprofessor Dr. Michael Blauth, dem Leiter der Unfallchirurgie der Universitätsklinik Innsbruck, hat sich Grugger schwere Kopfverletzungen zugezogen. Erste Informationen vom österreichischen Skiverband (ÖSV) hatten gelautet, dass Grugger ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Brustkorbverletzung erlitten habe und nicht ansprechbar gewesen war.

Gemäss der ärztlichen Direktorin und Neurochirurgin Alexandra Kofler sei Gruggers Zustand so kritisch gewesen, dass er sofort operiert werden musste. Ob Lebensgefahr bestehe, könne man erst während der Operation feststellen, so Kofler im ORF. Zur österreichischen Presseagentur APA sagte sie weiter: «Wie lange der Eingriff dauern wird, ist nicht absehbar.» Der ÖSV hatte mitgeteilt, dass nähere Informationen erst nach dem Eingriff gegeben werden können. Präsident Peter Schröcksnadel hat am Abend um 17.30 Uhr erstmals eine Nachrichtensperre verhängt.

Fataler Fahrfehler in der Mausefalle

Grugger war kurz nach dem Start nach der ersten Linkskurve beim Sprung in die Mausefalle in Rücklage geraten und gestürzt. Bei der völlig verunglückten Landung verlor er die Kontrolle. Beim Aufprall schlug sein Kopf auf die Piste. Anschliessend rutschte der Österreicher ungebremst den steilen Hang hinunter und blieb dort regungslos liegen. Die Notärzte mussten beim 29-Jährigen noch auf der Unfallstelle einen Luftröhrenschnitt vornehmen.

Nach einem rund halbstündigen Unterbruch wurde das Training fortgeführt. Es gab keine weiteren Zwischenfälle. Vorjahressieger Didier Cuche stellte die Bestzeit auf. Diese Meldung wurde aufgrund der Geschehnisse nur als Randnotiz aufgenommen.

Erinnerungen an Albrechts Sturz

Gruggers Sturz erinnert an den Vorfall vor zwei Jahren mit Daniel Albrecht. Der Walliser stürzte damals im Zielhang brutal und erlitt ebenfalls ein Schädel-Hirn-Trauma. Albrecht hatte Glück und überstand den langen Kampf zurück in den Alltag und den Skirennsport. Am Morgen bei der Besichtigung war Albrecht dabei. Für ein Training fühlte er sich aber noch nicht bereit.

Pechvogel Grugger

1998 erlitt der Salzburger in Zauchensee im Training zu einer Europacup-Abfahrt einen ersten Kreuzbandriss, zwei Jahre später verletzte er sich an einer Ski-Kante den Nacken. In der Saison 2004/05 stand er vor dem grossen Durchbruch im Weltcup. Grugger gewann die Abfahrten von Bormio und Chamonix und im Dezember 2005 in Val Gardena auch einen Super-G. Kurz darauf stürzte er aber erneut schwer. In Bormio zog er sich eine Hüftluxation zu, Olympia 2006 ging deshalb ohne ihn über die Bühne.

Grugger kämpfte sich zurück und im März 2007 feierte er in Kvitfjell, wieder in einem Super-G, seinen vierten und bisher letzten Weltcupsieg. Einen Monat später erlitt er bei Ski-Tests in Saalbach erneut einen Kreuzbandriss. Im Winter darauf folgte das nächste Malheur. In Lake Louise riss - ohne dass er gestürzt wäre - das operierte Kreuzband erneut. Damit aber nicht genug: Im Januar 2009 folgte im Training zur Europacup-Abfahrt in Wengen der dritte Kreuzbandriss, diesmal im anderen Knie. So war schliesslich die vergangene Saison die erste seit vielen Jahren, in der Grugger durchfahren konnte.

(heg / si)