«Schuh-Streit»

08. November 2019 18:35; Akt: 08.11.2019 19:16 Print

Ihr droht Sperre, wenn sie nicht unterschreibt

von Philipp Rindlisbacher - Die österreichische Skifahrerin Katharina Liensberger sorgt mit einem Markenwechsel für ein kleines Erdbeben.

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Es geht um eine Firma, die Ski herstellt, aber keine Schuhe. Es geht um eine junge Frau, die stur ist, aber schlecht beraten. Es geht um einen Verband, der helfen möchte, aber nicht nachgeben kann.

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Katharina Liensberger, Skifahrerin aus Österreich, hat mit ihrem Markenwechsel von Rossignol zu Kästle für ein kleines Erdbeben gesorgt in der Szene. Der Wechsel im Frühling erstaunte, war es der WM-Zweiten im Teambewerb und Gesamt-12. im Weltcup doch mehr als ansprechend gelaufen.

Die Vorarlberger Firma aber wollte mit der Vorarlberger Rennläuferin nach 22-jähriger Absenz wieder zurück auf die grosse Bühne, das Angebot war dementsprechend lukrativ. Wobei Geld alleine nicht glücklich macht – es muss einem auch gehören.

Die naive Haltung

Dass Liensberger an die Honigtöpfe gelangen wird, erscheint unwahrscheinlich. Aber alles der Reihe nach: Seit diesem Jahr gehört Kästle wie rund 300 andere Firmen zum Austria Ski Pool. Nur Mitglieder dieses Vereins dürfen Athleten des österreichischen Skiverbandes (ÖSV) ausrüsten.

Grosse Nationen haben solch einen Pool, die Aufnahme hat ihren Preis. Die Schweizer Skimarke Stöckli etwa gehört jenem des ÖSV nicht an. Ski, Schuhe, Bindung, Stöcke, Helm, Brille, Handschuhe – alle Utensilien müssen von einem Pool-Mitglied stammen. Ohne gültige Ausrüstungsverträge kriegen die Athleten keine Lizenz.

Im Kontrakt zwischen Liensberger und Kästle steht, dass der Sportlerin Ski und Schuhe zur Verfügung gestellt werden. Dumm nur, produziert Kästle gar kein Schuhwerk. Die Verantwortlichen hatten beim ÖSV nachgefragt, ob sie bei einem Pool-Mitglied Schuhe kaufen können. Dies wurde mit ja beantwortet, samt Zusatz, man müsse mit den Firmen sprechen.

Kästle bezog das «Sprechen» auf den blossen Kauf der Produkte, nicht auf einen Vertragsabschluss. Es spricht weder fürs Unternehmen noch für Liensberger, kannten sie die seit Jahrzehnten gängigen Regeln nicht. Geplant war, dass Liensberger mit einem Schuh der Firma Lange fahren würde. Lange aber gehört zum Rossignol-Konzern. Welcher – brüskiert vom Abgang des Talents – den Deal nicht akzeptierte.

Das Ultimatum

Kästle hat es versäumt, Kooperationen aufzubauen mit Herstellern von Schuhen und Bindungen. So wie es Stöckli, ebenfalls kein Schuhproduzent, getan hat. Offenbar fällt es Kästle schwer, Verbündete zu finden, weil mit dem Vorpreschen die Konkurrenz brüskiert und gegen ein Gentlemen`s Agreement verstossen wurde. Ein Neuling im Skipool soll zu Beginn ausschliesslich Nachwuchsathleten ausrüsten. Es überrascht denn auch nicht, wurde Kästle vom Austria Ski Pool auf 2021 hin bereits wieder gekündigt.

Die Macht des Pools, sie ist riesig. Fahrer und Fabrikanten würden dadurch geschützt, weil mit den Regeln und Verträgen Qualität und Planungssicherheit für beide Seiten garantiert sei, heisst es. Vergleiche Fälle wie die Causa Liensberger hat es nie gegeben, Lara Gut-Behrami war 2010 einst für zwei Rennen gesperrt worden, weil sie an offiziellen Swiss-Ski-Anlässen Kleider eines Ausrüsters trug, der nicht dem Skipool angehörte.

Der ÖSV hat mehrmals eingelenkt. Die eigentliche Frist verstrich bereits vor drei Monaten, bereits dannzumal hätte Liensberger von Verbandstrainings ausgeschlossen werden können. ÖSV-Vertreter glätteten die Wogen bei Rossignol, sorgten dafür, dass die Franzosen Liensberger wieder aufnehmen wollen. Ihr Status aber wäre kaum mehr derselbe.

Und: Rossignol offeriert keinen Einjahres-, sondern will einen Zweijahresvertrag. Diesen aber mag die Slalom- und Riesenslalomfahrerin partout nicht unterzeichnen, weshalb sie vor drei Wochen in Sölden nicht starten durfte.

Eine Alternative gibt es nicht, das Transferfenster ist längst zu. Einigen sich die Partien nicht bis in acht Tagen, wird Liensberger gesperrt – für den ganzen Winter. Szenekenner meinen, die 22-Jährige habe schlechte Einflüsterer, einige halten einen Nationenwechsel für möglich, andere schliessen nicht einmal aus, dass die Athletin den juristischen Weg bestreiten werde. Affaire à suivre.

Wintersport

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mariangi am 08.11.2019 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Sport im Hintergrund

    Steht da der Sport noch im Vordergrund? Wahnsinn was da abgeht, einfach nur unglaublich und ohne Worte.

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  • Nick am 08.11.2019 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Konstruktiver Vorschlag

    Kann die junge Dame nicht für ein anderes Land fahren? Die Fidschi-Inseln, Grönland oder so was in der Art. Die haben vermutlich keinen "Pool", sie kann also tragen was sie will, das Geld fliesst in ihre eigene Tasche und Team-interne Konkurrenz dürfte es da auch weniger geben als in AT. Problem gelöst

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  • Herrje Mine am 08.11.2019 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da soll

    noch irgend eine/r erzählen, dass das Affentheater Sport ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni Lötscher am 13.11.2019 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ahnungslos

    Liensbergers Berater haben demnach absolut keine Ahnung von der Materie.

  • Silvio am 12.11.2019 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Profisport

    Wenn man Profisport betreibt ist das kein "Wahnsinn" oder "Affentheater" oder sonswas. Wer Verträge abschliesst, muss sich an die Regeln halten. Dafür bekommen die Sportler auch Geld. Und das nicht zu knapp, wenn man in den ersten zwei Gruppen startet. Der Sport steht schon noch im Vordergrund, Mariangi, Aber es sind Berufssportler dann gibts nicht zu Jammern..

  • Peter Gerber Plech am 10.11.2019 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Zu einfache Sichtweise

    Der Fall ist einiges komplexer, als einige Kommentatoren/Kommentatorinnen hier meinen. Und doch: das hat mit Sport zu tun. Und zwar mit Sport des 21. Jahrtausends. Sport ist ein Wirtschaftszweig und längst nicht mehr nur Freizeitvergnügen.

  • Cavi33 am 09.11.2019 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar geregelt

    Wo ist da das Problem???? Wenn man zu dumm ist dann soll sie zu Hause bleiben.

  • roli am 09.11.2019 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Sport wird kaputt gemacht

    So macht man Sportler und deren Sport kaputt. Schade überall gehts nur noch ums Geld. Sie soll sofort für ein anderes Land fahren.

    • @.caro am 10.11.2019 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @roli

      In einem anderen Land ist es das gleiche!!!!Haben alle Ausrüster Pools!!

    • Peter Gerber Plech am 10.11.2019 14:27 Report Diesen Beitrag melden

      nein, haben sie nicht

      nein, haben sie nicht

    • @.caro am 10.11.2019 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Gerber Plech

      Ja,wenn sie für Kuba startet nicht!!

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