Alle fragen sich

31. Januar 2019 07:15; Akt: 31.01.2019 11:55 Print

Ist der Schuh heutzutage wichtiger als der Ski?

von Dominic Duss - Vor und während der Saison tüfteln Skirennfahrer ständig an ihrem Schuhwerk herum. Experten erklären, welche Bedeutung diesem zukommt.

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In Schladming bestreitet Alexis Pinturault den ersten Lauf des Nacht-Slaloms. «Er hat seinen Schuh modifiziert», sagt SRF-Kommentator Stefan Hofmänner während der Fahrt des Franzosen. Dem Vernehmen nach habe Pinturault seinen Schuh umgebaut und nun laufe es ihm, ergänzt der Berner. «Kleine Änderungen mit grossen Konsequenzen», hält Didier Plaschy fest. Der ehemalige Skirennfahrer erklärt den TV-Zuschauern: «Der Skischuh dient als Interface, er ist die Schnittstelle zwischen den Gedanken des Skifahrers und dem Ski auf dem Schnee.»

«Der Schuh ist zwar ein wichtiger Faktor. Am Ende muss aber alles stimmen.»

Bernhard Matti, Rennsportleiter Stöckli


Vor dem entscheidenden Durchgang gehen die beiden Kommentatoren auf die fünf Paar Ski ein, die Marcel Hirscher in den Tagen vor dem Rennen auf der nahe gelegenen Reiteralm getestet habe. «Er hat sein Setting Package auf den Heimberg abgestimmt», sagt Plaschy. Wie viele Skischuhe der Dominator und spätere Sieger des Slaloms dabei ausprobierte, bleibt das Geheimnis des Österreichers und seines Staffs. Jedenfalls dürften es viele gewesen sein. Dutzende Skischuhe soll Hirscher im letzten Februar an die Olympischen Spiele nach Pyeongchang mitgenommen haben. Das erweckt den Eindruck, dass das Schuhwerk mittlerweile fast wichtiger als die Ski geworden ist.

«Der Schuh ist zwar ein wichtiger Faktor», bestätigt Bernhard Matti. Der Stöckli-Rennsportleiter gibt allerdings zu bedenken: «Am Ende muss alles zusammenstimmen.» Sprich: Das ganze Setup muss passen. «Aufgrund der Übertragung des Schuhs auf die Skiplatte hat er sehr wohl einen Einfluss auf das Fahrverhalten», führt Matti aus. Letztlich seien jedoch die Schuhe, Platten, die Konstruktion und Präparation der Ski sowie die Beschaffenheit des Schnees ausschlaggebend über Erfolg oder Misserfolg.

Viel mehr Möglichkeiten

Matti hebt hervor: «Der Schuh war schon immer von Bedeutung.» Von ehemaligen Schweizer Rennfahrern wie Michael von Grünigen oder Franz Heinzer weiss er, dass sie zu ihren Aktivzeiten manchmal absichtlich auf ältere Schuhmodelle zurückgriffen. «Diese waren um einiges weicher, was dem Rennfahrer je nach Strecke einen kleinen Vorteil einbrachte.» Was sich im Vergleich zu früher definitiv geändert hat, sind die Möglichkeiten zu tüfteln. Heutzutage steht den Fahrern nicht mehr ein beschränktes Kontingent an Material zur Verfügung. Je nach Marke können sie schier endlos Neues ausprobieren. «Der eine optimiert lieber am Schuh etwas, der andere am Ski», sagt der Rennsportleiter der Schweizer Traditions-Skimarke.

Hirscher konnte an der WM in St. Moritz auf acht verschiedene Paar Schuhe zurückgreifen.

Ebenfalls anders als vor zwei oder drei Jahrzehnten ist die Beschaffenheit des Schnees. «Früher herrschten überall jeweils in etwa die gleichen Verhältnisse», sagt Matti. In Europa sei der Schnee meist feucht, in Nordamerika trocken gewesen. «Durch den Kunstschnee hat sich dies verändert, und deshalb müssen die Fahrer ihr Material den jeweiligen Gegebenheiten anpassen.» Das ist der Hauptgrund für die Materialschlacht vor und an den Wettkämpfen. Dazu ein Beispiel: Hirscher liess von seinem Staff bereits vor zwei Jahren rund eine halbe Tonne Material an die WM nach St. Moritz befördern. Auf acht verschiedene Paar Schuhe konnte er bei seiner Jagd nach Medaillen im Engadin zurückgreifen.

Wenn der Schuh drückt

Wie viele Schuhe die Schweizer an die Weltcup-Rennen mitnehmen, sei von Athlet zu Athlet unterschiedlich. «Gewisse haben nur einen, andere bis sechs», sagt Zoé Chastan, die bei Swiss-Ski für die Kommunikation Ski Alpin Männer verantwortlich ist. Die Rennfahrer wählen von Rennen zu Rennen ein anderes Setup. Das Anpassen der Schuhe nimmt vor, während und nach der Saison jeweils viel Zeit in Anspruch. Das fängt schon bei der Produktion der Skischuhe an, was bei solchen für Ramon Zenhäusern besonders anspruchsvoll ist. Mit Schuhgrösse 47 fällt der Walliser Slalom-Spezialist aus dem Rahmen.

Etliche Fahrer lassen an ihrem Schuhwerk immer wieder Anpassungen vornehmen oder wechseln es sogar während der laufenden Saison. Dazu hat sich beispielsweise Carlo Janka entschieden. Der Bündner hatte im Sommer den Schuh gewechselt, musste nach einigen Rennen aber wieder auf das Vorgängermodell umsteigen, weil der Erfolg ausblieb. Zu wissen, wo der Schuh genau drückt oder eben zu wenig Druck erzeugt, ist für Skifahrer im Kampf um jede Hundertstelsekunde enorm wichtig.

Wintersport

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sporty am 31.01.2019 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    Das Fundament ist das wichtigste...

    Mein Vater fuhr früher auch Skirennen als guter Amateur. Er hat mir schon als Kind immer gesagt. Der Schuh ist das Wichtigste dort spart man als letztes. Die Füsse sind das Fundament unseres Bewegungsaparates und sollten immer ein gutes Schuhwerk kriegen, nicht nur im Skisport.

  • Benno am 31.01.2019 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Achtet auf Eure Worte!

    Der Riesenslalomgott Mike von Grüningen ein Abfahrer? Zwar fuhr und fährt er tatsächlich vom Berg herab, aber trotzdem grenzt diese Aussage an Blasphemie.

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  • Marlies2018 am 31.01.2019 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch

    Das wichtigste ist immer noch der Mensch, der Ski fährt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • David Kamber am 01.02.2019 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    konkret

    Bitte ein bischen konkreter! Was wir denn jeweils verändert?

  • Gnorb am 31.01.2019 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Pfff..

    Was für eine Art Wettkampf soll das sein, wo es nur um Hundertstel geht und dann Schuhe entscheiden? Ich glaub die alten Griechen etc würden sich kringeln vor lachen.

    • Papa Bär am 31.01.2019 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gnorb

      Oooh ja, das würden sie bestimmt. Flipflops in der Arena, ein amüsantes Bild vor dem geistigen Auge.

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  • Penzo am 31.01.2019 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Hirscher dank Material!

    Gebt den anderen Fahrern auch ein Heer an Service- und Betreuungsleuten wie bei Hirscher und sie sind schneller als er! Und der Papa darf natürlich auch nicht fehlen...

    • Remo am 31.01.2019 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Penzo

      Zuerst selber erarbeiten heisst die Zauberformel, Hirscher musste auch klein anfangen;) Noch etwas: Abliefern muss man danach ebenfalls, ansonsten ist der Sonderstatus schneller weg wie er gekommen ist.

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  • toschi am 31.01.2019 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Was nützt der beste Ski?

    Was nützt der beste Ski, wenn der Schuh weh tut? Als Kaufberatung: Der Schuh ist das Wichtigste! Sicher ist der Ski auch wichtig, aber der Schuh ist und bleibt das Kupplungsstück zwischen Mensch und Ski! Wenn das nicht stimmt macht man sich absolut keinen Gefallen! Lieber hier mehr ausgeben und Freude am Skifahren haben.

  • Bruno Roth am 31.01.2019 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    90 Prozent der Skifahrer rutscht auf der Piste

    Beides ist sehr wichtig. Doch ebenso oportun ist: Vom Driften wegkommen, sich anstrengen, Schwung richtig einleiten - mal gewagt zu sagen, dass 90 % die Piste runter rutscht. Lernt Bogen/Kurven fahren!

    • Gong am 31.01.2019 15:34 Report Diesen Beitrag melden

      Speeeeeed

      Naja ... wer wirklich dauernd auf der Kante entsprechend dem Skiradius tatsächlich carvt wird idR ein bisschen sehr schnell?

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