Platz 3 in Düsseldorf

03. Dezember 2011 14:40; Akt: 04.12.2011 21:32 Print

Schweizerin van der Graaff mit Exploit

Laurien van der Graaff bescherte dem Schweizer Frauenlanglauf eine Sternstunde. Die 24-jährige Davoserin lief am Samstag beim Weltcupsprint in Düsseldorf als Drittklassierte auf das Podest, am Sonntag folgte im Teamsprint Rang 4 mit Bettina Gruber.

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Strahlende Dritte: Laurien van der Graaff (r.). (Bild: AFP)

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Van der Graaff erlebte auf der flachen Strecke entlang des Rheinufers ihr bislang erfolgreichstes Wochenende. Der grosse Coup gelang ihr am Samstag, als sie sich bloss der Amerikanerin Kikkan Randall und der Russin Natalia Matwejewa geschlagen geben musste. Mit der Läuferin der Trainingsgemeinschaft Hütten stieg erst zum zweiten Mal eine Langläuferin aus der Schweiz auf ein Weltcup-Podest. Die Premiere war Evi Kratzer 1987 bei ihrem Sieg in Calgary (Ka) über 10 km in klassischer Technik gelungen. Am Sonntag tauchte die Davoserin zusammen mit Bettina Gruber erneut in der Weltspitze auf. Im Teamsprint resultierte Rang 4. In der letzten Runde machte Van der Graaff noch zwei Positionen gut. Die Chance auf einen weiteren Podestplatz bot sich allerdings nicht.

Die Biologie-Studentin, die bislang zwei 21. Ränge als beste Weltcup-Klassierungen in Einzelrennen vorwies, überzeugte am Samstag bereits mit Rang 8 in der Qualifikation. Im Final nutzte Van der Graaff ihre Chance souverän. Die Qualifikationssiegerin Riikka Sarasoja-Lilja (Fi) und Hanna Brodin (Sd) kamen sich in die Quere und fielen aus der Entscheidung. Die Schweizerin hingegen hatte Glück, dass ihre Rangelei mit Chandra Crawford (Ka) ohne Folgen blieb. Auf der Zielgeraden schob sich die Bündnerin im letzten Moment an Crawford, der Olympiasiegerin von Turin, vorbei.

«Ich spürte, dass sie nachlässt. Das gab mir noch einen Extraschub», schilderte Van der Graaff die entscheidende Szene. «Ich hätte dieses Resultat nicht für möglich gehalten», fügte sie hinzu. Sie sei mit dem Ziel einer Halbfinal-Qualifikation nach Düsseldorf gereist. Bereits in der Vorschlussrunde hatte die Skatingspezialistin mit einem Etappensieg überzeugt. Die Leistung der Schweizerin ist hoch einzuschätzen, auch wenn einige Allrounderinnen um Düsseldorf einen Bogen machten.

Van der Graaff schaffte den Exploit auf einer Strecke, die auf ihre Fähigkeiten und ihre Technik zugeschnitten ist. Die «Hausecken-Rennen» liegen ihr besser als die kräftezehrenden Sprints mit den happigen Steigungen. Auf den flachen Geraden baut die Davoserin ein hohes Tempo auf. Ihre Schnelligkeit will sie in der kommenden Saison unter anderem in den Städtesprints von Mailand (14. Januar) und Moskau (2. Februar) ausspielen. Van der Graaff erhält bereits am kommenden Wochenende beim Skatingsprint in Davos die Chance zur Bestätigung.

Sturz von Jäger

Auch die Schweizer Männer schienen auf dem Weg zu einer Grosstat. Mit Eligius Tambornino, Jöri Kindschi und Martin Jäger standen gleich drei Swiss-Ski-Vertreter im zweiten Halbfinallauf am Start. Ihre nummerische Überlegenheit konnten sie allerdings nicht in einen Exploit ummünzen. Der WM-Elfte Jäger kam bereits am Start zu Fall und erlitt zusätzlich einen Stockbruch. Tambornino und Kindschi schafften es nie an die Spitze des Feldes. Tambornino fand im Endspurt keine Lücke, um seine Endschnelligkeit auszuspielen. Immerhin resultierte mit den Rängen acht, neun und elf eine feine Teamleistung. Im Final lief Ole Vigen Hattestad (No), der Sprintweltmeister von Liberec 2009, zu seinem elften Weltcupsieg.

Düsseldorf. Weltcup. Sprint. Freie Technik. Männer (1,7 km):

1. Ola Vigen Hattestad (No).
2. Alexej Petuchow (Russ).
3. Paal Golberg (No).
4. Anssi Pentsinen (Fi).
5. Teodor Peterson (Sd).
6. Federico Pellegrino (It).
7. Matias Strandvall (Fi).
8. Eligius Tambornini (Sz).
9. Jöri Kindschi (Sz).

10. Eirik Brandsdal (No).
11. Martin Jäger (Sz).
In der Qualifikation gescheitert: 32. Valerio Leccardi (Sz).

71 klassiert.

Bemerkung: u.a. Schweizer Distanzteam nicht am Start.

Weltcup. Zwischenstand (5/35):

1. Petter Northug (No) 355.
2. Dario Cologna (Sz) 278.
3. Johan Olsson (Sd) 259.
4. Alexej Poltaranin (Kas) 185.
5. Eldar Rönning (No) 180.
6. Marcus Hellner (Sd) 177.
Ferner: 23. Remo Fischer (Sz) 68. 42. Tambornino 32. 45. Kindschi 29. 47. Jäger 24. 67. Curdin Perl (Sz) 8. 80. Toni Livers (Sz) 5.

88 klassiert.

Frauen (0,9 km):

1. Kikkan Randall (USA).
2. Natalia Matwejewa (Russ) 0,4 Sekunden zurück.
3. Laurien van der Graaff (Sz) 1,0.
4. Chandra Crawford (Ka) 1,2.
5. Hanna Brodin (Sd) 1,9.
6. Riikka Sarasoja-Lilja (Fi) 14,4.
7. Mona-Lisa Malvalehto (Fi).
8. Maiken Caspersen Falla (No).
9. Mia Eriksson (Sd).
10. Ingvild Flugstad Östberg (No).
Ferner: 15. Bettina Gruber (Sz) .

56 klassiert.

Weltcup. Zwischenstand (5/35):

1. Marit Björgen (No) 446.
2. Therese Johaug (No) 316.
3. Vibeke Skofterud (No) 309.
4. Charlotte Kalla (Sd) 302.
5. Randall 289.
6. Justyna Kowalczyk (Pol) 201.
Ferner: 22. Van der Graaff 60. 49. Gruber 16.

73 klassiert.

Teamsprint. Männer (6mal 1,7 km):

1. Schweden (Jesper Modin/Teodor Petersen).
2. Russland (Nikita Kriukow/Petuchow).
3. Norwegen (Golberg/Hattestadt).
4. Finnland.
5. Kanada.
6. Österreich.
Ferner: 9. Schweiz (Jäger/Tambornino).

In den Halbfinals ausgeschieden: 16. Schweiz II (Leccardi/Kindschi).

26 Teams klassiert.

Frauen (6mal 0,9 km):

1. Norwegen (Mari Eide/Falla).
2. USA (Sadie Bjornsen/Randall).
3. Russland (Natalja Korostelewa/Matwejewa).
4. Schweiz (Gruber/Van der Graaff).
5. Finnland (Anna Kyllönen/Sarasoja-Lilja).
6. Schweden (Eriksson/Brodin).

(sda)

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