Horrorsturz in Kitzbühel

20. Januar 2011 13:13; Akt: 21.01.2011 10:26 Print

Spektakel oder Sicherheit?

Nach dem schweren Sturz von Hans Grugger auf der Streif stellt sich wieder die Frage: Müssen die Abfahrten weiter entschärft werden? Die Antwort ist einfach.

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2008 stürzte der Amerikaner Scott Macartney beim Zielsprung der Hahnenkamm-Abfahrt schwer, 2009 war es Daniel Albrecht an der gleichen Stelle. Die Organisatoren reagierten daraufhin. «Perfekte Präparierung, keine Extra-Wellen, kein extra Zielsprung. Schwerverletzte soll es keine geben», war der Tenor für die letztjährige Ausgabe. Auch 2011 wird viel Wert auf die Sicherheit gelegt.

Umfrage
Sollen Abfahrten weiter entschärft werden?
18 %
1 %
21 %
5 %
55 %
Insgesamt 1371 Teilnehmer

Trotzdem stellte Rennleiter Peter Obernauer schon vor einem Jahr gegenüber der «Kleinen Zeitung» klar: «Die Streif ist noch immer die schwerste Abfahrt der Welt. Auch wenn wir heuer sehr viel gemacht haben, um sie zu entschärfen.» Jetzt, beim ersten Training der Abfahrt 2011, stürzt Hans Grugger schon beim Sprung in die Mausefalle. Er musste per Helikopter in die Universitätsklinik in Innsbruck geflogen werden. Er habe ein Schädel-Hirn-Trauma, Brustverletzungen und sei nicht ansprechbar, sagte Markus Aicher, Sprecher des österreichischen Ski-Verbandes.

Stürze gehören dazu

Und wieder fragt man sich: Warum entschärft man die Abfahrten nicht weiter? Die Antwort ist simpel: Die Zuschauer wollen Spektakel sehen. Eine Abfahrt ohne Sprünge interessiert niemanden. Stürze gehören dazu. Das macht den Reiz der Abfahrt aus. Den Fahrern ist dieses Risiko bewusst und sie wissen auch, dass sie im Falle eines Sturzes mit schweren Folgen rechnen müssen. Skifahren ist nicht wie Formel 1, wo die Sicherheit so weit ist, dass selbst nach einem Crash in die Mauer die Fahrer oft fast unverletzt aussteigen. Nimmt man den Abfahrten die Hochgeschwindigkeits-Abschnitte oder die Sprünge weg, kann man die Disziplin auch ganz abschaffen.

Schon nach der Olympia-Abfahrt 2010 der Frauen mit den Horrorstürzen von Dominique Gisin und Anja Pärson ging ein Aufschrei um die Welt. Die Strecke sei zu gefährlich, war damals der Grundtenor. Das Problem lag jedoch anderswo: Es wurde fahrlässig unprofessionell trainiert. Die Frauen konnten nie ein ganzes Training absolvieren und so die Gefahr des Zielsprunges erfahren. Dies ist im aktuellen Fall anders. Grugger unterlief schlicht ein Fehler. Von den ersten 60 Gestarteten erreichten 59 das Ziel. Zu schwierig war die Abfahrt nicht. Aber Stürze werden – egal wie sehr die Sicherheit angepasst wird – immer wieder passieren.

Was ist Ihre Meinung: Sollten die Abfahrten weiter entschärft werden oder gehört das Sturzrisiko einfach dazu?

(fox)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • joppe am 21.01.2011 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    pistenschreck

    wahrscheinlich wär's nicht schlecht ein skirennen wieder auf schnee zu fahren! ich will gar nicht wissen, wie viel chemie und wasser da in die piste gepumpt wird, damit die fahrer überhaupt auf diese geschwindigkeit kommen. war mal am kuonisbergli - da kann ein normalsterblicher nicht ohne steigeisen stehn! krank sowas - da kann man evtl. eishockeyspielen aber nicht skifahren. wenn die pisten aus normalem schnee wären, dann würden auch solche stürze glimpflicher ausfallen! aber nein, dann müssten ja 2 skirennen im jahr ausfallen, weils zu wenig schnee hätte - das wäre ja skandalös!

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  • skifahrer am 21.01.2011 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    so ein risiko ist nicht nötig

    kein fernsehzuschauer kann sehen ob ein abfahrer mit 140 oder 90 stundenkilometer den hang runter fährt. das sieht für den laien noch immer genau so spektakulär aus und ist sehr viel weniger gefährlich. und leute, die solche stürze sehen wollen sind schlicht krank im kopf. also unbedingt entschärfen

  • Schifahrer am 20.01.2011 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Frage...

    Jetzt mal ehrlich: Diese Leute arbeiten in der Unterhaltungsbranche (Ja, Spitzensport IST Unterhaltung). Wenn Unterhaltung langweilig wird ist es nicht mehr Unterhaltung, oder?

Die neusten Leser-Kommentare

  • marco Caccivio am 22.01.2011 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Schade aber das ist Risiko

    Es weiss jeder der startet bei einer Abfahrt das sowas passieren kann das ist das Risiko sie verdienen ja genug und es zwingt sie ja niemand

  • 1edison1 am 22.01.2011 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Mündige Bürger

    Ich finde jeder Bürger hat das Recht und die Entscheidungsfreiheit was er macht bzw. was er sich zu traut, so auch unsere Skirennläufer. Wenn die Veranstalter in Zukunft meinen es wäre spektakulärer einen freien Fall vön 100 Meter in die Strecke einzubauen und die Sportler stimmen dem zu, werden die Enschaltquoten explodieren und gewisse Kassen klingeln. Nur die Rennläufer haben es gemeinsam in der Hand was vor laufenden Kameras passiert und was nicht, aber anscheinend gibt es in der heutigen Welt keinen Funfactor mehr ohne Lebensgefahr!

  • Simon Trachsel am 21.01.2011 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Es kann überall etwas passieren

    Es soll schon Leute gegeben haben, die im Sommer beim Geradeausgehen gestürzt sind und sich dabei einen Schädel- und Beckenbruch zugezogen haben (mir persönlich 1 Fall bekannt). Also, überall auf der Strasse Handläufe montieren und alle Ecken mit Netzen und Matratzen absichern? Helm und Schutzkleidungsvorschriften für Fussgänger?

  • R. Bühl am 21.01.2011 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bei einem Stierkampf....

    Ja bin eigentlich kein Freund von Kostelic, aber - wo er Recht hat hat er Recht. Es gibt bestimmte Stellen im Weltcup, die sachlich gesehen hinterhältig für die Zuschauer gemacht sind wie bei einem Stierkampf

    • droxus am 24.01.2011 14:51 Report Diesen Beitrag melden

      Unnötig

      Niemand interessiert's ob du ein Freund bist von Kostelic oder nicht.

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  • Bob am 21.01.2011 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das Argument...

    "Wieviele Rennen wurden in Kitzbühel bereits gefahren, und nix is passiert", finde ich nicht richtig. Ein Unfall wie dieser ist einer zu viel. Meiner Meinung wird auf Kosten der Gesundheit immer mehr Spekatakel gezüchtet. Es sind jetzt aber auch die Fahrer und die Verbände in der Pflicht, sich dagegen zu erkennen. Wenn Fahrer und Verbände nicht mehr bereit sind, zu solchen halsbrecherischen Fahrten zu starten, dann wird sicherlich endlich mal wieder der Verstand hervorgeholt. Zuletzt liegt es an den Verbänden, in wiefern ihre Sportler der Gefahr ausgesetzt werden.