Tour de Ski

08. Januar 2016 08:40; Akt: 08.01.2016 08:57 Print

Wer kann die Norweger stoppen?

Die Norweger dominieren die Tour de Ski nach Belieben. Was sind die Gründe?

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Martin Johnsrud Sundby gewinnt die Tour de Ski zum dritten Mal in Serie. Der Norweger entscheidet das Mehretappenrennen vor seinem Landsmann Finn Haagen Krogh. Dritter wird der Russe Sergej Ustjugow. Nachdem Teamleader Dario Cologna vor der Schlussetappe aufgab, klassieren sich drei Schweizer in den Weltcup-Punkterängen. Jonas Baumann (20.), Toni Livers (23./Bild) und Curdin Perl (30.). Bei den Frauen gibt es einen norwegischen Dreifachtriumph. Therese Johaug (m.) gewinnt vor Ingvild Flugstad Östberg (l.) und Heidi Weng. Die Schweizerin Nathalie von Siebenthal belegt den 15. Schlussrang. Es fällt langsam schwer, weitere Superlative für Martin Johnsrud Sundby zu finden. Der Norweger gewinnt auch die 15 km klassisch von Val di Fiemme und kann es am Sonntag die Alpe Cermis fast schon gemütlich nehmen. Dario Cologna hingegen, hier noch an zweiter Stelle laufend, musste einen herben Dämpfer hinnehmen. Der Schweizer (m.) zog sich eine höhergradige Zerrung im tiefen Wadenmuskel zu, fiel weit zurück und wird zum Finale am Sonntag nicht mehr antreten. Cologna muss nun drei Wochen pausieren. Dario Cologna macht Boden gut im Gesamtklassement: Der Bündner läuft in der 6. Etappe über 10 km auf Rang 7. An Unterstützung mangelt es dem Schweizer nicht. Das war ganz knapp, Dario Cologna verpasst den Sieg in der fünften Etappe um Millimeter. Im Foto-Finish unterliegt der Bündner dem Kasachen Alexej Poltoranin. Trotzdem ein gutes Gefühl, wieder einmal auf dem Podest zu stehen. Nach einem Ruhetag geht es in Oberstdorf mit der 4. Etappe weiter. Es steht ein Sprint in der klassischen Technik auf dem Programm. Cologna bekundet Mühe, erreicht als 29. nur knapp die Viertelfinals. Dort scheitert er und verpasst den Halbfinal klar. Der Tagessieg geht überraschend an den Norweger Emil Iversen, der erstmals auf Weltcup-Stufe triumphiert. Der überragende Martin Johnsrud Sundy baut seinen Vorsprung in der Gesamtwertung als Vierter leicht aus. Bei den Frauen steht keine Schweizerin in den K.-o.-Runden. Nathalie von Siebenthal verpasst die Top 30 als 45. klar. Dario Colgona versucht alles, kommt nach dem Verfolgungsrennen über 10 km im Skating-Stil Leader Martin Johnsrud Sundby aber nicht wirklich näher. Immerhin verbessert sich der Bündner vom 10. auf den 8. Gesamtrang. Martin Johnsrud Sundby fährt weiter stark und muss aktuell keinen Kontrahenten fürchten. Der Norweger gewinnt auch die dritte Etappe. Die Taktik von Dario Cologna, von Beginn weg vorne mitzulaufen, ging nicht ganz auf. Der Schweizer wird über die 30 km im klassischen Stil 12. Eine Klasse für sich war Martin Johnsrud Sundby. Der Norweger lief der Konkurrenz davon und holte sich den Sieg. In Angriff genommen wurde das Rennen mit einem Massenstart. Schade! Dario Cologna stürzt im Final des Skating-Sprints in Lenzerheide und verpasst damit einen Podestplatz zum Auftakt. Trotzdem darf der 29-Jährige zufrieden sein mit dem ersten Wettkampf. Cologna, der die Halbfinals als Ziel ausgegeben hatte, holt wichtige Bonussekunden für den weiteren Verlauf der Tour de Ski. Und die Form stimmt auch: «Ich bin sehr zufrieden. Ich hatte schon vor dem Start der Tour de Ski ein gutes Gefühl und habe nun die Bestätigung dafür gekriegt. Es ist ein gutes Zeichen, wenn ich im Sprint bis in den Final vorstossen kann.» Cologna war der einzige Schweizer im Final. Für Jovian Hediger, Roman Schaad, Jöri Kindschi und Roman Furger war in den Viertelfinals Schluss. So weit kam Curdin Perl (Bild) nicht. Er blieb in der Qualifikation hängen. Der grosse Favorit auf den Gesamtsieg, Martin Johnsrud Sundby, verpasst den Sieg zum Auftakt. Den Sieg holt sich der Italiener Federico Pellegrino. Bei den Damen erreicht keine Schweizerin den Final. Laurien van der Graaff stiess in die Halbfinals vor. In der Vorschlussrunde musste sich die Schweizerin mit Rang 6 begnügen.

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Vor dem finalen Wochenende der Tour de Ski 2016 in Toblach und Val di Fiemme ist eines klar: Der Gesamtsieger und die Gesamtsiegerin werden aus Norwegen kommen. Bei den Männern führt Martin Johnsrud Sundby vor seinem Landsmann Petter Northug. Dario Cologna auf Platz 8 ist gleichzeitig der drittbeste Nicht-Norweger! Bei den Frauen sind gleich drei Norwegerinnen voraus: Ingvild Flugstad Östberg vor Therese Johaug und Heidi Weng. Aber woher rührt die Überlegenheit der Norweger? Und kann ihr Siegeszug in absehbarer Zeit gestoppt werden?

Warum sind die Norweger so stark?

Im 5-Millionen-Staat am Polarkreis ist Langlauf der Nationalsport schlechthin. Aus dem riesigen Reservoir an Läufern lassen sich Talente entwickeln. Zudem werden erfolgreiche Langläufer in Norwegen so verehrt wie hierzulande Roger Federer oder Stan Wawrinka. Das ist für viele Kinder ein Ansporn.

Wie fördert Norwegen seine Talente?

In Skischulen wird von Kindesbeinen an trainiert. Zunächst steht Spass im Vordergrund, doch die Trainingsumfänge werden Jahr für Jahr erhöht. Der Verband sorgt für eine einheitliche Coachingkultur. «Schon die 12-Jährigen werden nach der gleichen Philosophie wie die Besten trainiert – natürlich altersgerecht», sagte der frühere Teamchef Age Skinstad vor einem Jahr im Interview mit der «SonntagsZeitung». Im Sommer bestehen Trainingsmöglichkeiten auf Gletschern und in Hallen. Beim Eintritt ins Juniorenalter haben die Norweger also bereits einen Vorsprung auf die Konkurrenz. Skinstad: «Wir sind Freunde vieler Trainingsstunden, weil wir gelernt haben, wie effektiv sie sind. Unsere Besten kommen pro Jahr auf gegen 1000.»

Kann man in Norwegen mit Langlauf reich werden?

Absolut. Die Superstars Petter Northug und Therese Johaug dürften finanziell ausgesorgt haben. Sie wurden dank lukrativer Werbeverträge zu Millionären.

Sind die Norweger in absehbarer Zeit zu schlagen?

Natürlich kann das in einem Einzelrennen passieren – wie am Mittwoch in Oberstdorf, als der Kasache Alexej Poltoranin über 15 km klassisch knapp vor Dario Cologna siegte. Auch in den Sprints gibt es Spezialisten, welche die Norweger in die Schranken weisen können. Doch die traditionellen Langlaufländer Schweden und Finnland haben Probleme, ihre Nachwuchsleute in der Elite zu etablieren. Auch in der Schweiz ist kein Nachfolger von Ausnahmetalent Dario Cologna in Sicht. Die Norweger dürften also noch für einige Zeit das Mass aller Dinge bleiben.

(sco)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ralf Jülch am 08.01.2016 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zu Guri

    Was mir aufgefallen ist, seit Guri Hetland nicht mehr Colognas Trainerin ist, hat er an diversen Ecken Probleme. Das grösste ist es dass er seine Form nicht mehr so perfekt timen kann. Man hat auch den Eindruck, dass der ganze Langlauftross nicht mehr so gut koordiniert ist. Dass Cologna mit komplett unbrauchbaren Latten unterwegs war gabs unter Guri Hetland auch nicht! Mein Tipp an Cologna: Noch vor Olympia Guri Hetland wieder zurückholen! sonst gibts keine Medaillen!

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  • Sepp am 08.01.2016 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    was kann die Norweger stoppen?

    Ein Dopingtest ? :-) nein, das will ich denen nicht ernsthaft unterstellen. Die haben einfach mehr Schnee und längere Strecken als wir und trainieren so automatisch viel mehr als wir.

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  • Remonoli am 08.01.2016 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur LL

    Es ist ja nicht nur Langlauf: Skifahren, Skispringen.... Es scheint, dass in Norwegen die Jungen zum Sport motiviert werden und dass mit ihnen richtig gearbeitet wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mondo am 08.01.2016 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Come on Dario

    ...zur zeit niemand... Aber ich mag es ihnen gönnen... Wer hart an sich Arbeitet, hat es auch verdient ganz Oben zu stehen..

  • MurtenMan am 08.01.2016 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Talent, Training, Ehrgeiz

    Vielleicht auch nicht ganz vergessen: Unglaubliche Talente. Dazu absolut eisernes Training in einem Ausmass, das sich viele nicht vorstellen können. Eine Therese Johaug kennt eigentlich nur Training. Und zwar auch nach der Saison (das verfolge ich schon seit einigen Jahren etwas genauer). Da werden Details gefeilt, das ist einfach unglaublich.

  • Remonoli am 08.01.2016 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur LL

    Es ist ja nicht nur Langlauf: Skifahren, Skispringen.... Es scheint, dass in Norwegen die Jungen zum Sport motiviert werden und dass mit ihnen richtig gearbeitet wird.

  • huschmie am 08.01.2016 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Zweifel erlaubt.

    Es ist schon auffällig, wie gut die Norweger plötzlich überall sind. Ob da wirklich alles mit rechten Dingen zugeht? Oder haben die doch einen Miraculix der ihnen was gibt, das noch nicht auf der Liste steht? Zweifel sind sicher erlaubt.

    • Sportler am 08.01.2016 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      Neid

      Unsere Swiss-Ski Führung leidet schon seit Jahren. Der Sport wird bei uns nicht mehr richtig gefördert und man verlässt sich auf einzelne Sportler. Andere Nationen schlafen da nicht und können später davon profitieren. So geschehen in Norwegen. Wer gute Arbeit leistet erntet Neider und wird schnell des Betrugs verdächtigt. Gur, das kommt nicht von nirgends. Leider.

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  • Ralf Jülch am 08.01.2016 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zu Guri

    Was mir aufgefallen ist, seit Guri Hetland nicht mehr Colognas Trainerin ist, hat er an diversen Ecken Probleme. Das grösste ist es dass er seine Form nicht mehr so perfekt timen kann. Man hat auch den Eindruck, dass der ganze Langlauftross nicht mehr so gut koordiniert ist. Dass Cologna mit komplett unbrauchbaren Latten unterwegs war gabs unter Guri Hetland auch nicht! Mein Tipp an Cologna: Noch vor Olympia Guri Hetland wieder zurückholen! sonst gibts keine Medaillen!

    • Nicolas am 08.01.2016 10:15 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nicht ganz

      Die Skis werden letzendlich vom Läufer ausgesucht. Das Serviceteam stellt ihm nur verschieden präparierte Skis hin.

    • Anonym am 08.01.2016 17:03 Report Diesen Beitrag melden

      Sehe ich genau so

      Genau sehe es auch so. Es passt einfach nicht mehr viel überein. Guri Hetland hat Cologna an die absolute Weltspitze gebracht, doch seot sie weg ist, funktioniert es einfach nicht mehr so wie es soll... Eigentlich sollte dies ein Zeichen an Swissski sein...!!!!

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