Ski-WM

20. Februar 2011 12:05; Akt: 20.02.2011 18:48 Print

Die Helden und Verlierer von Garmisch

von Herbie Egli, Garmisch - Die Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen ist Geschichte. Wie oft bei Grossanlässen gingen die Medaillen nicht immer an die Top-Favoriten.

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Nicht Didier Cuche, nicht Ivica Kostelic, sondern Christof Innerhofer. Der 26-jährige Italiener war bei den Männern mit einem kompletten Medaillensatz der grosse Abräumer. Im Super-G holte Innerhofer Gold und wurde Weltmeister. In der Super-Kombination gewann er Silber und in der Abfahrt kam noch Bronze hinzu. Innerhofer zählte zwar zu den Medaillen-Kandidaten, dass er aber gleich drei Mal Edelmetall gewinnt, hat doch etwas überrascht. Auch ihn selbst.

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Während Innerhofer in Garmisch-Partenkirchen eine goldene, silberne und bronzene Zeit erlebte, schien für zwei Top-Favoriten nicht gerade die Sonne. Didier Cuche ging im Super-G und Riesenslalom leer aus. Sein letztes WM-Rennen fuhr der 36-jährige Neuenburger mit einem gebrochenen Daumen und konnte die Enttäuschung nicht verbergen. Cuche musste sich im Ziel ein paar Tränen abwischen. Mit Abfahrt-Silber bewahrte der Speed-Spezialist die Schweiz immerhin vor einem zweiten Bormio-Debakel mit Null Medaillen.

Mit Ivica Kostelic musste ein zweiter Top-Medaillenkandidat die WM enttäuscht verlassen. Seine einzige Medaille gewann der 32-Jährige im Super-G. Es war Bronze. In der Super-Kombi und Abfahrt lagen die Medaillen für ihn eigentlich bereit, doch der Kroate beschwerte sich über die Strecke und zog sich zwecks Erholung in die Heimat zurück. Der Gesamtweltcup zählt für den Kroaten mehr als WM-Medaillen. Auf den Riesenslalom kehrte Kostelic wieder zurück. In diesem wurde er nach einem guten 1. Lauf schlussendlich aber nur 13. Im abschliessenden Slalom konnte er als 8. auch nicht überzeugen.

Einzige Doppel-Weltmeisterin

Bei den Frauen trumpfte Elisabeth Görgl gross auf. Die 30-jährige Österreicherin gewann den Super-G sowie die Abfahrt und sicherte sich als einzige Athletin zwei Weltmeister-Titel. Görgl muss man in den Speed-Disziplinen immer auf der Rechnung haben. Dass ihr an einem Grossanlass gleich ein solcher Coup gelingt, haben aber sicher nicht viele erwartet.

Nicht nach Wunsch lief es den Freundinnen Lindsey Vonn und Maria Riesch. Die 26-jährige deutsche Lokalmatadorin holte mit Super-G- und Abfahrts-Bronze zwar zwei Medaillen, doch von ihr war mehr erwartet worden. Eine Grippe schwächte Riesch. Lindsey Vonn startete von Anfang an gesundheitlich angeschlagen. Ihre Gehirnerschütterung, die sie sich bei einem Trainingssturz vor der WM zugezogen hatte, behinderte sie. Die Silbermedaille in der Abfahrt ist Vonns einziges Edelmetall.

Ähnliches Bild in Vancouver

Die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen verlief also so, wie es bei Grossanlässen oft der Fall ist. Nicht die Top-Favoriten gewannen die Medaillen, sondern andere Athleten schlugen zu und schrieben eigene Geschichten. Das war beispielsweise zuletzt auch bei Olympia 2010 in Vancouver der Fall. Schon damals schrieben einige, dass die kanadische Metropole zu «Vonncouver» werde. Die Amerikanerin konnte jedoch genauso wenig abräumen wie Didier Cuche, welcher in Nordamerika im Vorfeld ebenfalls zu den grossen Favoriten gehörte.