Ski WM

16. Februar 2011 22:50; Akt: 17.02.2011 07:24 Print

Von der Parade-Disziplin zum Sorgenkind

von Marcel Allemann - Einst war der Frauen-Riesenslalom ein Schweizer WM-Highlight, inzwischen aber ist er die schwächste Disziplin. Was läuft da falsch?

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Sonja Nef (l.) wurde 2001 Riesen-Weltmeisterin – kann Wendy Holdener (r.) die Durststrecke beenden? (Key)

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In den 80er- und 90er-Jahren sammelten Erika Hess, Vreni Schneider, Maria Walliser und Karin Roten nicht weniger als sechs WM-Medaillen im Riesenslalom. Die Schweiz war in der traditionellsten aller Ski-Disziplinen eine Macht. Doch seit Sonja Nef 2001 in St. Anton mit ihrem Weltmeister-Titel ein letztes Glanzlicht setzte, ist im Riesenslalom der Wurm drin.

Lara Gut und Fabienne Suter sind aktuell unsere besten Riesen-Fahrerinnen, sie liegen im Disziplinen-Weltcup allerdings nur auf den Rängen 26 und 27. Die Schweizerinnen sind im Riesenslalom mittlerweile noch schwächer als im Slalom. Lara Gut hat zwar für heute «Vollgas» angekündigt, doch von einer Medaille darf man eigentlich nicht mal träumen.

20 Minuten ging mit Urs Lehmann, Präsident von Swiss-Ski, auf Ursachenforschung: «In den 80er-Jahren war das Technikerinnen-Team der Frauen so dominant, dass die nachrückenden Jungen dahinter wohl versauerten. Und danach wurden in der Nachwuchsarbeit Fehler gemacht.» Doch Lehmann ist überzeugt, dass die Talsohle durchschritten ist und es bald aufwärts geht, «denn wir haben beim Nachwuchs unseren Fokus wieder auf den Riesenslalom als Basis gelegt.»

Zu Hoffnung Anlass geben die Resultate an der Junioren-WM in Crans-Montana. Unter den insgesamt 11 Medaillen war auch eine bronzene im Riesenslalom durch Wendy Holdener. Doch wie lange dauert es, bis das bei den «Grossen» greift? «Zwei bis drei Jahre», schätzt Lehmann. Bis zu den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi will Swiss-Ski wieder ein schlagkräftiges Riesen-Team stellen. Erste Erfahrungen auf diesem Weg werden heute gesammelt: Während die routinierte Fabienne Suter wegen ihrer Grippe für den WM-Riesenslalom wohl passen muss, werden neben Lara Gut (19) ihre ebenfalls sehr jungen Kolleginnen Wendy Holdener (17) und Denise Feierabend (21) eingesetzt.