Schweizer Hoffnung

04. Februar 2011 13:23; Akt: 04.02.2011 13:51 Print

Didier Cuche soll erneut «Mr Perfect» sein

Didier Cuche führt an den am Dienstag beginnenden Weltmeisterschaften ein ambitioniertes Schweizer (Speed-)Team an.

Bildstrecke im Grossformat »

Die Schweizer an der Ski-WM.

Fehler gesehen?

«Mr Perfect» solls auch in Garmisch-Partenkirchen richten. Bei den Frauen steht schon wieder Lara Gut im Mittelpunkt.

Umfrage
Wie viele Medaillen holt die Schweiz an der Ski-WM?
40 %
41 %
12 %
7 %
Insgesamt 6416 Teilnehmer

Nach seinen fantastischen Vorstellungen und den überlegenen Siegen in den Abfahrten in Kitzbühel und Chamonix hatte Cuche von der Welle gesprochen, die ihn derzeit trage, aber auch vom Grenzbereich, in dem er und seine Kollegen sich bewegen würden. «Ich hoffe, dieses Limit nicht zu überschreiten. Sonst kann es sehr gefährlich werden.» Die tragischen Beispiele wurden Cuche und Co. durch die Stürze von Hans Grugger, Mario Scheiber, Georg Streitberger und Manuel Osborne-Paradis vor Augen geführt.

Gelassenheit trotz Favoritenrolle

Cuche seinerseits hat in den vergangenen zwei Wochen nicht nur Fahrten am Limit, sondern auch «nahe der Perfektion» gezeigt. Nach diesen Gala-Auftritten ist es verständlich, dass er in Garmisch als der ganz grosse Favorit auf Abfahrts-Gold antreten wird. Mit der (ungeliebten) Rolle hat sich Cuche mittlerweile abgefunden, gibt sich aber keinen Illusionen hin. Zumal nach den Enttäuschungen bei Olympia 2010, wo er ebenfalls als erster Gold-Aspirant gehandelt wurde, nach Abfahrt und Super-G aber mit leeren Händen dastand. Zudem nimmt der 36-Jährige jedes Übermass an Druck von seinen Schultern. «Jede Medaille wäre mir recht. Wenns nicht klappen sollte, geht die Welt auch nicht unter.» Diese Lockerheit hatte sich vor zwei Jahren bezahlt gemacht. In Val d'Isère gewann Cuche Gold im Super-G und Silber in der Abfahrt.

Im Gegensatz zu Cuches Formstand herrscht bei Carlo Janka (noch) Unklarheit. Der Riesenslalom-Olympiasieger und -Weltmeister hat nach dem Verzicht auf die Abfahrt in Bormio am letzten Wochenende ein zweites Mal eine Pause eingelegt, um die Batterien, die nach der neuerlichen Virus-Infektion im Sommer schneller als üblich leer waren, ein weiteres Mal aufzuladen. Janka ist gleichwohl der eine oder andere gelungene Auftritt zuzutrauen - an jenem Ort, in dem er sich beim Weltcup-Finale im vergangenen Frühjahr mit seinen Siegen in Abfahrt und Riesenslalom die grosse Kristallkugel geholt hat.

Vierfach-Starter Zurbriggen

Richtung Podest darf auch Silvan Zurbriggen schielen, der in vier Disziplinen am Start sein wird. Der Walliser büsste zuletzt für seine Efforts in den schnellen Disziplinen und das strapaziöse Programm, das er sich auferlegt hatte. Die Müdigkeit hofft er mit dem Forfait für die Weltcup-Rennen an diesem Wochenende in Hinterstoder rechtzeitig abstreifen zu können.

Die weiteren Schweizer Vertreter werden auf Exploits angewiesen sein, um in den Ranglisten weit vorne aufzuscheinen. Zu ihnen gehört, selbst nach seinem Weltcup-Premierensieg im Super-G in Lake Louise, Tobias Grünenfelder. Der Glarner zählt Garmisch allerdings zu seinen bevorzugten Destinationen. Auf der (noch alten) Kandahar-Piste ist er 2003 und 2004 im Super-G Dritter geworden. Mit guten Erinnerungen reist auch der zweite WM-Fahrer aus dem Kanton Glarus, Patrick Küng, nach Bayern. Als Dritter in der Abfahrt hatte er dort im März seine erste (und bisher einzige) Weltcup-Klassierung unter den ersten drei realisiert. Neben Marc Berthod, Sandro Viletta und Marc Gini haben sich auch die aufstrebenden Beat Feuz und Markus Vogel das WM-Ticket vorzeitig gesichert.

Frauen-Team: Tops und Flops

Die Schweizerinnen vermögen nach wie vor nur im Speed-Bereich mit den Besten mitzuhalten. Die Diskrepanz könnte erneut nicht grösser sein. In der Abfahrt gabs in diesem Winter einen zweiten und zwei dritte Ränge, im Super-G neben dem Sieg von Lara Gut in Altenmarkt-Zauchensee zwei dritte Plätze. Im Slalom, in dem Denise Feierabend als einzige Athletin von Swiss-Ski die Selektionskriterien wenigstens zur Hälfte erfüllt hat, blieben Top-Ten-Klassierungen aus. Im Riesenslalom schaffte bisher lediglich Fabienne Suter als Zehnte am Semmering den Sprung unter die ersten zehn.

Lara Gut, vor zwei Jahren WM-Zweite in Abfahrt und Super-Kombination, werden erneut die besten Chancen auf den Gewinn von Edelmetall eingeräumt. Die unbekümmerte Tessinerin liess sich selbst vom Knatsch und Unstimmigkeiten mit der Verbandsspitze nicht aus dem Konzept bringen und fährt zumindest in den schnellen Disziplinen schon wieder so stark wie vor der ein Jahr dauernden Zwangspause.

Sollte der Trumpf Lara Gut nicht stechen, hat das Team des neuen Chefcoachs Mauro Pini weitere Pfeile im Köcher. In der Abfahrt kommen auch die drei weiteren (erwarteten) Schweizer Starterinnen für einen Spitzenplatz in Frage. Nadja Kamer und Dominique Gisin, sie ebenfalls schon im Super-G, standen wie Lara Gut in diesem Winter auf dem Podium, Fabienne Suters Klasse ist unbestritten. Noch stärker ist die Schwyzerin im Super-G einzustufen, selbst wenn sie dort die Konstanz bisher vermissen und der absolute Spitzenplatz noch auf sich warten liess. Zwei sechsten Rängen stehen zwei Ausfälle gegenüber. Und Lara Gut wird spätestens seit ihrem überlegenen Sieg in Altenmarkt-Zauchensee ein weiterer grosser Wurf zugetraut.

(sda)