US Open

23. August 2019 18:45; Akt: 23.08.2019 21:46 Print

«Dann trank ich ein Glas Wein mit Mirka»

von Simon Graf - Roger Federer spricht darüber, wie er über den Herzschmerz von Wimbledon hinweg kam. Und wieso er sich so gut fühlt wie schon lange nicht mehr vor dem US Open.

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In Wimbledon im Final, am US Open bereits im Halbfinal? Läuft in New York alles nach Setzliste, wäre Novak Djokovic Federers Gegner in der Runde der letzten vier. In der ersten Runde trifft der Schweizer noch auf einen Qualifikanten, danach warten: Damir Dzumhur (BOS, ATP 105), Lucas Pouille (FRA, 26), David Goffin (BEL, 15) und Kei Nishikori (JPN, 7). Djokovic spielt zum Auftakt gegen den Spanier Roberto Carballes Baena (76). Der Pfad von Stan Wawrinka gestaltet sich etwas schwieriger als der von Federer. Der Romand trifft zwar zu Beginn ebenfalls auf einen Qualifikanten, doch bereits in Runde 3 könnte es zum Duell mit dem Südafrikaner Kevin Anderson kommen (ATP 17). Der Sieger träfe im Achtelfinal dann auf Djokovic. Beide Schweizer können aber erst im Final auf ihn treffen: Rafael Nadal. Der Spanier startet gegen den Australier John Millman (ATP 61). Dieser hatte vor einem Jahr Roger Federer bezwungen. Eines der spannendsten Erstrundenduelle ist das zweier Jungspunde. Der Grieche Stefanos Tsitsipas, die Weltnummer 8, trifft zum Auftakt auf den Russen Andrej Rublew. Die beiden 21-Jährigen haben bisher einmal gegeneinander gespielt, das Duell ging an den Griechen. Rublew, derzeit auf Rang 47 klassiert, zeigte sich kürzlich aber in Form, als er in Cincinnati nacheinander Stan Wawrinka und Roger Federer in jeweils zwei Sätzen schlug. Erst Landsmann und Turniersieger Daniil Medwedew stoppte Rublew. Die Schweizer Frauen bekommen in der ersten Runde teilweise machbare Aufgaben zugelost. Belinda Bencic trifft auf Mandy Minella (WTA 142). Die erste grosse Hürde droht im Achtelfinal mit Titelverteidigerin Naomi Osaka. Timea Bacsinszky startet gegen die erst 17-jährige Cathy McNally ins Turnier. Dagegen hatten Jil Teichmann und Viktoria Golubic etwas Pech bei der Auslosung: Auf sie warten Elise Mertens (WTA 28) und Marketa Vondrousova (17). Bei den Frauen kommt es gleich zu Beginn des Turniers zu einem Duell der ganz grossen Namen: Serena Williams spielt in der ersten Runde gegen die Russin Maria Scharapowa. Für diese könnte es der Abschied vom US Open werden.

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Wie sehr hat Ihnen der Wimbledon-Final zugesetzt, physisch und mental?
In den ersten Tagen danach hatte ich schon Mühe. Aber ich war ja unterwegs im Wohnmobil mit den Kids. So hatte ich nicht so viel Zeit, mir über die verpassten Chancen Gedanken zu machen. Wir fuhren in der Schweiz herum, durch wunderbare Landschaften. Manchmal holte es mich wieder ein. Dann dachte ich: Ich hätte dies oder das tun müssen. Dann trank ich ein Glas Wein mit Mirka und dachte: Der Halbfinal war ziemlich gut, der Final auch. Ich brauchte ein paar Tage, um die Gedanken an jenes Spiel zu verdrängen. Und natürlich kam alles wieder hoch, als ich wieder mit dem Training begann. Aber wenn ich zurückblicke, so denke ich, dass ich mich glücklich schätzen darf, zu einem solch unterhaltsamen Spiel beigetragen zu haben. Wir sind ja im Unterhaltungsbusiness. Die Leute bezahlten viel Geld, um diesen Final zu sehen. Es war ein grossartiger Fight. Einer musste gewinnen. Novak war der Bessere an jenem Tag. Er war unglaublich zäh. Ich musste schon andere bittere Niederlagen wegstecken. Ich war mehr verärgert als traurig. Ich kann mir nicht viel vorwerfen, habe auf Sand und Rasen sehr gut gespielt. Und natürlich hoffe ich, dass mir das hier helfen wird.

Sie waren am US Open in den letzten Jahren nicht vom Glück verfolgt, verloren einige knappe Matches. Wie erklären Sie sich das? Und wie fühlen Sie sich diesmal?
Es stimmt, es war in letzter Zeit nicht so einfach für mich hier. Vor zwei Jahren stieg ich mit Rückenproblemen ins Turnier und hatte schon früh einige schwierige Fünfsatzmatches. Gegen Tiafoe und andere. Da wusste ich, dass es hart werden würde. Letztes Jahr hatte ich gegen Millman Mühe mit der Hitze. 2016 verpasste ich das US Open ja. Wir sprachen gestern oder vorgestern während des Trainings darüber, dass ich mich diesmal vor dem US Open so gut fühle wie schon lange nicht mehr. Das ist ermutigend.

Sie haben hier seit 2008 nie mehr gewonnen. Mit welcher Mentalität gehen Sie das Turnier an?
Ich setze mich nicht speziell unter Druck. Ich weiss, es wird hart werden. Ich steige nicht als grosser Favorit ins Turnier wie 2006 oder 2007. Ich weiss genau, wie ich das Turnier mental angehen muss. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich in den letzten eineinhalb Jahren sehr konstant gespielt habe. Seit in Montreal (2017) mein Rücken blockiert hatte. Mein Niveau ist gut, ich habe an den letzten Grand Slams überzeugt. Der Sieg über Nadal im Halbfinal von Wimbledon war eine grosse Sache für mich. Auch, wie ich im Final gespielt habe, gibt mir Vertrauen. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Spiel. Und es ist wohl sogar gut, dass ich in Cincinnati so früh verloren habe. Solche Dinge müssen manchmal passieren. Ich brauchte das vielleicht, um mich wieder zusammenzureissen, hart zu trainieren. Das habe ich getan. Ich bin bereit fürs US Open.

Was gefällt Ihnen am meisten am US Open?
Wie gross hier alles ist. Das grösste Tennisstadion der Welt! In den USA ist alles grösser. Ich stamme aus einem sehr kleinen Land. Deshalb war es für mich immer etwas Besonderes, in den Staaten zu spielen. Ich weiss noch, wie ich das Flugzeug bestieg, um die Orange Bowl der U-14 in Miami zu spielen. Das war für mich eine grosse Sache. Und natürlich ist es immer noch sehr speziell für mich, in New York zu spielen. Das US Open hat sich mit den Jahren stark entwickelt, mit dem Dach und allen anderen Neuerungen. Es ist schön zu sehen, dass dies für viele Spieler das liebste Turnier ist.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sam am 23.08.2019 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute

    Wenn sie am US Open sich beteiligen, wünsche ich viel erfolg und spielen Sie einfach so gut wie möglich. Ob sie als Gewinner vom Platz gehen oder dann auch nicht, kommt eher nicht drauf an. Wir freuen uns so oder so an ihrem Tennis. Herr Federer, wir wünschen viel Erfolg.

  • kottan53 am 23.08.2019 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Glas Wein

    «Dann trank ich ein Glas Wein mit Mirka». Dazu ein Zitat von Wilhelm Busch, aus die fromme Helene, Kapitel 16 «Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör. Doch wer zufrieden und vergnügt, sieht zu, dass er auch welchen kriegt»

  • Ruedi am 23.08.2019 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    Rotwein, ne Falsche bitte!

    Um ganz ehrlich zu sein, die Wimbledon-Finalniederlage war für mich auch hart zu verdauen. Es war ein grossartiges Spiel und hat mich emotional voll involviert. Für mein Empfinden war es Roger's schlimmste Niederlage seiner Karriere.

Die neusten Leser-Kommentare

  • pater007 am 25.08.2019 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach der Beste

    Bodenständig und realistisch wie immer. Der grösste Sportler den die Schweiz hat!

  • 70plus Rentnerin am 23.08.2019 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Federer ohne Fans u. Nichtfans

    Das Interesse an Federer scheint nachgelassen zu haben. Sonst melden sich doch sofort Fans und Nichtfans(bitte nicht schon wieder mit dem üblichen Wortschatz: Nichtfan gleich Neider,Nörgler, Hater und nichts erreicht im Leben etc.daher kommen). Ich und Tausende von Arbeitsnehmern haben zum Beispiel das Rentenalter erreicht. Ist gar nicht so selbstverständlich, nach 20,30,40 und mehr Jahren Tätigkeit,egal ob Arbeitsnehmer, Selbständigerwerbende Frauen, Männer.

  • Baba Milunika am 23.08.2019 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    Assoziiert

    Unsere Grossmutter hieß auch Mirka und es bringt mich jeweils zum schmunzeln wenn ich den Namen sehe...hoffentlich ist seine Mirka weniger kompliziert als es unsere Oma war)

  • Beobachterin am 23.08.2019 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fedi-Gschichtli

    Jetzt kommen wieder Fedi-Gschichtli.

  • sam am 23.08.2019 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute

    Wenn sie am US Open sich beteiligen, wünsche ich viel erfolg und spielen Sie einfach so gut wie möglich. Ob sie als Gewinner vom Platz gehen oder dann auch nicht, kommt eher nicht drauf an. Wir freuen uns so oder so an ihrem Tennis. Herr Federer, wir wünschen viel Erfolg.