Rafael Nadal

27. Juli 2018 14:23; Akt: 27.07.2018 16:31 Print

«Doping ist in unserem Sport kaum möglich»

von Nicola Ryser - Rafael Nadal ist überzeugt, dass der Tennissport vor allem durch die strikten Dopingtests rein geblieben ist. Ein anderer Star zeigt sich von diesen Regelungen jedoch nicht begeistert.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In vielen Sportarten ist Doping ein omnipräsentes Problem. Bei Wettkämpfen im Langlauf, in der Leichtathletik oder aktuell bei der Tour de France wird nach jeder überdurchschnittlichen Leistung ungläubig die Stirn gerunzelt, die Sauberkeit der Spitzenathleten angezweifelt. Die Anti-Doping-Agenturen kämpfen gegen dieses Image und für den reinen Sport. Folglich klopfen die Kontrolleure regelmässig und unangemeldet bei den Sportlern an der Tür, machen Blut- und Urin-Tests. Nur: Fälle wie Armstrong, Gatlin oder Johaug zeigen immer wieder, dass die Betrüger trotz strikter Doping-Politik einen Weg finden.

Tennis wiederum ist eine der wenigen Sportarten, die kaum von grösseren Dopinggeschichten geprägt war. Wenige Fälle sind aus jüngster Vergangenheit bekannt. Mariano Puerta beispielsweise, French-Open-Finalist von 2005, der positiv auf Etilefrin getestet und für zwei Jahre gesperrt wurde. Martina Hingis, die nach einem Verdacht auf Kokain-Doping sogleich ihren Rücktritt bekannt gab. Oder Maria Scharapowa im Frühling 2016, die aufgrund der missverständlichen Einnahme des Herz-Kreislauf-Mittels Meldonium für 15 Monate suspendiert wurde.

Es sind jedoch nur Nebengeräusche in der Tennisgeschichte. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass die Erfolge von Stars wie Federer, Nadal, Djokovic und Co. im Vergleich zu anderen Spitzeleistungen in anderen Sportarten weniger angezweifelt werden.

«Wir müssen jeden Tag erreichbar sein»

Rafael Nadal, 17-facher Grand-Slam-Sieger, sieht denn auch klare Gründe, warum sein Sport vom Problem Doping verschont geblieben ist. «Wir müssen jeden Tag eine Stunde für Dopingtests erreichbar sein. 365 Tage im Jahr. Es ist ein äusserst strenges Protokoll», wird die aktuelle Weltnummer 1 auf «tennisnet.com» zitiert. Er referenziert dabei auf die Zusammenarbeit zwischen der ATP und den Anti-Doping-Agenturen. Im letzten Jahr wurden vom internationalen Tennisverband ITF über 6000 Blut- und Urintests durchgeführt. Im Vergleich zu anderen Sportarten sind diese Zahlen jedoch im normalen Bereich.

Folglich gibt es auch im Gentlemensport leise Stimmen, die vor allem den Spanier mit unerlaubten Mitteln in Verbindung bringen. Nadal hat zwar eine reine Weste, dennoch sehen die Kritiker in den zahlreichen Verletzungspausen, die der Mallorquiner während seiner Karriere hatte einlegen müssen, versteckte Dopingsperren, die der internationale Tennis-Verband jedoch nicht offen kommunizierte. Nadal dementierte jegliche Bezichtigungen. Er ist überzeugt, dass die Tennisverbände das Problem richtig angehen: «Vielleicht gibt es Vergehen bei kleineren Turnieren, aber nicht bei uns. Die ATP nimmt die Sache sehr ernst und macht einen tollen Job.» Es sei kaum möglich, zu dopen.

Unverhältnismässige Dopingkontrollen

Anders sieht Serena Williams die strikte Doping-Politik. Die 36-Jährige fühlt sich vor allem von der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada ungerecht behandelt. «Von allen Tennisspielern bin ich am häufigsten getestet worden. Diskriminierung? Ich denke schon», klagte Williams auf Twitter.

Bereits im Mai zeigte sich die 23-fache Grand-Slam-Siegerin verärgert ob der zahlreichen Besuche der Kontrolleure und gab sich schnippisch: «Selbst wenn ich die Weltnummer 454 bin, muss ich mich zweimal pro Woche einem Test unterziehen. Es gibt keinen Grund für solch invasive Kontrollen.» Ein weiterer Vorfall ereignete sich im Juni, als ein Tester unangemeldet Stunden vor dem vereinbarten Zeitfenster aufgetaucht war, worauf sich Williams bei der Anti-Doping-Agentur beschwerte. Sie fügte aber auch an, dass sie bereit sei, alles für einen sauberen Sport zu tun.

Die Besten werden am meisten getestet

Die Usada ist transparent mit ihren Zahlen, die Anzahl Dopingkontrollen der Spieler ist öffentlich zugänglich. Fakt ist: Tatsächlich wurde Williams von den Kontrolleuren der Usada in diesem Jahr bereits fünfmal getestet, so viel wie keine andere US-Spielerin. Was Williams jedoch wohl nicht mehr im Gedächtnis hat: In ihren erfolgreichsten Jahren, unter anderem 2007, 2009, 2010 und 2011, wurde die Amerikanerin nie von der Usada besucht.

Zudem werden wie in anderen Sportarten nun mal die Besten am häufigsten kontrolliert. Federer und Nadal stehen zumeist an der Spitze, wenn es um die Anzahl durchgeführter Dopingtests geht. Stuart Miller, Leiter des Anti-Doping-Programms, versteht zwar den Frust gewisser Spieler, sagt gegenüber ESPN aber auch: «Die Intention jeder Anti-Doping-Organisation ist, die Integrität des Sports, ihre Gesundheit und ihr Recht auf einen sauberen Wettkampf zu schützen.» Was bedeutet: Das Image des Tennissports ist (noch) rein. Das soll auch so bleiben.

Tennis

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 27.07.2018 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erklärung

    Er ist allen Tennis-Fans auf der Welt noch ein Erklärung schuldig: was hatte dazumal sein Name auf der Patientenliste von Dopingexperte E.Fuentes zu suchen? Solange er dazu nicht Stellung nimmt, wird immer ein fahler Nachgeschmack bleiben.

    einklappen einklappen
  • Giancarlo am 27.07.2018 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Dr. Fuentes

    Sagt ausgerechnet der, der Patient bei Dr. Fuentes war...

    einklappen einklappen
  • Dr. Spritze am 27.07.2018 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar

    Ja ja, wer's glaubt wird selig. Nur 30% der Sportler, die die Dienste von Eufemiano Fuentes in Anspruch nahmen, waren Velorennfahrer. Alle anderen kamen aus anderen Sportarten, und Fuentes Wohnsitz war ja auf Gran Canaria... Die spanische Justiz hat aber nur die Velofahrer und einige Leichtatlethen verfolgt. Es ist aber bekannt des auch viele Fußballer und Tennisspieler zu den Kunden gehörten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hubi am 28.07.2018 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Fuentes

    beruhigt euch Jungs. Es gibt nur Beweise, dass Nadal und Dr. Fuentes Kontakt hatten. Die beiden sind selbstverständlich nur Kaffee trinken gegangen ;-)

  • Jose injederpartei am 28.07.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der Lügenbaron aus Spanien

    In keinem Sport wo die Geldwäscherei funktioniert ist Doping möglich , nur alles andre Kriminelle !

  • the coach am 27.07.2018 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "sauber" heisst nicht "ohne Doping"

    Es gibt offiziell Ausnahmebewilligungen für die Einnahme von Mitteln, die auf der Dopingliste stehen, z.B. für therapeutische Zwecke, chronische Beschwerden etc. Solche Bewilligungen wurden und werden nachweislich u.a. auch für Top-Tennis-Profis ausgestellt, teilweise über mehrere Jahre. Heisst nicht, dass Nadal davon Gebrauch gemacht hat. Beweist aber, dass es keinen 100% dopingfreie Sportart gibt, legal oder illegal und dass die noch nie "überführten" Sportler ihre Wettkämpfe auch stets ohne Mittel von der Dopingliste bestritten haben.

  • Tennisgolfer am 27.07.2018 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ausdauer

    Tennis ist sehr technisch - für Doping bieten sich Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren..... viel besser an - ich persönlich mag es eher technisch und finde Ausdauersport stumpf, vor allem, wenn man ihn selbst betreibt

  • kurz am 27.07.2018 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gibt es aber

    Frau hingis war positiv getestet und cilic. beide waren gesperrt