Roger Federer

28. Januar 2018 14:04; Akt: 28.01.2018 16:05 Print

«Ich war schon den ganzen Tag nervös»

von Simon Graf - Der Schlüssel zum 20. Major-Titel war, dass Roger Federer ruhig blieb. Doch danach übermannten ihn die Emotionen.

Tränen der Freude: Federer weint bei der Siegerehrung. Video: Tamedia/Australian Open TV
Zum Thema
Fehler gesehen?

Lange hielt sich Roger Federer tapfer. Doch als er auf die Zielgerade seiner Siegerrede einbog und begann, sich bei seinen Nächsten zu bedanken, war es um ihn geschehen. Der Mann, der auf dem Court sonst ein Pokerface aufzusetzen pflegt, weinte hemmungslos. Und mit ihm Tausende in der Rod Laver Arena.

Der Namensgeber des Stadions, inzwischen 79 und mit Federer freundschaftlich verbunden, nahm die berührenden Szenen mit seinem Mobiltelefon auf. Über drei Stunden hatte Federer in diesem Fünfsatz-Krimi gegen Marin Cilic kämpfen müssen, und auch wenn man es ihm nicht ansah: Es war auch ein Kampf mit sich selbst, mit den Gedanken, die durch seinen Kopf schwirrten.

Ein Sieg für die Ewigkeit

«Das Märchen geht weiter»

«Ich dachte konstant daran, dass ich den 20. Grand-Slam-Titel erreichen könnte, war schon den ganzen Tag nervös», verriet er im Interview danach. «Immer wieder schwirrte mir durch den Kopf: Was, wenn ich gewinne? Was, wenn ich verliere? Im ersten Satz, im zweiten, dritten, vierten. Und plötzlich war es vorbei, hatte ich gewonnen. Es war fast surreal. Und die Erleichterung war riesig.»


Die Höhepunkte der Partie. (Video: SRF)

Es sei quälend gewesen, den ganzen Tag auf das grosse Spiel warten zu müssen. «Ich hatte so viel Zeit, um über den Final nachzudenken. Ich bin froh, ist er vorbei und habe ich ihn erst noch gewonnen. Das Märchen geht weiter. Nach dem fantastischen 2017. Es ist unglaublich!»

Besondere Beziehung zu Australien

Federer gratulierte natürlich Cilic, der ihn über fünf Sätze gezwungen hatte und neu die Weltnummer 3 wird. Und er blickte zurück auf seine lange Australien-Reise: «Wir kamen ja schon letztes Jahr hier an, hatten eine wunderbare Zeit als Familie und als Team. Es ist ein fantastisches Land. In Sydney 2000 merkte ich, wie sehr die Leute hier den Sport lieben.»

Damals begann, nebenbei bemerkt, auch seine Beziehung mit Mirka, heute seine Frau und Mutter der vier Kinder. Auch ihr, der ganzen Famile und seinem Team dankte der nun 20-fache Grand-Slam-Champion.

Finalverlierer Cilic war bitter enttäuscht. In seiner Platzrede sagte er: «Zuerst einmal: Glückwunsch Roger! Es ist unglaublich, was du Jahr für Jahr schaffst! Es hätten die schönsten zwei Wochen meines Lebens werden können. Leider hat es heute nicht sein sollen. Ich hatte eine kleine Chance zu Beginn des fünften Satzes, doch Roger spielte am Schluss unglaublich.»

Der Schlüssel war, dass der Schweizer, nachdem er den vierten Satz aus den Händen gegeben hatte, ruhig blieb, seine Emotionen kontrollierte. Erst als alles vorbei war, liess er ihnen freien Lauf.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • miccio1 am 28.01.2018 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    champion

    super Roger ! Gratulation !

    einklappen einklappen
  • Mark72 am 28.01.2018 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der kompletteste Sportler

    Herzliche Gratulation RF! Ich bin stolz aus dem gleichen Land zu stammen wie du und sass nun das 30. Mal als du in einem GS Final wartst vor dem TV. Auch die 10 mal an welchen du nicht gewonnen hast war ich stolz. Du bist der kompletteste Sportler den es verm. je gab und immer noch gibt!

    einklappen einklappen
  • Marco Kälin am 28.01.2018 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Da bleibt nur eine Kommentarmöglichkeit

    Bravo Roger, toll gemacht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mitleidender am 29.01.2018 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    Herzzerreißend

    Hätte mich aber schon etwas gewundert, wenn die obligatorischen Tränlein nicht noch geflossen wären. Wie traniert man die Tränendrüse, so genau auf den Punkt.

    • Nina am 29.01.2018 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mitleidender

      Ist ja schön, dass er immer noch Gefühle zeigen kann. Würde vielen Männern gut tun, wenn sie das auch könnten.

    einklappen einklappen
  • e8001 am 29.01.2018 06:01 Report Diesen Beitrag melden

    Freibrief für seine restliche Karriere

    Dachte immer Federer sollte nach Wimbledon aufhören. Am Zenit auszusteigen um vom Ruhm zu zehren. nach dem Sieg gestern (Was ich nicht so spannend fand) hat er sich jedoch mit seinem Gefühlen die Herzen der Welt für immer erspielt. So kann er noch im hohen Alter, selbst wenn er letzter der Rangliste ist, bei allen Fans und Freunde des Tennis punkten. Gestern hat er den Freibrief für seine restliche Karriere erhalten.

  • Franzl am 29.01.2018 05:56 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach toll

    Besser als jeder Krimi und besser als jedes Fussballspiel! Gratulation!

  • Joe B. am 29.01.2018 03:30 Report Diesen Beitrag melden

    Was?

    Weint er vor Glück oder ist das die wachsende Nervenkrise? Tolle Leistung aber man sollte ans aufhören denken, solange es noch ohne "Muss" möglich ist sonst beginnt dann womöglich gleich die Midlife Crisis.

    • Gratulation am 29.01.2018 04:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Joe B.

      Roger Federer ist nicht "man". Er wird er aufhören, wann er will.

    einklappen einklappen
  • Fredy am 29.01.2018 00:52 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation! Unglaubliche Karriere!

    ABER: Wenn die Nerven weiterhin derart verrückt spielen sollten, dann wäre es definitiv gesünder etwas kürzer zu treten.

    • Verständlich am 29.01.2018 04:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fredy

      Jeder/ jede ist nervös vor so einem Spiel.

    einklappen einklappen