Hass-Duell

05. Juli 2019 10:19; Akt: 05.07.2019 15:20 Print

«Ja, ich wollte Nadal voll auf der Brust treffen»

Unterarm-Serve von Kyrgios, Schiedsrichterbeleidigung und ein abgeschossener Nadal: Die Partie zwischen den beiden Streithähnen hatte es in sich.

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Gegen Ende des dritten Satzes brach alles aus ihm heraus. Rafael Nadal jubelte, schrie seine Erleichterung in Richtung des frenetischen Publikums. Das war noch bevor sich der Spanier im Tiebreak durchsetzte und 2:1 nach Sätzen in Führung ging. Einen solchen Gefühlsausbruch hat man bei Nadal noch selten gesehen – insbesondere in der 2. Runde. Doch die Partie gegen Nick Kyrgios war eben mehr als ein normaler Zweitrunden-Match von Wimbledon.

Es war ein Duell zwischen Feinden, die sich zuletzt gegenseitig aus der Distanz immer wieder massregelten (Kyrgios nannte Nadals Onkel Tony gar «Idiot»), und vor allem war es die schwerstmögliche Aufgabe für Nadal zu diesem Zeitpunkt des Turniers. Sportlich, weil Kyrgios mit etwas (mehr) Trainingsfleiss ein Top-Ten-Spieler wäre. Und emotional aufgrund der Vorgeschichte. Und die Affiche hielt, was sie versprach.

Da konnte Nadal nur noch lachen

Die beiden lieferten sich ein elektrisierendes Duell, den ersten Satz gewann der Spanier – Kyrgios sorgte allerdings mit einem Unterarm-Service für das Highlight. Ausgerechnet mit jenem Schlag, den Nadal zuletzt als «respektlos» betitelte, gelang dem Australier ein Ass. Nadal blieb nur ein ironisches Lachen.

Kyrgios' provokativer Service. Video: SRF

Kyrgios kam bald darauf, dass er etwas mehr machen könnte, als sehr gutes Tennis zu spielen. So begann er sich mit Schiedsrichter (und Gegner) anzulegen. Der 24-Jährige enervierte sich mal darüber, dass sich sein Gegner bei dessen Service immer so viel Zeit lässt (einmal spielte er sogar demonstrativ mit seinem Racket, um die Zeit zu überbrücken), mal beklagte er sich, dass Nadal nicht bereit sei, als er aufschlagen wollte. Richtig sauer wurde er jedoch, als der Schiedsrichter den Punkt nicht wiederholen liess, als ein Ruf aus dem Publikum zu hören war. «Das entscheide ich», antwortete der Umpire, worauf Kyrgios zurück ätzte: «Wow, so mächtig. Wie fühlt es sich an, dort oben zu sitzen, mit einer solchen Macht? Sieh dich an, du bist so mächtig.» Kurz darauf sah sich der Unparteiische gezwungen, den Australier zu verwarnen. Wieso? Er murmelte vor sich hin, weiterhin genervt vom Schiedsrichter: «Du bist ein Niemand. Denkst, du wärst wichtig. Du bist eine Schande!» Und Nadal? Schüttelte nur mit dem Kopf. Da war aus seiner Sicht ja noch alles gut.

Jetzt wirds hitzig

Doch spätestens nach Kyrgios' Satzausgleich wurde die Partie hitziger. Im dritten Satz führte Nadal beim Stand von 4:4 bei eigenem Aufschlag 40:15, stiess ans Netz vor und wollte dort das Game klarmachen. Da witterte Kyrgios offenbar seine Chance – und schoss mit voller Wucht auf den Körper des Gegners. Nadal brachte gerade noch den Schläger vor seine Leisten, sonst wäre es wohl sehr schmerzhaft geworden. Kyrgios holte sich den Punkt, und Nadal warf einen Blick rüber, der hätte töten können. «Wieso soll ich mich dafür entschuldigen?», fragte Kyrgios nach der Partie rhetorisch. Seine Erklärung war dann auch ziemlich einfach: «Ich meine, wie viele Grand Slams hat er? Wie viele Millionen auf dem Konto? Ich denke, der kann einen Schuss auf die Brust schon ertragen.» Und um auch gleich die letzten möglichen Unklarheiten zu beseitigen: «Ja, ich wollte ihn voll auf der Brust treffen. Aber er hat gute Hände.» Nadal sagte dazu: «Gemäss Reglement darf er das, meiner Ansicht nach ist es jedoch ethisch nicht korrekt. Aber vielleicht ist es das für ihn.»

Kyrgios schiesst Nadal ab. Video: SRF

Im Match reagierte Nadal auf seine Weise: Im Tiebreak gewann er den dritten Satz. Er feierte mit einem Luftsprung, der geballten Faust und Schreien, die wohl mehr enthielten als nur «vamos!». Und weil Nadal auch den vierten Satz 7:6 gewann, durfte der Mallorquiner nach drei Stunden und vier Minuten Spielzeit sagen: «Es ist ein wichtiger Sieg für mich. Ich war unter Druck und musste vieles richtig machen.» Die Mätzchen seines Gegners wollte er weitgehend unkommentiert lassen. Aber: «Ich wusste die ganze Zeit, was er abzieht. Es ist unfassbar, wie er das alles auf dem Court ausblenden kann.»

Sogar noch ein Kompliment von Nadal

An der Medienkonferenz sagte er einem spanischen Journalisten: «Ich weiss nicht, wie gut es ist, wenn wir dauernd über ihn sprechen. Auch wie die ATP mit ihm wirbt ... das motiviert ihn nur weiter.» Doch im Moment des Erfolges fand Nadal auch noch nette Worte für den Mann, für den er sonst nicht viel Positives übrig hat: «Mit seinem Talent und seinem Aufschlag kann er ein Grand-Slam-Turnier gewinnen.»

Ein Kompliment, das Kyrgios so nicht ganz unterschreiben würde: «Momentan bin ich sicher kein Grand-Slam-Anwärter.» Wieso, das liegt auf der Hand: «Ich kenne mein Potenzial, aber ich bin nicht der professionellste Typ. Ich trainiere nicht jeden Tag, ich muss noch vieles verbessern, wenn ich auf das Level von Rafa, Novak oder Roger kommen möchte.» Es komme darauf an, wie sehr er es möchte. Hier sind sich die beiden Streithähne einig, wie Nadal bestätigte: «Er hat viele gute Zutaten, doch eine sehr wichtige fehlt ihm: die Liebe und Leidenschaft für diesen Sport.»

Was Kyrgios kann, wenn er denn will, das hat er gegen Nadal eindrücklich gezeigt. Oder wie es der Spanier formulierte: «Wenn er Lust hat, ist er einer der härtesten Gegner.» Allzu viel leichter wird es für Nadal übrigens nicht. In der 3. Runde wartet der Franzose Jo-Wilfried Tsonga.

Tennis

(fas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roberto S. am 05.07.2019 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    völlig daneben

    An Nadals Antworten sieht man, wer hier der Sportsmann ist. Ich bin froh, hat er gewonnen, was unter diesen Umständen wirklich eine schwierige Leistung war. Das ging definitiv zu weit von Kyrgios, ob man ihn mag oder nicht. Besonders die Absicht, auf den Gegner zu zielen hat klar die Grenze des erträglichen überschritten. Auf solche "Unterhaltung" kann ich im Tennis gerne verzichten. Wir haben in anderen Sportarten bereits genügend Typen, denen es an Selbstbeherrschung mangelt.

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  • RuDi am 05.07.2019 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeitspiel

    Genau wie das Reklamieren von Kyrgios nerven die Zeitspielchen von Nadal, und zwar bei eigenem Service und beim Service des Gegners. Die Schiedsrichter sollten auch da schneller durchgreifen.

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  • Ramon am 05.07.2019 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    ich frage mich...

    Ich stelle mir gerade vor wie empört die Reaktionen ausfallen würden, hätte dieser Kyrgios sich so gegenüber Roger Federer verhalten. Bleibt bitte objektiv und fair, wir brauchen keine Leute die andere beleidigen und gefährden in diesem Sport. Der Vergleich mit Nadal's angeblicher "Zeitschinderei" finde ich auch nicht angebracht hier.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 06.07.2019 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlussendlich geht es

    nur ums Geld. Und der Bessere gewinnt. Wo ist der Unterschied zum Kickboxen.

  • Fragender am 06.07.2019 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Spielt heute Roland Fedrun wieder?

  • Unter Schied am 06.07.2019 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auch die Hinggis hat

    einmal einer Gegnerin im Doppel, mit einem gezielten Schlag ein Veilchen verpasst. der Kyrgios gibt wenigstens zu, dass es Absicht war.

  • Tennis Freund am 06.07.2019 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade hat das Match

    keinen Schidsrichter gehabt, der es verstand die Emotionen nicht noch anzuheizen sondern zu beruhigen. hätte ein epochales Spiel werden können.

  • Cecelia am 06.07.2019 04:04 Report Diesen Beitrag melden

    hahaha

    Ich lese immer "Nadal dies Nadal das", mimimi entspannt euch mal! Wenn er dem Roger auf die Pelle rückt, dann ist es eben so - dann hat er es verdient. Denn das ist es wovor ihr Angst habt, daher müsst ihr ihn dauernd wegen Kleinigkeiten beleidigen und verteidigt sogar einen Pfosten wie diesen Nick.

    • Neu Tral am 06.07.2019 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cecelia

      um das gehts nicht. ich hab das Match gesehen, du auch? Nadal wusste wie er Kyrgios provozieren kann, und dass dieser dann entnervt reagieren wird und schwächer spielt. ich habe zuvor noch nie einen Spieler zwei Handtücher zum Spiel mitnehmen gesehen, und diese gemächlich dem linken und rechten Ballkind bringen. Danach sein Prozedere, ok - das kann man ihm lassen (Riual), aber es ginge auch ein bisschen schneller. de facto haben beide unfair provoziert. der eine leiser und intelligenter, der andere ungehobelt und laut.

    • Profi am 06.07.2019 12:26 Report Diesen Beitrag melden

      Routine

      Alle wissen, dass Nadal immer länger braucht. Das war seit Beginn seiner Karriere so und ist berechenbar. Deshalb stellt sich Profisportler entsprechend vor dem Match drauf ein wie er sich auch auf gewisse Spezialschläge einstellt. Wer das nicht kann ist eine Pfeife.

    • Ein Stellen am 06.07.2019 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Profi

      alle wissen, dass man 25 Sek Zeit hat bis zum Aufschlag... klar, das wäre bei Nadal und Schoko Majestätsbeleidigung, sie darauf hinzuweisen...

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