Australian Open

30. Januar 2020 12:53; Akt: 30.01.2020 13:28 Print

«Respekt für Roger, dass er heute angetreten ist»

von Marco Keller - Novak Djokovic zollte nach seinem Finaleinzug zuerst einmal seinem unterlegenen Rivalen Tribut.

Novak Djokovics Matchball gegen Roger Federer. (Video: SRF)
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So richtig in den Frage-Antwort-Modus wollte Novak Djokovic beim Platzinterview am Anfang nicht einsteigen. Zuerst wollte der Serbe ein Kompliment an die Adresse von Roger Federer loswerden: «Respekt, dass er heute angetreten ist, er war ja verletzt und weit davon entfernt, fit zu sein. Dennoch hat er den ganzen Abend alles versucht.»

Und am Anfang hatte er Djokovic auch arg in Verlegenheit gebracht. Bei 4:1 hatte Federer bei 0:40 drei Chancen zum Doppelbreak, und wenn er eine davon genutzt hätte, dann wäre die Partie wohl zumindest länger ausgeglichen geblieben. «Der erste Satz hätte auch in die andere Richtung gehen können», gab Djokovic zu, «Roger hat wirklich gut begonnen und ich war ziemlich nervös.»

Djokovics Federer-Studium zu Beginn der Partie

Natürlich spielte auch die Tatsache eine Rolle, dass er nicht genau wusste, wie angeschlagen sein Gegner war, was im Tennis immer zu schwierigen Situationen führt. Djokovic beschrieb sein Dilemma so: «Ich hatte am Anfang nicht den richtigen Mindset, schaute mehr, wie er sich bewegt, als mich um die Ausführung meiner Schläge zu kümmern.» Doch Djokovic wäre nicht Djokovic, wenn er sich nicht in die Partie hinein gebissen und gesteigert hätte. «Ich habe mich dann durchgekämpft, und dieser erste Satz war mental sehr wichtig. Nachher konnte ich etwas freier durchschwingen.»

Zum sechsten Mal in Serie hat er nun bei einem der grössten vier Turniere gegen Federer gewonnen. Sein Erfolgsrezept versuchte Djokovic so zu erklären: «Gegen Roger erwarte ich immer ein sehr hohes Niveau. Er spielt aggressiv, variiert, es kommen kurze Slicebälle, dann spielt er Serve-and-Volley. Ich bin in diesen Situationen nicht so natürlich wie er, versuche, in den Rallies dabei zu bleiben, ihn zu bewegen und wenige unerzwungene Fehler zu machen.»

Die Chance auf den 8. Titel

12 Jahre nach seinem ersten Titel in Melbourne steht er nun zum achten Mal im Final in der Rod Laver Arena, seine Bilanz lautet 7:0. In der Stunde des neuerlichen Erfolgs dachte er auch an seine beiden grössten Rivalen zurück: «Roger und Rafael Nadal haben grossen Anteil daran, dass ich das Spiel besser verstanden habe. Gerade nach dem ersten Titel hier habe ich drei Jahre lang fast immer gegen sie an den grossen Turnieren verloren und es brauchte viel Arbeit und Nachdenken, bis ich daran glaubte, diese Jungs in den Majors herausfordern zu können.»

Am Sonntag ist er nun punkto Erfahrung klarer Favorit gegen Alexander Zverev oder Dominic Thiem. Bei der Frage, was ihm als junger Spieler gefehlt habe, musste er nicht lange zögern: «Geduld. Wenn man jung ist, will man alles sofort und nicht warten. Was mir fehlte, war die Geduld und dem Prozess zu vertrauen. Ich wurde frustriert über Details, aber daraus lernen wir und deshalb lieben wir das Leben.» Das Warten hat sich für Novak Djokovic gelohnt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Einer mit Weitblick am 30.01.2020 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Klasse Interview

    Die Worte von Djoko sollten den Federer-Hatern zu denken geben. Er zollt Federer Respekt und erwähnt, dass er durch Federer wie Nadal besser werden musste. Ist es wirklich nötig, dass ihr so gehässig seid?

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  • Mal ne Frage am 30.01.2020 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Warum...

    darf man zu jedem Federer-Bericht kommentieren ohne Ende und bei anderen - für mich wichtigeren Themen - dürfen wir das nicht oder die Diskussion wird ziemlich schnell beendet oder bleibt endlos standby - trotz Änderungen der Situation...

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  • Brian Smith am 30.01.2020 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zenit überschritten, aber

    Halbfinale ist für Roger ein Erfolg, es gibt soviel gute Spieler weltweit. Seinen Zenit hat er sicher überschritten, aber wenn alles passt, kann er immer noch einen grossen Titel holen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Viktor Lanz am 31.01.2020 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Willkür

    Ich kanns dir sagen, man nennt es abscheuliche Willkür

  • Magister am 31.01.2020 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Magistral

    Gewaltig, die Grösse, welche Djokovic auf und neben dem Platz immer wieder an den Tag legt. Eindrücklich und magistral.

  • Der Seher am 31.01.2020 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    ATP bevorteilt oft Federer

    Wenn ich mir die Auslosungen angucke, frage ich mich, ob da einer bei der ATP etwas daran dreht. Nadal als Nr. 1 hatte ab Kyrgios nur noch Hochkaräter. Federer bis auf Djokovic, nur Pausenclowns. Das war schon oft so. Kein Wunder, dass so 20 GS Titel passierten. Federer wäre nämlich gegen Thiem chancenlos gewesen. Er ist sein Angstgegner und hatte die letzten drei Draws allesamt gewonnen.

  • Schönen, guten Morgen am 31.01.2020 05:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon einmal daran gedacht?

    Alle, die hier Federer degradieren, tun dies ja logischerweise, indirekt, auch mit Djokovic und umgekehrt.

  • Olaf am 31.01.2020 02:05 Report Diesen Beitrag melden

    Alt werden ist hart

    Oder?