Roger Federer

20. Januar 2019 18:20; Akt: 21.01.2019 09:16 Print

«Was geschah, bedaure ich massiv»

von René Stauffer, Melbourne - Roger Federer trauert nach dem Aus gegen Tsitsipas seinen zwölf verpassten Breakbällen nach. Überraschend früh kündigt er nun aber die Teilnahme in Paris an.

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Roger Federer wirkt nach seinem Aus am Australian Open nachdenklich: «Ich muss zusammen mit meinem Team analysieren, was schief lief.» (Bild: Keystone/David Crosling)

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Mit 6:7 (11:13), 7:6 (7:3), 7:5, 7:6 (7:5) verlor Roger Federer am Australian Open die Achtelfinal-Partie gegen den 20-jährigen Griechen Stefanos Tsitsipas (ATP 15). Der Turnier-Sieger der letzten beiden Jahre und Grand-Slam-Rekordsieger analysierte sein Ausscheiden im Pressezentrum, während sein Bezwinger dem Publikum erzählte, dass er der glücklichste Mensch der Erde sei.

Ist diese Niederlage die ­Geschichte Ihrer zwölf vergebenen Breakbälle?
Roger Federer: Es kamen verschiedene Faktoren zusammen. Aber die Breakbälle liefen wirklich nicht, wie ich es erhofft hatte. Schon am Hopman-Cup hatte ich ihn nie gebreakt, also habe ich gegen ihn wohl ein Problem mit dem ­Return. Er verteidigte sich aber auch gut.

Wie stufen Sie Ihre Leistung ein?
Sie war okay. Ich verlor gegen einen besseren Spieler, einen, der sehr gut war. Er biss sich in die Partie rein, verschaffte sich Chancen und blieb ruhig. Das ist nicht immer einfach, speziell für junge Spieler. Dafür verdient er Anerkennung. Im Verlauf der Partie veränderten sich die Bedingungen, wie jedes Jahr in Partien um diese Uhrzeit. Mit der Zeit wurde es schwieriger, den Gegner zu bedrängen. Die Bedingungen waren langsamer als letztes Jahr. Das erschwerte es zu variieren.

Für viele kommt diese Niederlage wie aus heiterem Himmel. Auch für Sie?
Dass man (in Melbourne) nach drei Jahren wieder einmal verliert, ist normal. Für mich ist die Normalität eingekehrt. Es brauchte zwar eine gute Leistung des Gegners, und die konnte er abrufen. Ich hatte gewusst, dass es gegen ihn schwierig werden würde, weil er schon in Perth stark gespielt hatte. Ich dachte schon, dass das eine schwierige Auslosung war.

«Wenn man so viele Chancen auslässt, heisst das nicht, dass alles schlecht war.»

Wie steckten Sie die vielen vergebenen Chancen weg?
Ich musste das einfach akzeptieren, dreieinhalb Stunden lang. Das ist eben Tennis. Gleichzeitig blieb ich ruhig, weil ich mir ja Möglichkeiten erarbeiten konnte. Ich war genau dort, wo ich sein wollte. Seine Stärke ist, dass er den Ball früh nimmt und dir keine Zeit lässt. Ich muss zusammen mit meinem Team analysieren, was schief lief. Aber ich weiss, mein Spielniveau war da. Wenn man so viele Chancen auslässt, heisst das nicht, dass alles schlecht war. Es brauchte auch jemanden auf der anderen Seite, der präsent war. Ehrlich gesagt denke ich nicht, dass ich vieles anders machen würde.

Hatten Sie erwartet, dass er irgendwann eine Krise haben würde?
Als ich mit 1:2 Sätzen zurücklag, dachte ich schon: Jetzt habe ich ein Problem, und er sieht nun bereits die Ziellinie. Das hätte nicht geschehen sollen, aber er hatte sich diesen Vorsprung auch erarbeitet und gezeigt, wozu er ­fähig ist. Deshalb war schon zu erwarten, dass er den Vorsprung nach Hause bringen würde. Dass ich das nicht verhindern konnte, ist enttäuschend.


Der letzte Punkt: Stefanos Tsitsipas verwandelt gegen Roger Federer den Matchball. (Video: SRF)

John McEnroe sagte, das Resultat bedeute eine Wachablösung. Könnte Tsitsipas ein Leader der nächsten Generation werden?
Sicher. McEnroe ist oft vor dem Mikrofon. Ich mag ihn, aber solche Geschichten höre ich schon seit zehn Jahren. Allerdings hat Stefanos seine Sache in den vergangenen eineinhalb Jahren wirklich hervorragend gemacht, mit seinen Siegen gegen Djokovic in Toronto, gegen Anderson, Zverev und nun mich. Das ist es, was du tun musst, um das nächste Niveau zu erreichen, und für ihn ist das toll.

Spürten Sie von Beginn weg, dass es schwierig werden würde?
Nein. Was heute geschah, bedaure ich massiv. Vielleicht sieht man mir das nicht an, aber es ist so. Ich hätte den zweiten Satz einfach gewinnen müssen, egal wie. Er kostete mich den Sieg.

«Dass zwischendurch mal ein aufgeregter Fan etwas reinschreit, ist okay.»

Empfanden Sie das Publikum teilweise als störend?
Als störend? Es war grossartig, sogar fantastisch. Dass zwischendurch mal ein aufgeregter Fan etwas reinschreit, ist okay. Ich habe es lieber so, als wenn es totenstill ist.

Wie geht es weiter in den nächsten Monaten?
Mein Programm bis Wimbledon steht praktisch fest, es ist auch klar, dass ich wieder auf Sand und in Roland Garros spielen werde.

Hat der Entscheid etwas mit dieser Niederlage zu tun?
Überhaupt nicht. Ich habe wieder Lust auf Sandturniere und denke, dass ich sie geniessen werde. Die vergangenen zwei Jahre war es gut, darauf zu verzichten, und im Jahr davor liess ich das French Open verletzt aus. Momentan habe ich auch nicht das Gefühl, eine lange Pause zu benötigen.

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie Australien?
Ich fühle mich körperlich sehr gut, habe keine Problem mit dem Rücken, dem Knie oder sonst etwas. Es ist ein gutes ­Gefühl, ein Turnier in diesem Zustand zu verlassen. Dabei habe ich heute dreieinhalb Stunden hart gekämpft. Viele Leute hatten in der Vergangenheit das Gefühl: Wenn Federer in Form ist, verliert er nie. Aber die Unterschiede sind eben klein. Vor allem, wenn man so viele Breakbälle vergibt, in alle Himmelsrichtungen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 20.01.2019 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niederlagen

    Niederlagen gehören zum Sport,RF ist sich dies bewusst y weiss damit umzugehen. Was bei manchen "Sportfan" leider nicht der Fall zu sein scheint.Wie man immer wieder feststellen kann.

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  • rosalie am 20.01.2019 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beste

    das Leben geht weiter, sie schaffen das, sie sind der Beste aller Zeiten.

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  • freerider am 20.01.2019 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht schlimm

    Deswegen wird die Sonne morgen trotzdem scheinen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Baki am 22.01.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist soweit

    Das ist der anfang vom ende !!!

  • Georg Muggli am 22.01.2019 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Separat?

    Ist der Flenni zusammen mit Zverev abgereist?

    • Most Wanted am 22.01.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Georg Muggli

      Was für eine Rolle spielt das für dich? Ist doch völlig irrelevant.

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  • Mirka Gierig am 22.01.2019 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FedEx vor dem TV

    Was habe ich mit Federer gemeinsam?! Wir gucken beide das Finale im TV. Wird wohl langsam Gewohnheit werden.

  • Bigler Thomas am 22.01.2019 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbar

    Ich stehe auf und im Tableau sind weder RF noch Zverev zu finden. Der Tag ist schön!

    • Schweizer am 22.01.2019 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bigler Thomas

      Und trotzdem finden sie Zeit über Federer zu schreiben. Verstehe das einer!

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  • Jan.Debang am 22.01.2019 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echte Emotionen?

    RF sollte lieber sich selbst bedauern als die Sache. Ehrlich zu sein und sich sagen; ich kann nicht mehr mithalten, habe genug und trete zurück. So einfach wäre das und würde uns von seinen gespielten Emotionen verschonen.

    • Wissbegieriger am 22.01.2019 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jan.Debang

      Ich hätte da mal 'ne Frage. Du fällst ja immer mal wieder mit mehr oder weniger abschätzigen Kommentaren auf. Mich interessiert folgendes: woher kommt deine Abneigung? Ich meine, was hat Federer dir getan? Kann mir nicht vorstellen, dass du auch nur im entferntesten persönlich irgendetwas mit ihm zu tun gehabt hast. Und ja, es interessiert mich wirklich. Psychologisch ist dies höchst interessant.

    • Wissbegieriger am 22.01.2019 15:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Jan.Debang

      Keine Antwort. Habe ich es mir doch gedacht. Dies sagt mehr über dich aus, als dir lieb ist.

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