Belinda Bencic

04. November 2019 13:35; Akt: 04.11.2019 14:58 Print

«Vielleicht leiste ich mir ein Wellness-Weekend»

von Simon Graf und René Stauffer, Kloten - Belinda Bencic spricht über ihre beste Saison, ihre Beziehung zu Vater und Coach Ivan und ihr Rekord-Preisgeld.

Belinda Bencic blickt auf ihre Saison zurück. (Video: Fabian Sangines/Anja Stadelmann)
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Belinda Bencic ist an diesem Montag früh am Flughafen Kloten wegen der Zeitverschiebung gegenüber China (sieben Stunden) schon hellwach. Ihr Swiss-Flug aus Hongkong ist um 6.14 Uhr gelandet, um 9.50 Uhr geht es weiter, über Wien nach Bratislava zu ihrem Freund Martin Hromkovic, der wegen Prüfungen einen Tag früher aus Shenzhen vom WTA-Final zurückgereist ist. Den Kurzaufenthalt in Zürich nutzt die 22-jährige St. Gallerin, um einer kleinen Gruppe von Journalisten Auskunft zu geben, am Ende ihrer besten Saison. «Sorry, dass Ihr wegen mir so früh aufstehen musstet», sagt die Halbfinalistin des WTA-Finals und lacht.

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Als wie erfolgreich beurteilst du die Saison von Belinda Bencic in Schulnoten?

Sie sind gerade aus Shenzhen zurückgekehrt. Wie fühlen Sie sich? Sind Sie immer noch voller Adrenalin?
Belinda Bencic: Nein. Schon in China spürte ich die Müdigkeit, als die Spannung abgefallen war. Jetzt bin ich müde vom Flug, vom Packen, vom Reisen, freue ich mich auf die Saisonpause. Ich verreise nicht an die Wärme, denn sonst müsste ich ja wieder fliegen, wieder packen, das wäre mir zu stressig. Ich freue mich, dass ich nun zwei Wochen kein Fitness machen, kein Tennis spielen muss.

Die Malediven würden Sie nicht locken?
(verdreht die Augen) Nein. Und auf den Malediven sind jetzt sowieso alle Spielerinnen. Sicher auch Kiki Bertens – und die möchte ich wirklich nicht mehr sehen. (lacht) In Moskau dachte ich, ich hätte sie abgehängt. Dann kam sie nach Shenzhen als Ersatzspielerin. Und dann sprang sie plötzlich ein, spielte sie noch um den Halbfinal gegen mich. Ich begann, von ihr zu träumen, sie verfolgte mich. Wahrscheinlich kommt sie jetzt gleich um die Ecke. (lacht)

«Eigentlich verlief die Saison über den Erwartungen.»

Sie gewannen in Shenzhen mit 995'000 Dollar Ihr grösstes Preisgeld. Was leisten Sie sich damit?
Eine Villa. Einen Lamborghini. Ein Privatflugzeug. Und eine Jacht. (lacht) Nein, nein: Ich finde, es ist ein super Schritt, dass die Frauen ein so hohes Preisgeld haben, es ist sogar noch höher als das der Männer (am ATP-Final in London). Aber ich fände es gut, wenn das Geld besser verteilt würde, auch die Spielerinnen auf den Rängen 100 bis 200 mehr erhalten würden. Dass die nicht in der Economy-Klasse nach Australien fliegen und zwei Tage später spielen müssen. Dass sie einen Coach und einen Physio mitnehmen können. Denn auch sie sind Profis. Wenn die Leute sagen, ich würde in einer Woche so viel Geld verdienen, dann stimmt das so nicht. Ich spiele Tennis, seit ich drei bin. Aber logisch freue ich mich darüber sehr. Vielleicht leiste ich mir ein Wellness-Weekend. (schmunzelt)

Wie erlebten Sie in Shenzhen Ihren Halbfinal gegen Jelina Switolina, den Sie im dritten Satz bei 1:4 wegen Krämpfen aufgeben mussten?
Ich hatte die Krämpfe nicht erwartet. Bei 6:5 im ersten Satz spürte ich im hinteren Oberschenkel eine Verkrampfung. Dann bekam ich im Fuss einen Krampf, dann wieder im Oberschenkel. Mit Krämpfen ist es schwierig, die bringt man fast nicht mehr weg. Ich versuchte, mich mit Risikotennis durchzubringen, aber am Ende ging es nicht mehr. Das ist zwar mega schade, aber ich hätte auch viel weniger erreichen können.


Ein bitteres Ende einer guten Saison: Belinda Bencic muss im Halbfinal der WTA-Finals verletzt aufgeben. (Video: SRF)

Wenn Ihnen jemand eine solche Saison vorausgesagt hätte mit der Rückkehr in die Top 8 und Halbfinals am US Open und dem WTA-Final, hätten Sie unterschrieben?
Auf jeden Fall. Nach Cincinnati, wo ich aufgeben musste, hatte ich eine kleine Krise und versuchte, mich für das US Open fit zu bekommen. Dort spielte ich super. Eigentlich verlief die ganze Saison über den Erwartungen, und dass ich es dann doch noch in die Top 8 geschafft habe, das hätte ich auf jeden Fall unterschrieben. Anfang Jahr sagten wir: Top 30 wäre super, Top 20 noch besser

«Ich bin schon sehr zufrieden mit dem Coach.»

Wie zufrieden waren Sie mit Ihrem Coach in dieser Saison?
(lacht und blickt zu Vater Ivan) Er war okay, aber am meisten Arbeit leistete ja schon ich, so schwierig war es nicht für ihn (ernsthafter) Die Resultate lügen nicht. Wir begannen letztes Jahr in Linz, und seither ging es steil aufwärts. Deswegen bin ich schon sehr zufrieden mit dem Coach, und ich denke, er auch mit mir. (zu ihrem Vater gewandt) In diesem Fall: Danke. (lacht)

Wie gefällt es Ihnen, Ivan Bencic, auf der Tour?
Ivan Bencic: Ich wuchs in dieses Leben hinein nach dem Eishockey und der beruflichen Karriere. Gerade kürzlich diskutierte ich mit einem Coach darüber. Er sagte: «Ivan, du hast es super, du bist mit der eigenen Tochter unterwegs. Ich habe vier Kinder zu Hause und bin mit einer anderen Spielerin unterwegs. Ich muss das tun, um meine Familie zu ernähren.» Dass es meine eigene Tochter ist, ist schon ein Unterschied. Natürlich ist es nicht immer einfach. Aber man ist ja für die Kinder da. (lacht und schaut Belinda an) Wie für Belinda gibt es auch für mich gute und schlechte Momente. Wenn man gewinnt, sind alle happy. Wenn man verliert, muss man mit den Niederlagen umgehen können. Auch ich bin reifer geworden. Ich bin Sportler, geniesse den Wettkampf, das Adrenalin, die Atmosphäre in den Stadien.

Von ihrem Vater hat Belinda Bencic nun erstmal zwei Wochen Pause. (Bild: Freshfocus/Claudio Thoma)

Wo sehen Sie, Ivan Bencic, noch am meisten Verbesserungspotenzial?
Ivan: Überall. Sie ist die bessere Spielerin als 2018, sie hat aus den Erfahrungen gelernt und diese Saison gezeigt, was sie kann. Sie hat zu ihrem Tennis zurückgefunden, mithilfe der Kondition und der mentalen Reife, die sie nun hat. Die Erfolge dieses Jahres beruhen auch auf all den Jahren zuvor, in denen wir fleissig gearbeitet hatten. In Zusammenarbeit mit Melanie Molitor. Wir sind allen sehr, sehr dankbar, aber vor allem Melanie. Sie sollte in der Schweiz auch einmal die Anerkennung erhalten, die sie verdient.

Belinda Bencic macht das Tourleben Spass und findet es zu Hause langweilig. (Bild: Freshfocus/Claudio Thoma)

Sie sind jetzt 22. Planen Sie, Ihre Karriere möglichst lange zu führen?
Ich plane nicht, bis 35 zu spielen. Es wäre schön, einmal eine Familie zu haben. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich spiele werde. Ich möchte nicht Serena Williams toppen. Ich will einfach das Beste herausholen aus meiner Karriere. Und wenn ich aufhöre, möchte ich sagen können, dass ich alles gegeben habe. Aber ich hätte auch danach noch gerne ein super Leben und will etwas vom Preisgeld sparen für später. Denn nach dem Tennis geht es noch weiter.

Lesen Sie das komplette Interview mit Belinda Bencic und ihrem Vater im «Tages Anzeiger» (Bezahltext).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dave74 am 04.11.2019 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab!

    Scheint auf dem Boden geblieben zu sein, sieht die Realität und nimmt nicht ganz alles bierernst. Finde ich gut. Gute Erholung beim Süssen Nichtstun!

  • Bündner am 05.11.2019 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr sympathisch

    Super sympathische Belinda mit Papa ich wünsche euch weiterhin eine erfolgreiche und Unfall freie Tennis Zeit. Und jetzt geniesst den Urlaub mit Freund und Familie.

  • fan am 04.11.2019 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tolle Spielerin

    Sympathisch wie Sie Fragen beantwortet. Ich hoffe es geht weiter so.Viel Glück.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bündner am 05.11.2019 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr sympathisch

    Super sympathische Belinda mit Papa ich wünsche euch weiterhin eine erfolgreiche und Unfall freie Tennis Zeit. Und jetzt geniesst den Urlaub mit Freund und Familie.

  • Beaetel am 04.11.2019 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Frau hat Humor

    Und ein Herz für die Spielerinnen zwischen 100 bis 200. Einwandfrei. Bravo!

  • wuege55 am 04.11.2019 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so und viel Erfolg

    Gute Einstellung, gute Antworten. Für mich ist sie auf dem richtigen Weg. Ich wünsche ihr für die weitere Karriere alles Gute.

  • fan am 04.11.2019 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tolle Spielerin

    Sympathisch wie Sie Fragen beantwortet. Ich hoffe es geht weiter so.Viel Glück.

  • fredy nauer am 04.11.2019 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    widerspruch

    aber verteilen will sie ja ihr preisgeld an die anderen spielerinnen auch nicht?!