Premiere

15. Juli 2019 13:59; Akt: 15.07.2019 15:44 Print

Ein «Rekord», der Federer ärgert

von Simon Graf, Wimbledon - Im Wimbledon-Final verlor Roger Federer zum 24. Mal nach verpasstem Matchball. Ex-Profi Mats Wilander hat dafür eine Erklärung.

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Der Blick auf den Centre Court von Wimbledon. Nach dem obligaten Foto vor dem Spiel geht es los. Schon der erste Satz ist äusserst hart erkämpft. Novak Djokovic zeigt seine herausragenden defensiven Qualitäten und wehrt einen Breakball von Federer ab. Der Satz geht ins Tiebreak. In diesem verliert Federer bei eigenem Aufschlag drei Punkte – und das Tiebreak mit 5:7. Der zweite Satz verläuft überraschend klar – Federer ist immer einen Schritt schneller und behält die Überhand. Er kann Djokovic zwei Mal breaken und gewinnt locker 6:1. Der dritte Satz ist beinahe eine Kopie des ersten. Keinem der Finalisten gelingt ein Break, das Tiebreak muss entscheiden. Federer beginnt als Aufschläger und verzieht eine Rückhand. Auch der zweite und dritte Punkt enden in unerzwungenen Fehlern des Schweizers. Am Ende kann Djokovic jubeln, er gewinnt das Tiebreak 7:4 und geht mit 2:1-Sätzen in Führung. Im vierten Satz kann Federer den Match wieder ausgleichen. Er breakt Djokovic erneut doppelt, dem Serben gelingt aber ein Rebreak. Federer gewinnt den Satz 6:4. Die Entscheidung muss im fünften Satz fallen. Dieser ist an Dramatik schlicht nicht zu überbieten. Breaks, Rebreaks, Matchbälle, umstrittene Schiedsrichterentscheidungen – die Zuschauer bekommen alles zu sehen. Ein Tiebreak gibt es im fünften Satz erst beim Stand von 12:12. Dort behält der Serbe kühlen Kopf und entscheidet den Final für sich. Der strahlende Sieger: Djokovic mit seiner fünften Wimbledon-Trophäe. Nun hat er 16 Grand-Slam-Titel gewonnen. Verlierer Federer bleibt nur der silberne Teller.

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Am Sonntag spät, als der längste Wimbledon-Final Geschichte war, tanzten auf der High Street Wimbledon Menschen auf der Strasse vor Freude. Sie sangen und jubilierten. Es war ein sporthistorischer Tag gewesen in London, das musste gefeiert werden: England war im Lord's Cricket Ground im Stadtteil Westminster erstmals Weltmeister geworden, mit einem Finalsieg über Neuseeland.

Tennisfans waren hingegen kaum mehr auszumachen im Wimbledon Village, das nun zwei Wochen lang fest im Griff der All England Championships gewesen war. Djokovic-Anhänger sind hier ohnehin spärlich gesät, und die Federer-Aficionados waren mit gesenkten Häuptern nach Hause zurückgekehrt. Auf den sozialen Medien leckten sie ihre Wunden und diskutierten, ob dies dessen bitterste Niederlage überhaupt gewesen sei.


Die Highlights der Partie zwischen Roger Federer und Novak Djokovic. (Video: AP)

Federers Premiere

Man kann es wohl auf diesen Nenner bringen: Was die Bedeutung betrifft: nein. Da dürfte der Wimbledon-Final 2008, als er nach fünf Titeln in Serie von Rafael Nadal entthront wurde, noch höher einzustufen sein. Was den Spielverlauf betrifft: ja. Federer hatte noch nie zuvor ein Major-Endspiel nach verpassten Matchbällen verloren. Das kommt ohnehin äusserst selten vor: In der Profiära (seit 1968) war das zuvor bei den Männern erst einmal passiert: Im Paris-Final 2004, als der von Krämpfen geplagte Guillermo Coria gegen Gaston Gaudio zwei Matchbälle vergab und verlor.

So viele schöne Bestmarken Federer hält, auch punkto Niederlagen nach nicht verwerteten Matchbällen ist er eine Ausnahmeerscheinung. Dies war bereits das 24. Mal, dass ihm dies passierte. Die ATP führt darüber kein Buch – dass dies ein «Rekord» ist, ist also nicht bestätigt. Man darf aber davon ausgehen.

Am Sonntag erlebte er dies zum sechsten Mal an einem Grand-Slam-Turnier, nach 2002, 2005 (Australian Open), 2010, 2011 (US Open) und 2018 (Wimbledon). Deutlich weniger oft ist das seinen Rivalen passiert: Nadal achtmal, aber nie an einem Major-Turnier, Djokovic nur gerade dreimal. Dafür hat Federer auch schon 21 Mal nach einem Matchball gegen sich noch gewonnen – zuletzt in der Sandsaison in Madrid (gegen Monfils) und Rom (Coric).

Eindrücklich war indes schon, wie konzentriert Djokovic am Sonntag die «Big Points» spielte, welche die Partie entschieden. In den drei gewonnenen Tiebreaks beging er keinen unerzwungenen Fehler, Federer deren elf. Und den zweiten Matchball gegen sich wehrte der 32-Jährige mit einem Passierball auf die Linie ab. Es waren Zentimeter, die entschieden. Zufall sei es trotzdem nicht gewesen, ist Mats Wilander überzeugt: «Djokovic musste sich immer alles hart erarbeiten. Er war der Verfolger und ist sich gewöhnt, enge Spiele gewinnen zu müssen. Federer hingegen lebte lange davon, dass er schlicht viel besser war als alle anderen. Deshalb kann er mit solchen Situationen nicht gleich gut umgehen.»

Djokovics Antworten

Was das Tennis betrifft, zeigte sich Federer in der Endphase Wimbledons so stark wie nie mehr seit seinem letzten Grand-Slam-Titel am Australian Open 2018. Hätte er Djokovic besiegt, es hätte seiner Rivalität mit dem Serben einen neuen Spin gegeben. Jetzt bleibt die Story die gleiche: Wie gut er auch spielt, Djokovic hat immer eine Antwort parat. Die Frage ist, wie gut Federer mit dieser schmerzhaften Niederlage umgehen wird. In seiner Platzrede war er brillant, strahlte er bereits wieder, in der Pressekonferenz merkte man ihm dann aber schon an, wie bitter enttäuscht er war.

Es ist sicher eine gute Entscheidung, nach einer intensiven Phase mit Madrid, Rom, Paris, Halle und Wimbledon auf Montreal (ab 5. August) zu verzichten, erst in der folgenden Woche in Cincinnati einzusteigen, wo er schon siebenmal gewonnen hat. In der Weltrangliste bleibt er die Nummer 3, in Lauerstellung hinter Nadal. Falls er am US Open, wo er 2018 überraschend im Achtelfinal an John Millman scheiterte, weiter kommt als der Spanier, hat er aber gute Aussichten, diesen in New York zu überholen. In Wimbledon qualifizierten sich Djokovic und Nadal bereits fürs ATP-Finale in London, auch Federers 17. Teilnahme scheint nur noch Formsache.

Fürs US Open ist Djokovic nun klar zu favorisieren, zumal sich Nadal zuletzt auf Hartplatz gesundheitlich äusserst schwer tat. Interessant ist, was Boris Becker, der Ex-Coach von Djokovic, im Rahmen des Wimbledon-Finals über den Serben sagte. Er habe das Gefühl, es schmerze diesen schon sehr, «das dritte Rad am Wagen» zu sein neben den so populären Federer und Nadal. An Beliebtheit wird er diese zwei nie übertreffen. Umso motivierter ist er, sie dereinst nach Grand-Slam-Titeln hinter sich zu lassen.

Tennis

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A. St. am 15.07.2019 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Tennis

    Roger Federer ist einer der besten und menschlichsten Tennis Spieler. Federer ist auf der ganzen Welt beliebt. Er geht auch respektvoll mit den Menschen um. Danke Roger, für uns bist Du der beste

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  • Walter Borpa am 15.07.2019 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Spenden?

    Hat jemand einen zweiten Fernseher? Meiner flog gestern Abend aus dem Fenster.

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  • Herr Max Bünzli Lehrer am 15.07.2019 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    jetzt stehen sie wieder auf der großen Matte die sogenannten Hobby Experten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Novaciovic Djokovocevic am 17.07.2019 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    Guckovic

    Novak der Grosse zeigt es allen. Egal wie, egal mit welchen Mitteln.

  • CH007 am 16.07.2019 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aushang ist sperrangelweit offen

    Was interessiert denn noch? Ich bin Schweizer und gottenfroh, dass Djokovic gewann. Djokovic war der bessere Spieler. Federer hat mit seinen 26 Assen den Spielfluss dauernd verlangsamt. Entsprechend seiner Kondition. Die Ausgangstür für Federer ist sperrangelweit offen.

  • Reto am 16.07.2019 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch nicht

    Ich und Most wanted stehen auf Brusthaare. Er steht nur (noch) nicht dazu. Auf Federer stehen wir beide.

  • Most wanted am 16.07.2019 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde...

    Wenn ich Fedi wäre, würde ich Mirka schmeissen, mit Tennis und Werbung aufhören und mir eine gute Villa ohne den hässlichen Thuner suchen.

    • Second Wanted am 16.07.2019 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      ich auch

      Aber er sagt ja selber öffentlich, dass er sehr scheu und kein Falco bei den Damen sei... Der bleibt bestimmt in der Schweiz. Vielleicht moderiert er dann mal bei SRF

    • Frögli am 16.07.2019 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Most wanted

      Wer ist der Thuner?

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  • Komische am 16.07.2019 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Probleme

    Er hat viel Geld und kleinen Ärger andere haben kein Geld und viel Ärger!

    • Lukas am 16.07.2019 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Komische

      Und umgekehrt. Sein Geld muss von dann wenn er nicht mehr so viel verdient, reichen bis er stirbt. Deshalb ist es wichtig das er möglichst viel Tennis spielt und gewinnt.

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