Abgänge im Spielerrat

01. Juli 2019 05:58; Akt: 01.07.2019 17:52 Print

Federer beklagt das Chaos um Djokovic

von René Stauffer, Wimbledon - Vor dem Saisonhöhepunkt geniesst der Schweizer seine Ruhe. Um den Serben aber tobt ein politischer Sturm.

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Seit Monaten dominieren im Männertennis auf politischer Ebene die Negativschlagzeilen. Chris Kermode, dem verdienstvollen Chef der ATP-Tour, wurde eine Vertragsverlängerung ab 2020 verweigert. Justin Gimelstob, jahrelang einer der Spielervertreter im Direktoren-Board, musste nach einer Verurteilung als Schläger abtreten. Novak Djokovic, dem Präsidenten des Spielerrats, wird mangelnde Kommunikationsfähigkeit vorgeworfen, und keiner weiss, was er wirklich im Schilde führt.

In Wimbledon eskalierte am Wochenende die Lage wie nie zuvor. Im Anschluss an ein Meeting des Spielerrats, das sich am Freitag über sieben Stunden und bis nach Mitternacht hinzog, erklärten vier der zwölf Mitglieder ihren sofortigen Rücktritt – Robin Haase, Jamie Murray, Sergei Stachowski sowie Daniel Vallverdu, der Vertreter der Coaches, der momentan zum Team von Stan Wawrinka gehört. Ihre Erklärungen waren praktisch deckungsgleich: Alle haben das Gefühl, dass ihre Anstrengungen wirkungslos blieben, sie gegen eine Mauer liefen.

Stachowskis Andeutungen

Der Spielerrat habe nicht das richtige Niveau, um das Tennis weiterzubringen, sagte Haase. Stachowski ging über Twitter noch weiter. «Es ist traurig, zu sehen, dass persönliche Gewinnsucht und Racheakte die Ursache sind, dass es im Spielerrat zu so grossen Gräben gekommen ist.» Irgendwann würden die Vorfälle bekannt und die ganze Struktur der Tour in Misskredit bringen, schrieb der Ukrainer. Es sei gar nicht möglich, in der jetzigen Lage unabhängig die Pflicht als Spielervertreter wahrzunehmen. Verschleierte Vorwürfe, die nur bedeuten können, dass einige Vertreter im Gremium kompromisslos Eigeninteressen verfolgen.

Als Djokovic am Samstag zu den Rücktritten befragt wurde, flüchtete er sich in ausschweifende Erklärungen über die Schwierigkeit, in der aktuellen Struktur Änderungen zu bewirken. Er beklagte zwar selber die Ineffizienz des Councils, lobte aber dessen Besetzung und zeigte vordergründig Verständnis für die Rücktritte. Als Auslöser dafür sieht er Maulwürfe in den eigenen Reihen: «Von praktisch allen wichtigen Meetings der letzten neun, zehn Monate gab es etwa vier oder fünf grössere Informationslecks.»

Djokovic, der am Montag gegen Philipp Kohlschreiber zur Titelverteidigung startet, stellt sich selber als aufopfernden Kämpfer für die Sache der Spieler dar. «Mein Team will zwar, dass ich zurücktrete. Aber etwas sagt mir, dass ich bleiben soll, denn ich fühle, dass wir Teil einer grossen Veränderung im Tennis sind.» Wie er sich diese vorstellt, bleibt allerdings ein Geheimnis.

Gegenüber holländischen Journalisten erklärte Haase gestern in Wimbledon, dass ein Teil des Spielerrats und seiner drei Board-Vertreter gar nicht bereit sei, auf Inputs aus Spielerkreisen einzugehen. Sein Vorschlag, Kermode ein weiteres Jahr Zeit zu geben, sei zwar von 47 Spitzenspielern getragen, aber dennoch übergangen worden.

«Man hört nur Negatives»

Stan Wawrinka, der sich schon im Januar – wie Rafael Nadal – hinter Kermode gestellt hatte, bezeichnete die Situation mit den Rücktritten als beunruhigend. «Momentan gehen die Emotionen hoch. Und die Dinge bewegen sich nicht in die beste Richtung. Man hört nur Negatives – oder was sie glauben, sei negativ.» Er habe noch nicht alle Informationen, «aber wichtig wird sein, was in den nächsten sechs Monaten konkret geschieht». Die Lage sei mit den verschiedenen Interessenvertretern und Gremien aber so kompliziert, dass es fast unmöglich sei, zu wissen, was konkret gemacht werden müsste.

Beunruhigt, gar leicht enerviert, äusserte sich auch Roger Federer über die jüngste Entwicklung. Er beklagte die häufigen Streitigkeiten im Spielerrat und dessen Unfähigkeit, Kompromisse einzugehen, gab aber zu, selber auch keine Patentlösung zu kennen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Darwin am 01.07.2019 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stil?

    Oohh la la..... hätte RF so präsidiert wie der Joker, wäre ein Shitstorm der Extra-Klasse losgegangen.... da trennt sich halt einmal mehr die Spreu vom Weizen und der wahre Charakter kommt zum Vorschein! Zu RF's Zeiten wusste man nicht mal, dass ER diesen Rat präsidierte: RF : souverän und mit Stil wie immer!

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  • Generasian2 am 01.07.2019 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausrede

    Und wenn der Djokovic in Wimbledon früh ausscheidet, hat er zumindest wieder eine Ausrede parat.

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  • Marc Roth am 01.07.2019 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausaufgaben machen

    Robin Haase ist Holländer (nicht Deutscher)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mina am 01.07.2019 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Mann

    Als Präsident des Spielerrats muss man kommunikativ sein und vor allem die Meinungen der anderen Spieler abholen. Anscheinend macht das Djokovic nicht. Wenn ER jemanden als unfähig betrachtet, dann ist es so, da haben die andern 11 im Spielerrat nichts zu sagen. Ach ja, er ist ja die Nr. 1 und der bestimmt wohl alles... Logisch haben bereits vier diesen Rat verlassen.

  • Passata am 01.07.2019 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Passé

    RF war mal ein guter Tennisspieler aber jetzt ist er nur noch am rumjammern und ablosen.

  • Roby am 01.07.2019 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stern

    Unglaublich! Warum viel Schweizer haben Roger nicht so gerne? Reine Einversucht. In gegen, jede Serbe haben Nole sehr gerne. Er ist Stern für seine L.Leute. König, egal für im seine Kapital. So eine Stern passiert ein mal in 50 Jahr.

    • Tennisball am 01.07.2019 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roby

      Korrektur. Es sind wirklich nur sehr wenige die RF nicht mögen. Beachten Sie einmal die Post, die Daumen und alles ist klar. Wir die erdrückende MEHRHEIT sind pro RF.

    • Ljubomir Rodic am 01.07.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roby

      Das stimmt doch nicht. Ich, Serbe, mag ihn nicht. Federer mag ich noch viel weniger. Mein Favorit ist Nadal.

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  • Sarina am 01.07.2019 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nole hat sich sein eignes Grab geschaufelt

    Ich denke nicht, dass dieser Sturm politischer Natur ist sondern Nole hat sich da sein eigenes Grab geschaufelt, als er diesen Engländer, weiss gerade seinen Namen nicht, aus dem Kader schmiss und alle Tennisspieler inkl. Roger Federer wie vor den Kopf gestossen waren, als sie davon Kenntnis erhielten. Was Djokovic gegen diesen Typ hatte weiss scheinbar niemand. Ich vermute die ganze Angelegenheit wächst Nole über'n Kopf.

  • nacho am 01.07.2019 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich und unnötig seitens RF

    Der reichste Spieler (RF) beschwert sich im Grunde genommen darüber, dass er noch nicht reicher werden kann zurzeit weil mindestens einer besser ist als er und er die Preisgelder nicht mehr abholen kann. Spiel Tennis und werde wieder Nummer 1 und machs dann wirder "besser"!

    • Sancho Pancho am 01.07.2019 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nacho

      Also wie du das aus seinen Worten und zwischen den Zeilen herausliest ist schon grosse Klasse. Ich persönlich wäre nie im Leben (und auch nicht in den künsten Träumen) darauf gekommen, dass er dies meinte.

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