ATP-1000-Turnier in Shanghai

11. Oktober 2019 12:15; Akt: 30.10.2019 18:46 Print

Federer bestraft, erzürnt, geschlagen

Zverev lässt der Nummer 3 in Shanghai im Viertelfinal kaum eine Chance. Im 3. Satz kommt es zu einem harten Rencontre mit dem Ref.

Roger Federer scheitert in drei Sätzen an Alexander Zverev. (Video: AP)
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Einen solchen Match hat selbst Roger Federer noch nie erlebt. Zuerst wurde er von Alexander Zverev lange praktisch vom Court geschossen. Dann wehrte er mirakulös drei Matchbälle ab, rettete sich im zweiten Satz ins Tiebreak. Dort wehrte er zwei weitere Matchbälle ab und erzwang – aus heiterem Himmel – einen dritten Satz.

In diesem verlagerte sich das Geschehen weg vom Sport. Der 20-fache Grand-Slam-Sieger enervierte sich darüber, dass der spanische Stuhlschiedsrichter Nacho Forcadell ihn nicht daran erinnert hatte, wann die Bälle gewechselt werden, worum er ihn gebeten hatte. Er liess ihn dies auch in aller Deutlichkeit wissen. Die Retourkutsche war krass und kam rasch, beim Stand von 0:3 und 15:30, als Federer verärgert einen Ball in hohem Bogen aus dem Court spielte – alles andere als hart und aggressiv.

Federer ärgert sich über den Ref

Zur allgemeinen Verblüffung verwarnte ihn Forcadell aber dafür. Und weil Federer schon im Tiebreak (zu Recht) verwarnt worden war, hatte dies einen Strafpunkt zur Folge. Also 15:40, zwei Breakbälle. Federers Ärger war gross. Er zog den Ref zur Verantwortung und verlangte, ihm den Prozess zu erklären. «War das für dich zu viel?», fragte er ihn. Und er warf ihm vor, ihn nicht gewarnt zu haben, dass er sich im Grenzbereich bewege. Ein «superharter Entscheid» sei das gewesen, fand am Schweizer Fernsehen auch Heinz Günthardt.


Die erste Verwarnung an Federers Adresse. (Video: SRF)


Federer kassiert eine Punktstrafe. (Video: SRF)

Federer schaffte es zwar, die Breakbälle abzuwehren – aber nicht die Niederlage. Er verlor den Viertelfinal von Shanghai nach 124 Minuten 3:6, 7:6 (9:7), 3:6. Damit liegt er im Duell mit dem Deutschen jetzt 3:4 in Rückstand. Das Resultat schmeichelte Federer noch, da er eigentlich in zwei Sätzen hätte verlieren müssen, denn Zverev führte im zweiten schon 6:5 und hatte bei 40:0 drei Matchbälle in Serie.

Er servierte von Anfang an mit einer hohen Quote und Tempi bis gegen 230 km/h und liess Federer nie in den Rhythmus kommen, zumal er auch besser retournierte. Zum Leidwesen von Federer und dessen vielen Fans, die zeitweise wie in Schockstarre verharrten, erinnerte der Kronprinz des Tennis wieder an jenen Spieler, dem seit langem Grand-Slam-Titel zugetraut werden und der Ende November 2018 in London das ATP-Finale gewann.

Niederlage gegen Ziehsohn

Federer konnte nach dem nur 27-minütigen ersten Satz, der kaum Ballwechsel brachte, etwas durchatmen, dank einem fast mühelosen Break zum 2:0. Doch Zverev fand sofort zurück in die Partie und breakte ihn im dritten Game dank zwei Federer-Fehlern und zwei knallharten Passierbällen zum zweiten Mal. Den dritten Aufschlagverlust hatte sich der Favorit danach selber zuzuschreiben, auf dem Weg zum 5:6 schenkte er Zverev drei Punkte durch Fehler.

Federer weigerte sich danach, über den Schiedsrichter zu sprechen, sondern betonte, wie gut Zverev gespielt hatte. Zum Punktabzug gefragt, antwortete er harsch: «Damit Sie das auf Twitter schreiben können? Nein, es wäre netter, etwas Gutes über diese Partie zu schreiben. Nächste Frage.»

Federer ist eine Art Götti für den 16 Jahre jüngeren Zverev. Seit langem versorgt er ihn immer wieder mit Tipps, baut ihn auf, lässt ihn von seiner Erfahrung profitieren. Inzwischen wird der 22-jährige Hamburger auch von der Federer-Godsick-Agentur Team8 repräsentiert, und er darf mit dem Schweizer Ende November auch auf eine hochdotierte Schautournee nach Süd- und Mittelamerika, wo sie viermal gegeneinander spielen werden.

Zverev dank Laver-Cup wieder in Form

Auch dank dem von Federer mitorchestrierten Laver-Cup, den er für Europa gewann, hat Zverev nach einer durchzogenen Saison wieder zu seiner Bestform gefunden. Er musste nach diesem problembeladenen Jahr mit einem schwierigen Managementwechsel sogar um die Teilnahme am Saisonfinale bangen. Dank Peking (Halbfinal) und Shanghai steht er nun auf Rang 7 im Race to London und wäre damit qualifiziert.

Das Ticket nach London bereits gelöst hat Stefanos Tsitsipas, der in Shanghai Novak Djokovic 3:6, 7:5, 6:3 niederrang. Es war sein erster Erfolg gegen einen Weltranglistenersten, sein zweiter im dritten Vergleich mit Djokovic. Der Grieche trifft im Halbfinal auf einen anderen Jungstar, den Russen Daniil Medwedew.

Nächste Turnierstation: Basel

Federer reist nun weiter nach Tokio zu einem Schaukampf am nächsten Montag, sofern es der Taifun über Japan erlaubt. Dann reist er nach Europa zurück, als nächstes Turnier stehen übernächste Woche die Swiss Indoors auf seinem Programm. Schon Ende Dezember wird Federer nach China zurückkehren. Dann bestreitet er auf dem Weg nach Australien ein Schauturnier in Hangzhou, von dem er sich gleich für fünf Jahre verpflichten liess.

Tennis

(rst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 11.10.2019 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Es tut sich was im Spitzentennis

    Die nächste Tennisgeneration macht Druck. Tsitsipas, Medvedev und Zverev sind noch sehr jung, alle über 190cm gross. Sie entwickeln richtiges Powertennis, so sieht die Tenniszukunft aus.! Einer von denen wird die neue Nummer 1.

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  • IchDuWir am 11.10.2019 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Zverev spielt gross auf

    Es ist nicht so, dass Federer fehlerhaft spielt sondern Sascha einfach unglaublich Druck macht mit dem Aufschlag.

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  • Graf.von Anstand. am 11.10.2019 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bitte um contenance.

    Mich dünkt, der Herr. Federer ist ein bisschen entzürnt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Monica am 18.10.2019 07:13 Report Diesen Beitrag melden

    eingebildet

    merkwürdiger Federer. Sollte in Pension gehen.

  • Hella von Sinnen am 17.10.2019 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Federer nicht bevorzugen

    Was ist das wieder für eine Nummer?! Roger verkündet Olympiateilnahme. Muss aber, da er keinen Davis Cup spielt, auf eine Wild Card hoffen. Wäre ich ein Del Potro, ich täte heftigst mein Veto einlegen. Nur weil Federer erfolgreicher in seiner Karriere war, soll er nun von der ITF bevorzugt werden?! Ist ein Scherz oder?! Es sollte gelost werden oder Federer muss in 2020 Davis Cup spielen!

  • D. Vanish am 14.10.2019 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt dann nicht mehr zurück

    Man merkt erst was man verloren hat, wenn es weg ist. Deshalb sollte man Roger genießen, solange er noch so gutes Tennis spielt. Ist er erst einmal weg, kommt er nicht mehr auf die ATP Tour zurück.

  • DANA am 14.10.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    superfein

    Hallo Jungs!!!, wie geht es dir? Sei nicht gelangweilt.. Es wird heiß sein... Frei und leidenschaftlich ...Wenn du willst.. Alle Türen sind offen .. (kopiere den Link)

  • Jonas Loosli am 13.10.2019 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RF Rentner

    Wenn man gesehen hat wie der Zverev von Medvedev demontiert wurde, weiss man wie es um Federer steht.