Roger Federer

24. Januar 2020 15:21; Akt: 24.01.2020 16:42 Print

«Habe mich auf dem Platz nie richtig wohlgefühlt»

Der Schweizer übersteht gegen John Millman in extremis den ersten Härtetest. Für den Sieg nach über vier Stunden musste er die letzten sechs Punkte gewinnen.

Mit dem Rücken zur Wand dreht Federer nochmals auf und zieht in den Achtelfinal ein. (Video: SRF)
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Die Spannung war um Mitternacht Ortszeit kaum zu überbieten: John Millman schaffte das Break zum 2:1 im fünften Satz, Roger Federer glich unmittelbar danach wieder aus. Es war klar, das nächste Break würde wohl die Entscheidung bedeuten. Millman hatte im siebten Game noch zwei Chancen zum Servicedurchbruch, Federer wehrte aber beide ab.

Im nächsten Game konnte Federer aus einem 0:30 kein Kapital schlagen, ebenso wenig aus einem 30:30 zwei Games später, als ihm noch zwei Punkte zum Sieg fehlten. Und auch im 12. Game stand Federer zweimal zwei Punkte vor dem Sieg, musste dann aber doch ins Champions-Tiebreak, das in Australien im Schlusssatz auf zehn Punkte ausgetragen wird. Am Ende gewann er mit 4:6, 7:6 (7:2), 6:4, 4:6, 7:6 (10:8).

«Er hatte alles richtig gemacht»

Und was dann kam, wird in den Geschichtsbüchern des Australian Open erst recht einen Eintrag finden: Millman spielte gross auf, führte 8:4, ehe Federer die letzten sechs Punkte gewann. «Zum Glück war es ein Super-Tiebreak, sonst hätte ich heute verloren», sagte er erleichtert im Platzinterview mit Jim Courier, «John spielte unglaublich und ich brauchte auch etwas Glück. Ich musste konzentriert bleiben und die richtigen Entscheidungen treffen, er hatte alles richtig gemacht.» Es war Federers 100. Sieg am Australian Open. Und einer, der ganz besonders in Erinnerung bleiben wird. «Ich war ja schon fast bereit, in die Pressekonferenz zu gehen und meine Niederlage zu erklären», sagte er.

Falls es noch einen Beweis für die Zähigkeit John Millmans gebraucht hätte, wurde der allerdings schon im vierten Satz erbracht. Der Australier lag mit 1:2 Sätzen hinten und war bei praktisch jedem eigenen Aufschlagspiel unter Druck. Federer gelang aber kein Break und Millman nützte seine einzige Chance eiskalt. So ging es nach knapp drei Stunden in der Rod-Laver-Arena in den fünften Satz.

Federer war sich von Anfang an bewusst, dass gegen Millman erstmals sein Stehvermögen gefragt sein würde. Alle drei bisherigen Duelle waren eng verlaufen, und der frühere Interclubspieler des TC Zug hatte ihm 2018 ja am US Open eine seiner bittersten Niederlagen zugefügt. Vor allem war Millman an jenem heissen Tag in New York körperlich klar besser.

Fast perfekte Leistung

Im Gegensatz zu den beiden ersten Partien gegen Steve Johnson und Filip Krajinovic war Federer diesmal denn auch weit von einem Blitzstart entfernt, sein Gegner von ganz anderem Leistungsvermögen als der Amerikaner und der Serbe. Federer kassierte rasch das erste Break zum 1:3 und war dann den ganzen Startsatz im Hintertreffen. Bei 3:5 holte er sich mit einem brillanten Returngame das Rebreak, musste dann aber direkt danach seinen Aufschlag zu null abgeben.

Der Australier verdiente sich den Gewinn dieses Durchgangs mit einer fast perfekten Leistung, ganze vier unerzwungene Fehler wies die Statistik aus. Millman stützte sich dabei wie fast immer auf die gleiche Spielphilosophie und verteilte die Bälle auf beiden Seiten fast ausschliesslich crosscourt. «Er hat heute stark dominiert und dafür gesorgt, dass ich mich nie richtig wohl fühlte auf dem Platz», sagte Federer.

Im zweiten Satz holte sich der 38-Jährige vor allem bei Aufschlag Millmans mehr Spielanteile, konnte etliche Male aus einem 30:30 aber kein Kapital schlagen. Im Tiebreak spielte er dann nahe der Perfektion und holte sich so nach knapp eineinhalb Stunden den Satzausgleich. Er war enorm wichtig, weil ein 0:2-Defizit gegen den so konditionsstarken Mann aus Queensland wohl zur gewaltigen Herausforderung geworden wäre.

Energiereserven noch intakt

Durch den Adrenalinschub durch den Sieg dürften die Energiereserven Federers zum Start in die zweite Woche trotz der langen Partie noch intakt sein. Am Sonntag spielt er im Achtelfinal gegen den Ungarn Marton Fucsovics (ATP 67), der auch schon mit ihm in der Schweiz trainierte und für die Grasshoppers die NLA-Interclubmeisterschaft bestritt.

Federer hat beide bisherigen Vergleiche ohne Satzverlust gewonnen, einen davon 2018 ebenfalls im Achtelfinal in Melbourne. Fucsovics ist in starker Form, er hat bisher den jungen Kanadier Denis Shapovalov, den sehr jungen Italiener Jannik Sinner und den Amerikaner Tommy Paul ausgeschaltet.


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(mke)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Boris Bumbum am 24.01.2020 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Tag

    So wunderschön wie heute :D

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  • fh am 24.01.2020 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Einfach ganz grosse Klasse der Mann! DER Schweizer Botschafter für die Welt. Also ihr Kritiker: Mehr Respekt, bitte.

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  • Aussie am 24.01.2020 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Large Amount Of Fans

    Schon erstaunlich, wie viele Fans RF auf der ganzen Welt hat. Auch in Australien war es fast ein "Heimtournier". DER Symathieträger schlechthin.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Besim am 26.01.2020 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Der ist einfach einmalig, als Sportler und als Typ. Respekt

  • Alfredo Brunzo am 26.01.2020 06:40 Report Diesen Beitrag melden

    Djokovic zeigt am Donnerstag den Meister

    Djokovic macht derzeit alles platt. Das bekommt gerade Schwartman zu spüren. Tja, Linda, die Echte, ich freue mich bereits jetzt auf Ihr Statement am Donnerstag. Wenn er Federer auseinander genommen haben wird. Zur Erinnerung, Nole hat viel Spielpraxis in 2020 sammeln können, da er den ATP Cup erfolgreich gespielt hat. Bei der Niederlage im November gegen Federer, war er zuvor auch schon schwächelnd in Paris Bercy rausgeflogen. Das ist der Unterschied zu heute. Djokovic ist jetzt 100% fokussiert.

    • Der Gurkenkönigkenner am 26.01.2020 07:18 Report Diesen Beitrag melden

      Tschö mit ö

      Dazu wird es gar nicht kommen. Der Gurkenkönig fliegt heute wieder nach Dubai. Der Scheich hat zum Umtrunk geladen.

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  • Der Rächer am 26.01.2020 02:54 Report Diesen Beitrag melden

    Mach es gut GröFaZ

    Heute fliegt der künstliche GröFaZ in vier Sätzen raus. Er ging gegen Millman schon auf dem Zahnfleisch. Seine Freisen-Tour nimmt ein jähes Ende.

    • Der Rächer am 26.01.2020 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Rächer

      Der wahre Rächer schreibt nicht einen solchen Munibrunz. Vor allem solchen Müll mit Bezug auf ein sehr sehr dunkles Thema der Weltgeschichte.

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  • Georg Pimpelhuber am 26.01.2020 00:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bye Roger!

    Roger, war schön dich noch mal in Melbourne erlebt zu haben. Mach es gut. Heute geht es nach Dubai zurück.

  • Kein Federast am 25.01.2020 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Federer wird stets bevorteilt...

    Tja, liebe Federasten (Jünger ihres GoaT´s), es gibt halt noch Tennis Experten, die, die Sachen so sehen, wie sie sich tatsächlich darstellen. J. McEnroe sagte nämlich nun deutlich, dass Federer seinen Einfluss auf die Veranstalter ausübt, um ihn unter besseren Voraussetzungen (kühle Nightsession) spielen zu lassen. Ein Federer Fan findet daran nichts Falsches. Warum sollte sich auch jemand wie die Anderen in der Mittagssonne braten lassen, wenn man den Turniersieg auch einfacher haben kann. Man hat ja in NY gesehen, wie Federer auf Hitze reagiert...

    • Der mit dem Tennisracket am 25.01.2020 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kein Federast

      Tja und das Schönste daran ist, dass dich dies ärgert. Ich finde es ziemlich witzig. Du musst dir halt ein anderes Hobby suchen bis der Maestro, GOAT und Tennisgott sein Racket an den Nagel hängt

    • Kein Federast am 25.01.2020 20:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Der mit dem Tennisracket

      Ärgern?! Nein, nicht wirklich. Mich erfreuen dann solche Dinge, wie das Wimbledon Finale. Ich habe heute noch belustigend die Dame vor Augen, die demonstrativ den Finger in die Luft streckte um zu zeigen, noch ein Punkt und GS Titel Nr. 21 ist der Seine. Und was geschah?! Nole pfiff darauf, wehrte die Matchbälle ab und holte seinen nächsten Wimbledon Titel und das im Wohnzimmer seines größten Widersachers. Gibt es etwas Schöneres?!

    • P. Sychologe am 26.01.2020 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kein Federast

      Aber sicher ärgert dich dies. Sonst würdest du es nicht erwähnen. So einfach ist dies.

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