Laver-Cup

20. September 2019 10:14; Akt: 20.09.2019 14:37 Print

Gala mit Hengsten, Schäferhunden und Jesus

von René Stauffer, Genf - Am offiziellen Abend des Laver-Cup bekamen 500 Gäste die weltbesten Tennisspieler von einer ungewohnten Seite zu sehen.

Bildstrecke im Grossformat »
Laver-Cup ist, wenn die besten Tennisspieler der Welt auch mal für Faxen zu haben sind: Team Europa posiert am Galadiner des Turniers. Oben: Roberto Bautista Agut, Roger Federer, Rafael Nadal und Stefanos Tsitsipas. Unten: Dominic Thiem, Alexander Zverev und Fabio Fognini. Laver-Cup ist auch, wenn es Roger Federer und Rafael Nadal nur im Doppelpack gibt. Wo der Schweizer in Genf auftaucht, ist sein grosser spanischer Rivale nicht weit. Auch bei der Gala am Vorabend des Turniers nicht. Nadal war es da vorbehalten, Federer den 500 anwesenden Gästen anzukündigen. Er begann mit einem Scherz, fand, er habe die härteste Aufgabe erhalten, weil er den unbekanntesten aller Spieler ankündigen musste. Nadal sagte aber auch: «Langsam werde ich müde, ihn als Rivalen zu haben. Viel besser ist es, ihn als Teamgefährten zu haben.» Auch der Rest des Teams stellte sich auf der Bühne gleich selbst vor. Der spanische Ersatzspieler des Team Europa, Roberto Bautista Agut, nannte seinen italienischen Kollegen Fabio Fognini einen italienischen Hengsten. Fogini, die Nummer 11 der Weltrangliste, hatte dann für den Griechen Stefanos Tsitsipas (Mitte) eine passende Beschreibung parat, der junge Mann mit den langen Haaren sei der Jesus Christus seines Teams. Tsitispas kehrte zurück zu den tierischen Vergleichen, stellte Alexander Zverev (rechts) als deutschen Schäferhund vor. Dieser blieb beim Tennis, Kollege Dominic Thiem sei ja schliesslich der rechtshändigen Rafael Nadal. Schliesslich kam auch Rod Laver in Begleitung. Der 81-Jährige ist eine Ikone des Sports, hat als einziger Spieler zweimal alle vier Grand-Slam-Turniere in einer Saison gewonnen. Nach ihm ist der Laver-Cup benannt. Das ganze Aufgebot schart sich um Laver. Captains, Vize-Captains, Spieler und Ersatzleute auf der Bühne in Genf.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als erster der Europäer kam Borg aufs riesige Podest, und der 63-jährige Schwede nahm sich als einziger die Freiheit, weder Fliege noch Krawatte zu tragen. Im Small Talk mit der Moderatorin Mary Carillo, die einst mit John McEnroe ein grosses Mixed-Turnier gewonnen hatte, war der elffache Grand-Slam-Sieger zum Scherzen aufgelegt: «Ich habe in Schweden niemandem, mit dem ich reden kann, deshalb bin ich hier. Denn hier haben wir ein grossartiges Team.»

An diesem Galaabend des Laver-Cup am Donnerstag im in einem eleganten Saal im Nouveau Campus von Genf stellten sich die Teams untereinander selber vor – vor 500 geladenen Gästen, darunter Federers Eltern, sein früherer Trainer José Higueras, sein jetziger Trainer Ivan Ljubicic oder Bernard Russi, sowie, natürlich, Gastgeber Tony Godsick und seine Familie. Borg holte Assistenzcaptain Thomas Enqvist auf die Bühne, einen früheren Basel-Sieger. Der Spanier Roberto Bautista Agut stellte Fabio Fognini als «Italian Stallion» vor, als italienischen Hengst. Dieser wiederum bat «unseren Jesus Christ des Teams» auf die Bühne, den langhaarigen Stefanos Tsitsipas.

Der Grieche führte Alexander Zverev dann als «der deutsche Schäferhund» ein. Dieser wiederum bezeichnete darauf seinen guten Freund Dominic Thiem als «rechtshändigen Rafael Nadal». Der Österreicher holte den richtigen Nadal mit diesen Worten auf die Bühne: «Schon 2005 dachte ich, als ich ihn erstmals sah, wie hart und hässlich es sein muss, gegen ihn zu spielen, und inzwischen habe ich das selber oft erfahren». Der zweifache Paris-Finalist untertrieb, Nadal habe ja Roland Garros auch ein- oder zweimal gewonnen.

«Wir werden die Gastgeber überrumpeln»

Nadal erklärte darauf, er habe die härteste Aufgabe gefasst, weil er den «unbekanntesten Spieler hier» präsentieren müsse: «Er ist mein Rivale, der grösste davon, und langsam werde ich etwas müde, ihn als Rivalen zu haben. Viel besser ist es, ihn als Teamgefährten zu haben – the one and only Roger Federer.»

Eröffnet hatte die Vorstellungsrunde John McEnroe, der über seinen Assistenzcaptain scherzte: «Ich liebe ihn wie einen Bruder. Oh, er ist ja auch mein Bruder – Patrick McEnroe.» Zum Tisch der Europäer gewendet, sagte McEnroe zu Federers Vater: «Entschuldigung, Herr Federer, aber wir werden die Gastgeber hier überrumpeln.»

Schliesslich standen sie alle da, aufgereiht auf dem breiten Podest wie an einer Schnur, links die Europäer, rechts das Team Welt, in der Mitte der kleine Rod Laver, der 81-jährige Namensgeber des am Freitag beginnenden Mannschafstwettbewerbs. Eine geballte Ladung von Weltklassetennisspielern, wie sie in der Schweiz zuvor noch nie zusammen gekommen ist. Vom Galadiner selber bekamen die früh abgezogenen Teams dann aber ebensowenig mit wie vom Begleitprogramm, das die Geschichte Rod Lavers und des Laver-Cup hochleben liess und mit einem Vortrag der Opernsängerin Cecilia Bartoli abgerundet wurde.

Tennis

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.