Premiere

20. August 2019 17:33; Akt: 20.08.2019 23:17 Print

Gehörloser schreibt Tennisgeschichte

Der 21-jährige Duckhee Lee (ATP 212) gewinnt in Winston-Salem als erster tauber Spieler ein Match auf der ATP-Tour.

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Den Jubel der Zuschauer bekommt Duckhee Lee wie immer nicht mit. Dabei fällt dieser nach dem 7:6 (7:4), 6:1 des 21-jährigen Südkoreaners gegen Henri Laaksonen (ATP 120) besonders laut aus. «Meine Botschaft an Menschen mit Hörbehinderung ist es, wenn du dich anstrengst, kannst du alles erreichen», lässt er an der Pressekonferenz die lokalen Reporter wissen, mit Hilfe seiner Verlobte und einem (der koreanischen Sprache mächtigen) Freiwilligen, die als Übersetzer fungieren.

Vater: Lieber Golf oder Bogenschiessen

Die wundersame Geschichte des ­Tennisspielers Lee, der von Geburt an taub ist, beginnt mit dem Racket seines Cousins. Sein Vater sagt zum Trainer aber nur: «Unser Junge soll nicht zum Spass trainieren, wenn Sie kein Potenzial sehen, werden wir nicht weitermachen.» Er bevorzugt eine akustisch weniger herausfordernde Sportart wie Golf oder Bogenschiessen.

Ein tauber Profi? Chancenlos

Die Eltern und Trainer seiner (meist unterlegenen) Gegner belächeln jedoch seine Ambitionen, da der Schlagklang im Tennis viel über Spin und Tempo des Balls verrät – ein riesiger Nachteil für Lee. Sie meinen, dass auf der Jugendstufe die Ballgeschwindigkeit noch langsam ist, dies sich bei den Profis jedoch rapide ändert und er dann nicht mehr reagieren kann, weil er nichts hört.

Das Gehör liefert wichtige Informationen

Auch für das Timing der eigenen Schläge ist das Gehör unerlässlich. Martina Navratilova bezeichnete das übermässige Stöhnen einst gar als Betrug, weil sie denkt, dass es den Klang des Balls vom Schläger verschleiert. Lee meint dazu: «Ich verfolge die Bewegungsabläufe des Gegners und die Flugkurve des Balls genau. Weil ich nichts höre, kann ich mich dafür komplett auf das Match konzentrieren und werde nicht abgelenkt.»

Gehörlosen-Weltmeister? Nein danke

Er trägt auch keine Hörhilfen. Nicht im Alltag, nicht auf dem Platz – obwohl er bei den Profi-Turnieren dürfte. Der 21-Jährige möchte keine Sonderstellung, lernt daher auch die Gebärdensprache nicht und verzichtet auf die Teilnahme an den «Deaflympics», den Olympischen Spiele der Gehörlosen. Lee hat ganz andere Sorgen. «Ich könnte etwas grösser sein, das würde meinem Spiel mehr helfen», sagt der 1,75 Meter kleine Südkoreaner.

Tennis

(tre)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • patricio069 am 20.08.2019 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Das ist Super, er ist noch Jung und man wird noch mehr von ihm Hören. Alles gute mein Freund.

  • Dan am 20.08.2019 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Jetzt steht auch der Laaksonen in den Geschichtsbüchern...

    einklappen einklappen
  • IchDuWir am 21.08.2019 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so....

    Tolle Leistung des jungen Mannes. Wünsche ihm viel Erfolg weiterhin... Er scheint die Situation bestens einschätzen zu können, da er seine Grösse anspricht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tret am 22.08.2019 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Chanche In die Top 100

    Ich mach es kurz, von ihm werden wir in Zukunft sicherlich nichts mehr hören.

  • Dimitri Netzoff am 21.08.2019 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Taub?! Ohne Arme.

    Das ist doch nichts Besonderes. Ich spiele ohne Arme also mit den Füßen. Das ist eine Leistung.

  • Nick Bolletieri am 21.08.2019 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    brutale Realität

    Dass er erst jetzt mit 21 ein ATP-Match gewonnen hat und auf Platz 212 steht, hat nichts mit seinem Problem zu tun. Zum Tennispielen braucht man keine Ohren sondern man sieht ja wie der Gegner den Ball schlägt. Mit oder ohne Hörbehinderung, der Junge ist gut, aber verglichen mit anderen 21-jährigen einfach nicht gut genug.

  • partly deaf am 21.08.2019 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber gehörlos statt taub

    Liebe Verfasserinnen und Verfasser dieses Artikels Ich habe mit Interesse Ihren Artikel gelesen und habe mich gefreut, dass über eine gehörlose Person berichtet wird. Jedoch möchte ich Ihnen mitteilen, dass das Wort "taub" heute von den Gehörlosen gemieden wird, da "taub" heute eher ein Schimpfwort ist. Sie bezeichnen sich eigentlich als "gehörlos" und möchten auch, dass andere dies beachten. Freundliche Grüsse

  • Klein am 21.08.2019 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig oder nicht.

    Mich stört eine "Kleinigkeit". KörperGRÖSSE wird nicht in "Kleinigkeit" gemessen. Wenn man "nur" m 1.60 gross ist, beneidet man Menschen die grösser sind. (letzter Satz des Artikels, da wollte wohl jemand "lustig" sein.)