«Quiet please»

25. Juni 2009 12:04; Akt: 25.06.2009 18:13 Print

In Wimbledon hat's sich ausgestöhnt

von Philipp Reich - In den ersten Tagen von Wimbledon beschäftigte die Journalisten im Südwesten von London vor allem ein Thema: Das lautstarke Gekreische der Tennis-Ladys, wenn sie auf den Ball schlagen. Nun sind die beiden lautesten Stöhn-Queens ausgeschieden.

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«Gegen sie wirkt das Stöhnen von Monica Seles wie Easy Listening», schrieb eine englische Zeitung vor dem Wimbledon-Auftakt. Gemeint war die erst 16-jährige Portugiesin Michelle Larcher de Brito. Das Tennis-Küken hatte vor ein paar Wochen beim French Open in Paris neue Massstäbe auf der Stöhn-Skala gesetzt. Nicht nur wegen der Lautstärke von mehr als 100 Dezibel (siehe Info-Box), sondern auch wegen der mehrsilbigen, schrillen Art und Weise.

Während ihres letzten Spiels in Paris hatte sich ihre französische Gegnerin Aravane Rezai dermassen durch das Gekreische von Larcher de Brito gestört gefühlt, dass sie sich mehrmals beim Schiedsrichter beschwerte. Die Reklamation blieb ebenso ungehört wie die Forderungen von Martina Navratilova und John McEnroe, das zu laute Gestöhne müsse von den Unparteiischen unterbunden werden.

Nur wenns eng wird, wirds laut

In ihrer ersten Partie in Wimbledon hielt sich Larcher überraschenderweise mit dem Kreischen zurück. Hatte sie die öffentliche Debatte etwa eingeschüchtert? Weit gefehlt: Der Grad des Stöhnens hänge von der Intensität der Partie ab, und da sie von Anfang bis Ende solide gespielt habe, sei es nicht nötig gewesen, lauter zu werden.

Ganz im Gegensatz zur zweiten Partie: Spätabends lief die Partie von Larcher de Brito, die die Tennisakademie von Nick Bolletieri in Miami absolvierte, auf Aussenplatz Nummer 12 gegen die routinierte Italienerin Francesca Schiavone. Während des hartumkämpften Spiels schrie sich die junge Weltnummer 91 immer wieder die Seele aus dem Leib - vergebens. Larcher de Brito verlor zweimal im Tie-Break und verliess daraufhin lautlos den Platz.

Nur Willams-Sisters übrig

Obwohl auch die Nummer 2 in der «Stöhn-Weltrangliste», Maria Scharapowa, gestern überraschend gegen die Argentinierin Gisela Dulko ausgeschieden ist, droht Wimbledon noch keine absolute Stille auf den Plätzen. Serena Williams hat schon oft bewiesen, dass sie an guten Tagen mit ihrem lauten Gekreische problemlos mit der Weltspitze mithalten kann. Und auch ihre Schwester Venus drescht von grossen Lärmemissionen begleitet auf die Filzbälle ein.

Larcher de Brito will weiter stöhnen

Michelle Larcher de Brito will übrigens auch in Zukunft nicht auf ihr Gestöhne verzichten. «Das gehört einfach zu meinem Spiel. Keiner kann mich davon abhalten zu stöhnen. Wenn sie mich deshalb bestrafen wollen - okay, nur zu. Lieber lasse ich mich bestrafen, ehe ich ein Spiel verliere, weil ich nicht mehr stöhnen darf», so die 16-jährige Portugiesin.


Maria Larcher de Brito beim Tennis spielen

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(Quelle: Youtube)