Spanisches Gewohnheitstier

11. Mai 2012 10:50; Akt: 11.05.2012 11:24 Print

Nadal sucht den Fehler am falschen Ort

von Philipp Reich - Rafael Nadals frühe Niederlage in Madrid hat zwei Dinge eindrücklich gezeigt: Der blaue Sand ist eben doch anders und der Spanier hat Mühe mit Veränderungen.

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Eigentlich hatte Rafael Nadal den Sieg schon in der Tasche. Die Weltnummer 2 führte gegen Fernando Verdasco im Entscheidungssatz des Achtelfinals von Madrid mit Doppelbreak und servierte zum Matchgewinn. Doch dann glitt dem Sandkönig die Partie plötzlich aus den Händen. Verdasco schnappte sich fünf Games in Folge und durfte sich nach 3:10 Stunden überglücklich auf den Rücken und den blauen Sand fallen lassen. Vor dem Handshake mit Nadal gabs ein Küsschen für die heissdiskutierte Unterlage.

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Nadals Niederlage kam trotz aller Querelen im Vorfeld wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Zuletzt hatte er auf Sand 22 Partien in Serie gewonnen und in diesem Jahr in Monte Carlo und Barcelona triumphiert. In der katalanischen Metropole kam übrigens auch Verdasco unter die Räder: 6:0 und 6:4 wurde er von seinem Landsmann bei seiner 13. Niederlage im 13. Duell abgefertigt. Doch nun sind beide Serien gerissen. Für Nadal war die Pleite gegen Verdasco erst die siebte Niederlage auf Sand seit seinem ersten French-Open-Tiel 2005 (2x gegen Federer und Djokovic, 1x gegen Ferrero und Söderling). Rund 200-mal hatte er in derselben Zeit auf der «terre battue» gewonnen.

«Konnte mich nicht richtig bewegen»

Mit der frühen Pleite gegen Verdasco hatte auch Nadal nicht gerechnet. Seine Gefühlslage konnte er wie so oft nicht verbergen. Sichtlich genervt erschien er zur Pressekonferenz. «Ich hatte die Partie nie unter Kontrolle, obwohl ich führte», erklärte Nadal. «Die Beinarbeit ist in meinem Spiel enorm wichtig und ich kann mich hier nicht richtig bewegen.»

Der blaue Sand als Ausrede für seine Niederlage? «Nein, der Platz ist für beide Spieler gleich. Ich habe verloren, weil ich nicht gut genug war. Ich gratuliere Fernando zum Sieg, wenigstens habe ich gegen einen Spanier verloren.» Dann machte Nadal seinem Ärger über die blaue Unterlage doch noch Luft. «Die ATP und das Turnier können machen, was sie wollen. Aber wenn es nächstes Jahr so weitergeht, ist es traurig und das bedeutet, dass ich ein Turnier weniger spiele.»

Nadal trifft die Umstellung mehr als andere

Nadals Liebe zum Heimturnier war noch nie sehr gross. Die Höhenlage mit den schnelleren Bedingungen passt ihm nicht, es sei für die Spanier kein richtiges Heimspiel. Und jetzt auch noch der blaue Sand, der ihm das Leben schwer macht. Die neue Unterlage ist deutlich rutschiger als der gewohnte rote Sand und es ist schwieriger, sich auf den Ball zu fokussieren. Daran besteht kein Zweifel, denn nicht nur Nadal, sondern auch fast alle anderen Topspieler wie Djokovic, Federer, Wawrinka oder Monfils haben sich beklagt.

Die Klagen des Spaniers sind allerdings deutlich lauter. Ihn trifft die Umstellung auf das ungewohnte Blau besonders stark. Nadal fühlt sich nur wohl, wenn alles in seinem Umfeld stimmt. Kein anderer Spieler pflegt seine Rituale so wie er. Der 10-fache Grand-Slam-Gewinner steht zwischen den Ballwechseln möglichst nicht auf die Linien, seine Getränkeflaschen stellt er neben der Bank parallel zueinander immer an die gleiche Position und vor dem Aufschlag folgt immer das gleiche Szenario: Höschen zupfen, Nase tupfen, Haare über die Ohren und los gehts.

In den Missmut hineingesteigert

Wenn nun die rote Asche plötzlich blau wird, kann sich Nadal nur langsam anpassen. Zu langsam, wie sich herausstellte. Dass er sich immer mehr in seinen Missmut über den blauen Sand hineinsteigerte und sich im Training mehr mit der Unterlage als mit seinem Spiel beschäftigte, war auch nicht gerade förderlich. Nadals fast schon historische Niederlage auf Sand ist also nicht nur auf den rutschigen und ungewohnten blauen Platz zurückzuführen, sondern auch auf seinen Kopf und die mangelnde Einstellung auf eine ungeliebte Veränderung. Der Spanier wäre also gut beraten, die Fehler auch bei sich selbst und nicht nur beim blauen Sand zu suchen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Becks am 11.05.2012 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nadal

    Nadal ist ein klassischer "Gränni"!

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  • Kingflinti am 11.05.2012 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Projektionen

    Nadals ausscheiden ist ein klassisches Beispiel, wie man sich in etwas verrennen kann, was mit der Ursache wenig zu tun hat. In der Hallensaison sind die Unterlagen mal Rot, Grün, Blau ohne das sich jemand darüber aufregt, nun frage ich, warum muss Sand immer Rot sein, Tatsache ist doch, dass alle die gleiche Unterlage haben, und Nadal zudem im Entscheidungssatz bereits 5:2 führte , die Frage von Nadal musste sein, was hat Verdasco anschliessend besser gemacht?

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  • Chregel Mäckenrou am 11.05.2012 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Unterlage falsch bearbeitet

    Die Farbe blau ist nicht das eigentliche Hauptproblem. Das Problem ist, dass die Unterlage anscheinend falsch bearbeitet wurde. Auch beim Spiel von Federer hat man gesehen, dass er äusserst grosse Mühe mit dem Halt hatte. Den Unmut von Nadal kann ich verstehen. Aber Hauptsache, es bricht sich keiner die Knochen und Fedi wird die Nr. 2. :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kingflinti am 11.05.2012 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Projektionen

    Nadals ausscheiden ist ein klassisches Beispiel, wie man sich in etwas verrennen kann, was mit der Ursache wenig zu tun hat. In der Hallensaison sind die Unterlagen mal Rot, Grün, Blau ohne das sich jemand darüber aufregt, nun frage ich, warum muss Sand immer Rot sein, Tatsache ist doch, dass alle die gleiche Unterlage haben, und Nadal zudem im Entscheidungssatz bereits 5:2 führte , die Frage von Nadal musste sein, was hat Verdasco anschliessend besser gemacht?

    • F. W. am 11.05.2012 17:56 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz!

      Es ist ja nicht die Farbe entscheidend. Dieser Blaue sand soll viel rutschiger und langsamer sein, sagen die Spieler...

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  • hans peter am 11.05.2012 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    wenn ich...

    diesen beitrag und manch kommentar hier lese - wird's mir schlecht. nadal ist wohl der beste sandplatz-spieler ever und seit jahren in den top 2. dies schafft man nicht wenn man sich schlecht oder nur langsam anpassen kann - oder hat er nicht auf jedem belag gewonnen??? über diese unterlage haben so ziemlich alle gemotzt - und das schon vor dem turnier.. das spieler (wie zb nadal) die von ihrer laufarbeit "leben" besonders benachteiligt werden, sollte jedem laihen klar sein...!!!

    • @Hans Peter am 12.05.2012 08:14 Report Diesen Beitrag melden

      billig

      tja Hans Peter, das mit der Laufarbeit mag ja wohl zutreffen, aber ein Profi wie Nadal, sollte absolut kein Problem damit haben, denn auch die anderen Tennisspieler müssen Laufarbeit verrichten und sorry, aber Rafa hat's selber vergeigt, dies dann im Nachhinein auf den Platz zu schieben, ist billig.

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  • English, Alex am 11.05.2012 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    lesen bevor reden...

    ...lest ihr eigentlich auch was steht? Nadal hat klar gesagt das nicht der Platz an der Niederlage schuld ist weil er für beide gleich ist. Er regt sich einfach über den Zustand auf. Das tun die anderen Topspieler auch...Madrid wird wohl in Zukunft ein Challenger Turnier werden wenn alle nicht mehr kommen...

  • Marat am 11.05.2012 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Unterlagen & Nachteile

    Für einmal sind die Verhältnisse nicht optimal für Nadal.. Statt sich darüber zu beschweren, hätte er sich besser versucht anzupassen. Wenn jemand Grund hätte um zu jammern, dann Federer. In den letzten paar Jahren sind die Beläge extrem langsamer geworden, was u.a. Nadal entgegen kommt. Der Rasen in Wimbledon z.B. ist nicht mehr so schnell wie vor 10 Jahren. Federer sagte mal, es komme ihm langsamer als vor als in Paris! Darauf McEnroe: "Das darfst du den Leuten nicht sagen!" Ein echter Champ versucht sich den Verhältnissen anzupassen und nicht umgekehrt...

    • Adrian am 12.05.2012 08:17 Report Diesen Beitrag melden

      genau so ist's

      genau, das sollte auch Hans Peter mal mit einbeziehen, er als Tennis-Laie können noch was dazu lernen

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  • Sven am 11.05.2012 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nadal der C.Ronaldo vom Tennis

    Nadal ist der C.Ronaldo vom Tennis :)