Kritik am Platz

09. Mai 2012 12:57; Akt: 09.05.2012 13:03 Print

Nicht nur blau, sondern auch schlecht

Der blaue Sand in Madrid sei nicht nur unnötig, sondern auch rutschig und in schlechtem Zustand. Selbst der Kollaps eines Linienrichters wird der Unterlage zugeschrieben.

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Roger Federer: Er siegte auf dem blauen Sand von Madrid bei der Premiere 2012. Novak Djokovic wurde von Stanislas Wawrinka gefordert - und dann im Viertelfinal von Janko Tipsarevic gestoppt. Der Schweizer konnte aber in den entscheidenden Momenten nicht mithalten. Er scheitert im Achtelfinal. Rafael Nadal: Das Aus im Viertelfinal - nicht nur weil der Gegner gut war, wie er selbst zu gibt, sondern auch wegen dem bösen blauen Sand. Fernando Verdasco kann seinen Sieg gegen Nadal kaum fassen. Roger Federer zeigt seine Schuhe nach dem Sieg gegen Raonic auf seiner Facebook-Seite. Ein Linienrichter klappt beim Spiel Baghdatis gegen Garcia-Lopez zusammen. Böse Stimmen munkeln: Der Sand ist schuld. Als rutschig wird der Court oft beschrieben. Dies stellt auch Caroline Wozniacki fest. Schmerzen am Fussgelenk, ein roter Kopf und blaue Sohlen. Trotzdem siegt die Dänin gegen Mona Barthel mit 6:4, 7:6. Pflege für den blauen Sand. Wie jeder Sandplatz muss auch dieser gewässert werden. Novak Djokovic meint: «Das war kein Tennis. Entweder brauche ich Fussballschuhe oder einen Rat, wie man auf diesem Platz spielen soll.» Oder auch über Twitter: «Erstes Spiel auf blauem Sand? Ouch. Nächstes Mal bringe ich bessere meine Skates mit. Sehr rutschig.» Serena Williams nimmts lockerer: «Blaue Asche ist doch fein. Ich könnte auch auf Eis spielen, falls es nötig ist.» Gilles Simon: «Für mich sind das die schlechtesten Courts der Sandsaison.» Richard Gasquet: «Der Platz ist sehr bizarr. Das ist eine Eisbahn, kein Court.» Roger Federer vor seinem ersten Ernstkampf an der Pressekonferenz. Farblich hat er seine Mütze schon mal den Verhältnissen angepasst.

Ein ohnmächtiger Linienrichter und Schimpftiraden gegen den blauen Sand.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Aufregung war schon vor Turnierbeginn gross. Blauer Sand – das geht gar nicht. Rafael Nadal motzte: «Blauer Sand ist ein Fehler. Es bringt den Spielern nichts und auch nicht dem Tennis. Aber dem Turnierbesitzer.» Auch andere Spieler stellten sich hinter die Weltnummer 2.

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Jetzt sind die ersten Matches auf der ungewohnten Unterlage gespielt – und die Kritik ist noch grösser geworden. Novak Djokovic etwa twittert nach seinem Knorz-Sieg gegen den unbekannten Daniel Gimeno-Traver: «Erstes Spiel auf blauem Sand? Ouch. Nächstes Mal bringe ich besser meine Skates mit. Sehr rutschig.» An der Pressekonferenz gingen die Überlegungen des Serben noch in eine andere Richtung: «Das war kein Tennis. Entweder brauche ich Fussballschuhe oder einen Rat, wie man auf diesem Platz spielen soll.» Ihm würden die Worte fehlen, um das zu beschreiben: «Wir müssen ernsthaft darüber reden.»

Linienrichter kippt weg

Von rutschigen Erlebnissen erzählen auch andere. Richard Gasquet beispielsweise unterstützt die «Skates-Theorie» von Djokovic: «Der Platz ist sehr bizarr. Das ist eine Eisbahn, kein Court.» Und Gilles Simon fügt in der «Le Monde» hinzu: «Für mich sind das die schlechtesten Courts der Sandsaison.» Stanislas Wawrinka twitterte nach seinem Auftaktsieg: «Der Court war schlimm.»

Wasser auf die Mühlen der Gegner des blauen Sands ist ein Vorfall am Montag bei der Partie zwischen Marcos Baghdatis und Guillermo Garcia-Lopez. Ein Linienrichter kollabierte. Der Mann ist mittlerweile wieder wohlauf, aber der Spott bleibt: «Da sieht man, das blaue Zeug ist auch noch giftig», kommentierten gemäss «Welt» einige Zuschauer. Witze gabs schon vor Turnierbeginn. «RAFAddicted» etwa twitterte: «Der Sand wurde aus zerbrochenen Viagra-Pillen gemacht.»

Doch es gibt auch die anderen, welche den Hype um den Sand nicht ganz nachvollziehen können. Janko Tipsarevic meinte trocken: «Auch wenn er anders ist, ich mag blauen Sand.» Auch Glamour-Girl Maria Scharapowa nimmt den Wirbel gelassen: «Es hat einen Show-Effekt. Und darum geht es doch bei Turnieren, einmalig und anders zu erscheinen, um sich abzuheben und lukrativ zu sein.»

«Es ist ohnehin jeder Sand jeden Tag anders»

Den Aufruhr ebenfalls nicht verstehen kann Alex Antonitsch, ein ehemaliger Tennisprofi (1 Einzel-, 5 Doppeltitel) und heute TV-Kommentator aus Österreich in seiner Kolumne auf Tennisnet.com: «Die Debatte halte ich jedenfalls für stark überzogen, denn: Muss man sich wirklich erst so sehr daran gewöhnen? Es ist sowieso nicht jeder Platz gleich. Bei einem hast du eine feinere Körnung, beim anderen eine gröbere.» Was die Bedingungen in Madrid jedes Jahr speziell machen, ist die Höhenlage der «Caja Magica», welche den Court grundsätzlich schneller macht als beispielsweise beim French Open. Antonitsch nimmts gelassen: «Es ist ohnehin jeder Sand jeden Tag anders, mal ist er feucht und tief, mal trocken und hart. Die Farbe wirkt sich da nicht wirklich dramatisch aus.»

«Dramatische Folgen» hat die ungewohnte Unterlage höchstens für die Kleidung. Ivo Karlovic, der in der ersten Runde an Nikolai Dawidenko scheiterte verabschiedete sich auf Twitter mit Witz und zeigte damit, wie man mit dem «PR-Gag» wohl am besten umgeht: «Ich verlasse Madrid. Das Spiel auf blauem Sand brachte mir blaue Schuhe und blaue Socken. Aber keine blauen Eier.»

(fox)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Martins am 09.05.2012 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Sand

    Ich denke kaum, dass der erste rote Sandplatz bereits top war. Es braucht "Justierungen", die durchgeführt werden müssen. Man kann nicht erwarten, dass der blaue Sand sofort top ist.

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  • Gabi A. am 09.05.2012 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Blauer Boden

    Blaue Bodenbeläge sind im privaten wie offenbar auch beim Sport nicht für Alle geeignet. Scheinbar löst es bei einigen das Gefühl von Unsicherheiten und unangenehmen Zuständen aus (Wasser/Luft).

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  • Peschä am 09.05.2012 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Tennis-Sandplätze sollen rot sein, dass gehört sich einfach so. Sonst erinnert Sand-Tennis am Ende noch an die EU-Flagge statt an Tennis...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Martins am 09.05.2012 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Sand

    Ich denke kaum, dass der erste rote Sandplatz bereits top war. Es braucht "Justierungen", die durchgeführt werden müssen. Man kann nicht erwarten, dass der blaue Sand sofort top ist.

    • Walter am 10.05.2012 09:04 Report Diesen Beitrag melden

      Das heutige denken!

      Ja heute lässt man ja alles vom Konsumenten testen um es zur Marktreife zu bringen. "Beta-Test" nennt man dies doch. Es gab Zeiten, da brachten die Hersteller die Produkte schon brauchbar auf den Markt!!!! Ist zwar teurer, aber schafft Vertrauen....

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  • Herr Wettermann am 09.05.2012 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch!

    Auch zu diesem Thema muss man sagen: Alle Leute, die nicht Tennis spielen: Mund halten! Wenn die Tennisspieler sich nicht wohl fühlen, dann haben NUR sie darüber zu bestimmen, wie gespielt werden soll. Denn wenn man einen Sport nicht mehr optimal ausführen kann, weil der Belag gefährlich ist, die Optik störend oder die Einflüsse unvorteilhaft sind, dann leidet der Sport und somit alles Drumherum genauso. Punkt. Aber das ganze Theater wird wohl nur gemacht, damit am Ende mehr Geld bleibt... Immer das selbe!!

    • Kevin am 10.05.2012 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      Wie man s nimmt.

      Aber als Eishockey spieler kann man sich das Eis auch nicht auswählen, genau so wenig wie fussballer den rasen oder Formel 1 piloten die Rennstrecke

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  • Peschä am 09.05.2012 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Tennis-Sandplätze sollen rot sein, dass gehört sich einfach so. Sonst erinnert Sand-Tennis am Ende noch an die EU-Flagge statt an Tennis...

  • matt horn am 09.05.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    geld

    fast alle spieler reklamieren, doch keiner gibt für dieses turnier forfait. Wieso? weil wieder einmal das geld regiert.

    • Markus Buser am 09.05.2012 14:33 Report Diesen Beitrag melden

      Klaro

      Es ist ihr Job? Ich kann auch nicht eifach zu Hause bleiben, wenn unser Flur im Geschäft blau gestrichen wird.

    • Adrian Koch am 09.05.2012 14:36 Report Diesen Beitrag melden

      Ehrgeiz

      Wieso soll das Geld der Grund sein? Es hätte auch sportliche Folgen wenn man nicht daran teilnehmen würde. (Weltrangliste)

    • claudio s. am 09.05.2012 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      unsportlich

      forfait ist auch unsportlich und zeigt schwäche. klar spielt da aber auch das geld eine rolle. die sponsoren hätten wohl keine freude. oder traust du dich nicht arbeiten zu gehen, weil dir deine arbeitsunterlage an einem 2wöchigen arbeitseinsatz nicht passt :)?

    • Richard am 09.05.2012 15:14 Report Diesen Beitrag melden

      So ein Blödsinn!

      Man ist Spieler um zu gewinnen und nicht um zu verlieren.

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  • baab am 09.05.2012 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    verletzungsgefahr?

    ich finde die Sicherheit der Spieler sollte bei der Wahl des Platzes immer im Vordergrund stehen. Wenn dieser blaue Sand wirklich so viel schlimmer ist als der Rote sollte man schon darüber diskutieren. Die Veranstalter wollen sicher auch nicht, dass ständig Spieler wegen Verletzungen aus dem Tournier ausscheiden.