Forschungs-Ergebnis

06. April 2011 14:53; Akt: 06.07.2017 14:54 Print

Stöhnen will gelernt sein

Das Gekreische auf den Tennisplätzen ist bewusst. Es verunsichert den Gegner, wie kanadische Forscher herausgefunden haben.

So stöhnt Maria Scharapowa. (Soundcloud/jaeyong_park)

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Wer am Samstag den Frauenfinal von Miami zwischen Victoria Azarenka und Maria Scharapowa verfolgt hatte, brauchte viele Nerven. Noch besser wäre ein Gehörschutz gewesen. Vom ersten Game bis zum dritten Matchball nach einer Stunde und 47 Minuten stöhnten beide Spielerinnen bei fast jedem Schlag. Azarenka setzte sich schliesslich in zwei Sätzen mit 6:1 und 6:4 durch. Die 21-jährige Weissrussin hatte besser gestöhnt als ihre Gegnerin aus Russland.

Die Spielerinnen kreischen aber nicht nur, weil sie körperlich gefordert werden, sondern weil sie ihre Gegnerinnen damit aus dem Konzept bringen. Wie die «Kleine Zeitung» berichtet, haben kanadische Forscher nun herausgefunden, dass sich durch das Stöhnen die Fehlerquote bei der Gegenspielerin erhöht und zu einer verlangsamten Reaktion führt. Fliegt ein Ball nach einem «gestöhnten» Schlag mit 80 km/h heran, empfindet ihn die Spielerin um 60 Zentimeter näher, als er es in Wirklichkeit ist. Gemäss den Forschern sammeln Tennisspielerinnen mit dem Gehör Informationen über Geschwindigkeit und Spin des Balles. Wenn diese Infos von Geräuschen überlagert werden, müssen die Informationen kompensiert werden.

Scharapowa nicht «Rekordhalterin»

Auch wenn sich viele über das Gestöhne von Scharapowa nerven, die Russin stöhnt «nur» mit 100 Dezibel. Das ist zwar schon so laut wie eine Motorsäge oder eine Autohupe, doch es geht noch lauter. Michelle Larcher de Brito aus Portugal hält mit 109 Dezibel den Rekord. Die 18-Jährige kommt aber nicht oft zum Stöhnen. Sie liegt in der Weltrangliste nur auf dem 176. Rang und fliegt meist in der 1. Runde aus einem Turnier.

Gestöhnt wird aber nicht erst seit kurzem. Diesen «Lärm» gibt es schon lange auf den Courts rund um die Welt. Monica Seles kreischte in den 80er- und 90er-Jahren, was die Stimmbänder hergaben. Dann kam die russische Frauen-Armada mit der Vorreiterin Scharapowa auf.

«Ich dachte, es gebärt jemand»

Nicht dass die Männer auf der Tour nie stöhnen, aber beim Zweitrundenspiel der Australian Open 2011 zwischen Venus Williams und Sandra Zahlavova konnte sich Andy Murray einen Seitenhieb gegen das Geschrei nicht verkneifen. «Williams hatte wegen ihrer Leistenverletzung noch Grund zum Stöhnen. Dies entschuldigt Zahlavovas Grunzen aber nicht. Ich dachte, es gebärt jemand», twitterte der Schotte.

Murray wäre gut beraten, auch mehr zu stöhnen. Die Weltnummer 4 hat zuletzt drei Startniederlagen gegen Spieler ausserhalb der Top 100 erlitten. Deshalb trennte er sich Ende März auch von seinem Trainer, dem früheren Sandplatzspezialisten Alex Corretja.

(heg)