Laver-Cup

23. September 2019 08:38; Akt: 23.09.2019 11:17 Print

Unzertrennliche Weltstars, Lärm wie am Rockkonzert

von Kai Müller - Was vom dritten Laver-Cup neben dem erneuten Triumph der Europäer in Erinnerung bleibt.

Rod Laver überreicht dem Team Europa zum dritten Mal den Siegerpokal. (Video: Eurosport)
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Siamesische Zwillinge

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Wenn man sie so zusammen sieht, könnte es glatt vergessen gehen: Die beiden verbindet eine der aufregendsten Rivalitäten der Sportgeschichte. Roger Federer und Rafael Nadal machten diese Woche in Genf eher den Eindruck, als wären sie siamesische Zwillinge. Sie redeten gemeinsam auf den strauchelnden Fabio Fognini ein, begleiteten Stefanos Tsitsipas in die Garderobe zur Taktikbesprechung, sie lachten herzhaft, als der Grieche und Nadal im Doppel kommunikative Schwierigkeiten hatten, weil der Spanier die Handzeichen seines Partners nicht verstand.


Sie fieberten Seite an Seite mit den Kollegen mit, zogen einmal gar ihre Trainerjacke unbeabsichtigt synchron aus. Und sie coachten sich gegenseitig. «Ich geniesse seine Klarheit in den Ratschlägen. Er ist ein grossartiger Problemlöser», sagte Federer. «Und mir gefällt auch, dass wir sehr oft gleicher Meinung sind.» Dass Nadals Entzündung in der Hand am Sonntag das zweite gemeinsame Doppel nach 2017 in Prag verhinderte, beraubte diese wunderbare Geschichte eines weiteren Kapitels.


Nadal coacht Federer. (Video: Twitter/LaverCup)

Stimmung wie am Rockkonzert

Dominic Thiem hatte schon am Freitag gesagt, er habe noch nie so etwas Lautes gehört. Und als Federer und Nick Kyrgios tags darauf ein Spektakel boten, musste auch der Baselbieter zugeben: «Es war verrückt. Ich hatte Gänsehaut während des Spiels.» Das Messgerät zeigte 110 Dezibel an, als der 38-Jährige mit einem Reflex-Volley im Match-Tiebreak Jubelstürme auslöste. Das Genfer Publikum sorgte also für ähnlich viel Lärm wie ein Rockkonzert. Federer sagte, Vergleichbares habe er bisher einzig an einer Exhibition 2012 in Bogotá erlebt. Und Alexander Zverev fand am Sonntag: «In so einer Atmosphäre habe ich noch nie gespielt.»

Die Verwandlung des Enfant terrible

Natürlich gab es auch in Genf die klassischen Nick-Kyrgios-Momente. Ob während Spielen seiner Teamkollegen, an Pressekonferenzen oder bei anderen offiziellen Terminen: Der Australier gab manche Showeinlage zum Besten. Auch auf dem Platz blieb er sich selbst. So erklärte der 24-Jährige eine kurze Konzentrationslücke gegen Federer damit, dass er im Publikum gerade eine «heisse Frau» erblickt habe.


Kyrgios will heiraten. (Video: Eurosport)

Bemerkenswerter war allerdings, mit welcher Hingabe Kyrgios bei der Sache war – als Spieler, als Hilfscoach oder als Motivator auf der Bank. «Der Laver-Cup ist meine Lieblingswoche im Jahr», sagte er, der sich in einer Mannschaft eben am besten aufgehoben fühlt. Umso enttäuschter war er, dass seine Schulter am Sonntag keinen Einsatz mehr zuliess.

Ständige Diskussionen

Die Debatte begleitet den Laver-Cup seit seiner Geburt 2017. Und sie flammt jedes Mal neu auf, wenn die nächste Austragung bevorsteht. So auch in Genf. Die Kritiker sagen: alles nur eine grosse Show ohne sportlichen Wert, mit Federer als Fixstern, um den sich alles dreht.

Aber was spricht dagegen, Zuschauern beste Unterhaltung zu bieten? Und braucht es wirklich ATP-Punkte, damit diese Tennisveranstaltung sportlich glaubwürdig ist? Reicht es nicht, wenn die besten Spieler des Planeten mit Herzblut bei der Sache sind und sich auf dem Platz für ihr Team zerreissen? Federer sagte zu diesem Thema: «Ich machte mir keine Sorgen wegen der Qualität. Wenn Topspieler vor fast 20'000 Leuten antreten, machen sie nicht den Clown.»

Die Stunde der Gebeutelten

Jack Sock hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Er war einmal die Nummer 8 der Welt, Ende 2017 war das, inzwischen ist er auf Platz 210 abgerutscht. Eine Daumenoperation im Februar warf den US-Amerikaner erneut zurück, er kam mit einer Jahresbilanz von 0:4 nach Genf.

Und dann? Ja dann schlug er die Weltnummer 11 Fognini in zwei Sätzen, gewann mit Kyrgios das Doppel gegen Nadal/Tsitsipas und an der Seite von John Isner gegen Federer/Tsitsipas. «Mein Ranking zeigt das nicht unbedingt, aber ich glaube immer noch, dass ich ziemlich jeden Spieler schlagen kann», sagte Sock.


Auch Alexander Zverev hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Da war die Trennung von seiner Freundin (die beiden sind inzwischen wieder liiert), der juristische Streit mit seinem ehemaligen Manager, die wenig fruchtbare Zusammenarbeit mit Coach Ivan Lendl, die Ende Juli offiziell zu Ende ging. Es kam einiges zusammen beim 22-jährigen Hamburger, er hatte den Kopf nicht frei, das Selbstvertrauen litt, seine Leistungen blieben zu oft dürftig.

Am Laver-Cup punktete Zverev am ersten Tag im Doppel mit Federer, am Samstag verlor er zwar sein Einzel gegen Isner, doch am Sonntag wurde er mit dem entscheidenden Sieg gegen Milos Raonic zur grossen Figur. Wie ihn die Teamkollegen vor dem Match-Tiebreak motivierten, rührte ihn. «Die Jungs haben gesagt, dies könne zu einem Wendepunkt in meiner Saison werden und mir mein Selbstvertrauen zurückbringen. Ohne sie hätte ich das nicht geschafft», sagte Zverev.


Zverev gewinnt die letzte Partie gegen Raonic. (Video: Eurosport)

Tennis

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rosalinda am 23.09.2019 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tennis

    Eurosport hat mir den Sonntag gerettet. Waren Super Spiele. Das Schweizerfernseh hat wieder einmal geschlafen. Es war einfach Super

    einklappen einklappen
  • Ruth am 23.09.2019 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fernsehen

    Es wurde in Genf gespielt und das Schweizer Fernsehen überträgt es nicht ....

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  • Nicker am 23.09.2019 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nadal und Federer

    Eigentlich beide Mannschaftssportler..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Iris am 02.10.2019 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Anlass

    War ein super Anlass. Sensationell, Stimmung, der Zusammenhalt der Spieler resp auch Gegner bei ATP. Freu mich auf nächstes Jahr. Hoffentlich nochmals mit Federer und Nadal.

  • daien am 28.09.2019 00:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die wahrheit

    ich war da u d habe gehört wie der roger zugegeben hat, dass seine zwillinge genmanipuliert sind.

  • Fridayho Mealone am 25.09.2019 01:06 Report Diesen Beitrag melden

    Tennis im Wandel

    Wahnsinn, ich gucke seit nunmehr 30 Jahren Tennis und wie sich das Spiel verändert hat. Früher waren solche Winkel und Flugkurven der Bälle gar nicht möglich. Das Material hat sich unheimlich entwickelt. Was wird man in 30 Jahren erst sehen?!

  • Fanfan am 24.09.2019 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Happy

    Seht mal wie glücklich und entspannt Federer aussieht. Fast so als ob er nicht wüsste, dass er Roger Federer ist.

  • S. Dannist Jetztfrieden am 24.09.2019 04:01 Report Diesen Beitrag melden

    Real Madrid

    Der Präsident von Real Madrid will ein Match zwischen Nadal und Federer im Stadion von seinem Verein. 80000 Kehlen würden die Spieler anfeuern. Könnt ihr euch das vorstellen?!