Federer zur Klimadebatte

18. Januar 2020 10:37; Akt: 18.01.2020 10:59 Print

«Ich wollte zeigen, dass es mich berührt»

Der Tennisstar sagt vor dem Australian Open, warum er auf die Kritik der Klimaaktivisten um Greta Thunberg reagiert hat.

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Der erste Tennis-Höhepunkt des Jahres steht unmittelbar bevor – doch Auslosungen, sportliche Erwartungen und Erstrundengegner sind zwei Tage vor dem Start des Australian Open nur Nebensache.

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So ist das in diesen Tagen in Melbourne, wo die wegen der Buschfeuer in der Region zuletzt miserable Luftqualität das dominierende Thema war. Im Falle von Roger Federer kam noch eine Angelegenheit dazu: Die Kritik der Klimaaktivisten um deren Galionsfigur Greta Thunberg, die von ihm forderten, sich von seinem Sponsor Credit Suisse abzuwenden. Der 38-Jährige überraschte darauf mit einer Stellungnahme, in der er die Klimajugend lobte und ankündigte, «den Dialog mit seinen Sponsoren zu suchen».

Federers Dilemma als Tennisspieler

Am Samstag ging es an der Medienkonferenz in erster Linie denn auch darum, was Federer zu seinem schriftlichen Statement veranlasst hatte. «Für mich war wichtig zu zeigen, dass ich auch von solchen Sachen höre und nicht total abgeschottet lebe, dass es mich berührt und ich es als wichtig empfinde», sagte der sechsfache Melbourne-Champion gemäss dem «Tages-Anzeiger». Und weiter: «Ich wollte etwas dazu sagen, während das Thema polarisiert. Weil ich glaube, dass es wichtig ist und dass viele Leute meiner Meinung sind, dass wir mehr machen können in Zukunft. Alle zusammen. Alle müssen am gleichen Strick ziehen.»

Federer erwähnte das Dilemma, in dem er als Berufssportler, der um die Welt jettet, steckt. «Als Tennisspieler bist du in einer Position, in der du nicht das ideale Sprachrohr sein kannst für diese Bewegung.» Zudem versicherte er noch einmal, dass er den Dialog mit wichtigen Leuten suchen werde, «denn ich weiss, dass mein Wort Gehör findet».

Probleme der Tennisspieler sind zweitrangig

Natürlich drehte sich das Gespräch mit den Journalisten auch um die Buschbrände, die die Luftqualität in den vergangenen Tagen stark beeinträchtigt und in der Qualifikation gar eine Spielerin zur Aufgabe gezwungen hatte, was den Organisatoren heftigte Kritik einbrachte. Da er jeweils bei geschlossenem Dach trainiert habe, könne er kein echtes Urteil abgeben, sagte Federer, der sich über die Lage vor Ort aber detailliert aufklären liess. «Ich habe das Gefühl, dass ich genügend Informationen habe und kein zu grosses Risiko eingehen würde, wenn ich spiele.» Viel wichtiger sei ohnehin, was mit den Tieren, dem Wald, der Vegetation, den Menschen, die von den Buschbränden betroffen seien, und den Feuerwehrleuten passiere.

Schliesslich äusserte sich der Baselbieter auch noch zu den sportlichen Aussichten. Er sagte vor dem Auftaktspiel gegen den US-Amerikaner Steve Johnson (ATP 81), dass seine Erwartungen «ziemlich tief» seien, da sein letzter Ernstkampf zwei Monate zurückliegt. «Ich habe mich aber gut vorbereitet und fühle mich körperlich gut. Das ist schon einmal Gold wert.»


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(kai)