Interview mit Simon Schoch

18. Dezember 2008 23:22; Akt: 18.12.2008 20:28 Print

«Dominanz ist Wunschdenken»

von Peter Berger - Der Weltcup der Snowboarder macht Halt in Arosa. Im Riesenslalom zählt Simon Schoch (30) zu den Sieganwärtern.

Fehler gesehen?

Simon Schoch, sind Sie fit?
Simon Schoch: Ja, die Wehwehchen sind vorbei. Ich habe gut trainiert. Jetzt müssen nur noch die Piste und das Wetter stimmen.

Beim Saisonauftakt in Holland wurden Sie Sechster, dann in Italien Zehnter.
Die Resultate sind nicht zufriedenstellend. Aber vor Landgraaf hatte ich die Hand gebrochen und in Limone Piemonte waren die Bedingungen sehr schlecht.

Dafür fuhren dort die jungen Schweizer Nevin Galmarini (6.) und Kaspar Flütsch (7.) stark. Gibts eine Wachablösung?
Wir älteren Fahrer sind froh, dass Junge nachstossen und Druck machen. Das motiviert alle. Im Training sind die Routiniers aber meist noch schneller. Das Potenzial der Jungen, um vorne mitzufahren, ist aber vorhanden.

Die Schweiz hat ihre dominierende Rolle im alpinen Snowboard eingebüsst. Sehnen Sie sich nach den Zeiten, als Swiss Ski alle Podestplätze belegte, zurück?
Einerseits ja, andererseits ist die jetzige Situation auch positiv. Als wir alles gewonnen hatten, wurden Siege zur Selbstverständlichkeit. Diese Erwartungshaltung empfand ich als mühsam. Sicher wäre es schön, wenn wir wieder öfters gewinnen würden. Aber die Dominanz von damals ist Wunschdenken.

In Arosa feierten Sie 2007 den WM-Titel im Slalom.

Ja, und im Riesenslalom schied ich mit einem Bindungsbruch aus. Aber trotzdem freue ich mich extrem auf das Rennen in Arosa.

Welches sind Ihre weiteren Saisonziele.
Die WM in Südkorea. Dort zählt dann nur das Podest.

Fahren Sie bis Vancouver?
Bestimmt. Die Olympischen Spiele 2010 sind das ganz grosse Fernziel.

Auch für Bruder Philipp?
Er muss derzeit wegen der Diskushernie aussetzen und kann wohl erst Ende Saison wieder Rennen fahren. Aber Vancouver ist auch für ihn das grosse Ziel.

Favoritinnen Francon und Frei
Als einzige Schweizer Station figuriert Arosa im Weltcup-Kalender der Snowboarder. Der Bündner Kurort war 2007 für die Schweizer ein gutes Pflaster: Sieben Medaillen resultierten an der WM, dank den Schoch-Brüdern zwei goldene. Auch Sandra Frei gewann (silbernes) Edelmetall. Die Flimserin gehört im Boardercross auch morgen wieder zu den Favoritinnen, genauso wie die Neuenburgerin Mellie Francon. Dank des vielen Schnees konnten diesmal – im Gegensatz zur WM – die Sprünge und Steilwandkurven der Snowboardcross-Strecke höher gebaut werden, was noch mehr Action verspricht.

Am Sonntag stehen die Alpinfahrer im Mittelpunkt. Die Schweizer streben im Parallelslalom den ersten Podestplatz des Winters an.