Nikolai Walujew

12. Dezember 2008 00:30; Akt: 12.12.2008 00:34 Print

«Ich bin ein bodenständiger Mensch»

von Andy Huber - Box-Weltmeister Nikolai Walujew stellte sich im Exklusiv-Interview den ganz persönlichen Fragen von 20 Minuten.

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Was für ein Riesenkerl. Nachdem Nikolai Walujew bereits in Basel gekämpft hatte, kommt das russische Biest jetzt nach Zürich. Walujew mit seinem Trainer Alexander Zimin. Die meisten seiner Gegner überragt der 2,13-Meter-Mann um Längen. Und meist liegen sie dann auch im Ring unter Walujew. Tatsächlich verlor der Riese aus Russland aber bereits einen Kampf: Gegen Ruslan Chagajew fand der Hüne kein Mittel. Und kassierte fleissig Prügel. Weil Chagajew aber seinen Titel zwei Mal verletzungsbedingt nicht verteidigen konnte, ist Walujew weiter Weltmeister der WBA. Auch das ist Walujew. Zärtlich küsst er seinen Sohn. Und das wird Walujews Gegner: Der kleine Mann auf der rechten Seite: Evander Holyfield. Der ehemalige Weltmeister ist schon etwas in die Jahre gekommen. Seine besten Zeiten hat er definitiv hinter sich. Ein Ohr hat ihn weltberühmt gemacht: Im Weltmeisterschaftskampf gegen Mike Tyson biss dieser Holyfield einen Teil des rechten Ohrs ab. Ein Bild aus jüngeren Jahren. Holyfield beim Training. Heute plagen den ehemaligen Weltmeister finanzielle Sorgen. Seine 10-Millionen-Dollar-Villa konnte er nicht mehr halten. Ausserdem steht Holyfield im Verdacht, sich mit Steroiden und HGH fitgetrimmt zu haben - beides steht auf der Dopingliste. Das eigentliche Ende von Holyfields Karriere: «The Real Deal» verliert 1999 den Rückkampf gegen den Engländer Lennox Lewis klar nach Punkten. Und so naschte Tyson Holyfields Ohr. Ein Bild einer zerstörten Karriere: 2003 prügelt James Toney Evander Holyfield nieder. Gegen Walujew will Holyfield nochmals Weltmeister werden.

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Nikolai Walujew, Sie sind mit ihren 2,13 m und 147 kg eine imposante Erscheinung. Haben Sie überhaupt von jemandem oder irgendetwas Angst?
Nikolai Walujew: Natürlich macht man sich Gedanken im Leben – vor allem, wenn man Kinder hat. Ängste hat jeder Mensch, aber ich lasse sie nicht an mich heran.

Ihre boxerischen Qualitäten werden oft auf Ihre Statur reduziert. Sie wurden schon als Preisboxer bezeichnet. Stört Sie das?
Nein, nicht mehr. Am Anfang meiner Karriere musste ich damit leben. Da zog ich kreuz und quer durch die Welt und hatte kein professionelles Management. Aber seit ich von Wilfried Sauerland betreut werde, hat sich das komplett geändert. Ihm verdanke ich sehr viel.

Ihr Gegner am 20. Dezember im Hallenstadion heisst Evander Holyfield und ist 46 Jahre alt. Nervt es Sie nicht, dass Kollege Wladimir Klitschko Sie dafür kritisiert hat, gegen den «alten Mann» zu kämpfen»?
Hat er das? Nun ja. Holyfield ist nicht mehr der Jüngste, aber das heisst auch, dass er ein erfahrener Boxer ist. Holyfield ist eine Legende! Er ist kein leichter Gegner.

Man wollte Sie einst als «The Beast from the East» aufbauen. Sie weigerten sich gegen dieses Image. Was ist aber an der Story dran, wonach Sie als passionierter Jäger einmal ein Wildschwein mit einem Messer erledigt haben, um Ihren Hund zu retten?
«The Beast from the East» hat jemand in Amerika erfunden. Das klingt martialisch und wird mir überhaupt nicht gerecht. Mein Management fand «The Russian Giant» gut. Das kommt der Realität auch näher. Und dass ich ein Wildschwein mit dem Messer erledigt habe, stimmt tatsächlich. Das musste ich aber tun, mein Hund war in grösster Gefahr.

Sie sind Vater von zwei Kindern. Würden Sie ihnen das Boxen verbieten?
Meine Tochter Irina wird im März zwei Jahre alt, da stellt sich die Frage nicht. Mein Sohn Grisha ist sechs, interessiert sich jedoch mehr für Fussball und Ringen.

Sie haben Schuhgrösse 52. Leben Sie auch privat auf grossem Fuss?
Überhaupt nicht. Ich bin ein bodenständiger Mensch, mag keine Partys und habe auch keine Yacht oder Villa. In St. Petersburg bin ich am liebsten mit meiner Familie zusammen und gehe mit Freunden fischen oder zur Jagd. Die Ruhe in den russischen Wäldern ist das absolut Schönste für mich.

Sie haben das Abitur und studierten. Was machen Sie nach Ihrer Karriere?
Weiss ich noch nicht. Ich will noch lange boxen. Aber ich werde sicher nicht Trainer. Das ist nichts für mich.

Übersetzung: Anna Kalantyrenko