Vendée Globe

24. Dezember 2008 10:12; Akt: 24.12.2008 11:09 Print

«Ich merkte sofort, dass er heftige Schmerzen hatte»

von Didier Bender - Jean-Yves Chauve arbeitet als Arzt für die Vendée Globe. 20 Minuten Online sprach mit ihm über die schwierigen Stunden nach dem Oberschenkel-Knochenbruch des Franzosen Yann Eliès.

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20 Minuten Online: Jean-Yves Chauve, wie haben Sie den Unfall von Yann Eliès erlebt?
Jean-Yves Chauve: Man hat mir gesagt: 'Yann hat gerade angerufen, er hat möglicherweise ein Bein gebrochen.' Ich habe Yann umgehend angerufen. An seiner Stimme merkte ich sofort, dass die Schmerzen heftig sein mussten und dass es für ihn sehr schwer war, allein zu sein. Das war für mich extrem frustrierend. Ich habe versucht, ihn zu beruhigen: 'Wir werden dich holen, bleib ruhig, keine Sorgen.' Es war ein sehr emotioneller Moment für mich.

Wie haben Sie reagiert?
Als Yann die Symptome beschrieben hat, war mir klar: Es ist ein Oberschenkel-Knochenbruch. Eine solche Verletzung muss man sofort behandeln. In unserem Fall wussten wir aber, dass es länger dauern würde bis zur Operation. Die bange Frage war: Wie kann man 48 Stunden überbrücken? Ich war sehr beunruhigt.

Mittlerweile ist Yann Eliès in Australien angekommen. Sind Sie erleichtert?
Ich bin extrem erleichtert. Aufatmen kann ich aber erst, wenn es ihm wirklich besser geht.

Wie ist es, für die Vendée Globe als Arzt zu arbeiten?
Für mich ist die Vendée Globe ein medizinisches Labor. Meine Patienten sind völlig isoliert. Bei einer Intervention sind sie meine Augen und meine Hände. Durch ihre Informationen erschaffe ich mir gewissermassen einen virtuellen Patienten - der sich dann erst noch selbst pflegen muss. Dank moderner Technologien ist dies nicht mehr ganz so kompliziert wie früher.

Inwiefern?
Dank Videos kann man einen Patienten optimal führen. Bei Yann war es allerdings ganz anders, die Befragung war hier das wichtigste. Die Technologie ist wichtig, man darf aber nicht von ihr abhängig werden.

Was kann man Ihnen für den Rest des Rennens wünschen?
Ich hoffe natürlich, dass alles gut geht, dass das Problem von Yann das einzige ist und dass der sportliche Aspekt wieder die Hauptrolle spielt.