Ermittlungen aufgenommen

24. Juni 2019 11:30; Akt: 24.06.2019 13:46 Print

30. Pferd stirbt auf der Todesstrecke

Über der US-Pferderennbahn Santa Anita liegt seit Weihnachten ein Fluch. Nun ziehen die Eigentümer erste Konsequenzen – und ihnen könnten solche drohen.

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Über der Pferderennbahn Santa Anita in der kalifornischen Stadt Arcadia liegt seit Weihnachten 2018 ein Fluch. Innert eines halben Jahres sind etliche Tiere vor und nach Rennen auf der Bahn verstorben. Dieses Pferd erhält eine Dusche, nachdem es den Wettkampf auf einer der berühmtesten Rennbahn in Nordamerika überlebt hat. 30 andere sind hier in den vergangenen sechs Monaten verstorben. Nun untersucht die Bezirksstaatsanwaltschaft Los Angeles die Todesfälle. Die Zukunft der Anlage ist ungewiss, nachdem am 22. Juni wieder ein Rennpferd nach einem Trainingslauf mit gebrochenem Bein eingeschläfert werden musste. Tierschützer fordern die Schliessung des Santa Anita Parks. Die Gegner der Pferderennbahn demonstrieren am Strassenrand. Während sich langjährige Mitarbeiter für einen Erhalt der Pferderennbahn stark und auf den Verlust von Arbeitsplätzen aufmerksam machen. Im März war die Rennbahn nach einem Todesfall eines Pferdes drei Wochen geschlossen, und dann am 30. März wieder geöffnet worden. Kurz danach ist das 23. Pferde auf der Strecke tödlich verunglückt. Dabei handelt es sich um den Wallach Arms Runner (weisses Pferd). Die Betreiber hatten während der dreiwöchigen Pause nach der Ursache der zahlreichen Todesfälle gesucht. Der Boden wurde von Experten analysiert. Rick Arthur, medizinischer Direktor für Pferde beim California Horse Racing Board, sieht klimatische Veränderungen als möglichen Grund für die Todesserie. Die Stronach-Gruppe, welche die Rennstrecke betreibt, nannte bisher keinen Grund für die vielen Todesfälle. Trotzdem wurden Massnahmen beschlossen. Es wird erwogen, dass Pferde an Renntagen keine Medikamente erhalten dürfen.

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«The Great Race Place, right in your backyard.» Dieser Leitsatz (zu deutsch «Der grosse Rennplatz, direkt in deinem Hinterhof») steht als Überschrift auf dem offiziellen Twitter-Account des Santa Anita Parks. Wer derzeit die Pferderennanlage in Südkalifornien besucht, wird allerdings mit Protestsprüchen wie «Welcome to the death track» («Willkommen auf der Todesstrecke») oder «you bet, they die» («du wettest, sie sterben») von Demonstranten begrüsst. Denn am Wochenende setzte sich die Todesserie fort, die schon in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen sorgte.

Seit Weihnachten sind auf der Rennbahn nun schon 30 Pferde verstorben. American Currency ist das jüngste Opfer. Der von Jerry Hollendorfer betreute Wallach musste am Samstag nach einem im Training erlittenen Beinbruch eingeschläfert werden. Der Hall-of-Fame-Trainer hat nun schon das vierte Pferd in der am 26. Dezember 2018 gestarteten Saison verloren.

Die Stronach-Gruppe, der neben dem Santa Anita Park sechs weitere Strecken in den USA gehören, hat Trainer Hollendorfer nun von Rennen auf der wohl berühmtesten Bahn in Nordamerika ausgeschlossen. Er sei «nicht länger willkommen», begründeten die Besitzer in einer Mitteilung. Für die Todesfälle werden korrupte Trainer und Pferdebesitzer verantwortlich gemacht. «Sie gefährden den Pferdesport national», zitiert die «New York Times» die Gruppe.

Weitere Opfer trotz Massnahmen

Die Todesfälle werden gemäss US-Medien nun von der Bezirksstaatsanwaltschaft von Los Angeles, in deren Bezirk sich die Rennstrecke (in der Stadt Arcadia) befindet, untersucht. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom sowie die demokratische Senatorin Dianne Feinstein haben nach dem jüngsten Zwischenfall mit Todesfolge die Verantwortlichen öffentlich kritisiert.

Die Stronach-Gruppe soll schon im März die Sicherheitsvorschriften massiv erhöht haben, damit die Pferde auf der Rennbahn besser geschützt sind. Sie stelle «die Sicherheit von Pferden und Reitern über alles». Nirgends in ganz Amerika seien die Regeln strikter, berichten Medien. Gebracht hat es offenbar nichts, was die Besitzer schwer bedauern.

Die Zukunft des Santa Anita Parks ist ungewiss. Tierschützern fordern die sofortige Schliessung der Rennbahn, auf der Anfang November der traditionsreiche Breedes' Cup ausgetragen werden soll. Langjährige Mitarbeiter hingegen stehen für einen Erhalt der Anlage ein. Sie verweisen auf die vielen Arbeitsplätze, die verloren gehen würden, und gehen für ihre Anliegen ebenfalls auf die Strasse.

Klimawandel mögliche Ursache?

Über die Gründe für die Unfälle mit Todesfolgen für 30 Tiere kann bislang nur spekuliert werden. Für Rick Arthur, medizinischer Direktor für Pferde beim California Horse Racing Board, sind klimatische Veränderungen eine mögliche Ursache. «Normalerweise haben wir hier knochentrockene Wetterbedingungen, in diesem Jahr war aber das Gegenteil der Fall.» Durch die höhere Luftfeutchtigkeit habe der Boden der Rennbahn eine andere Beschaffenheit bekommen. Dieser Theorie sollen nun neben den Behörden auch Spezialisten auf den Grund gehen.

Ein User auf Twitter ist jedenfalls überzeugt: «Das eigentliche Problem im Santa Anita sind die Streckenbeläge.» Hollendorfer zu suspendieren, sei zwar richtig gewesen, aber: «30 Pferde starben und es waren längst nicht alle von Hollendorfer ausgebildet.» Ob neben dem Hall-of-Fame-Trainer auch die Eigentümer der Rennbahn aus den Todesfällen weitere Konsequenzen ziehen müssen, wird sich weisen. Sie scheinen jedenfalls überzeugt zu sein, dass nach der am Sonntag zu Ende gegangenen Saison im September die nächsten Pferderennen auf der Todesstrecke ausgetragen werden, wie der jüngste Twitter-Post zeigt.

Tierschützer fordern mit eindeutigen Parolen die Schliessung der Pferderennbahn:

Während sich Mitarbeiter für einen Erhalt stark machen:

Resultate und Tabellen

(ddu)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ralf Berger am 24.06.2019 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Rennpferde.

    Es liegt kein Fluch über dieser Rennstrecke, es ist FAKT das auf den meisten Rennstrecken dieser Welt Rennpferde zerschlissen werden. Ich habe in Metier gearbeitet. Die Pferde sind mehr oder weniger alle untot und würden wahrscheinlich zusammenbrechen wenn sie keine Medis mehr bekommen würden. Aber nur mal fürs Gewissen... Dressurpferde sind noch schlimmer dran.

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  • Von Aesch am 24.06.2019 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehört verboten

    Bereits 4 Pferde seit Dezember 2018 verloren?! Das ist mehr als alamierend. Sollte endlich verboten werden. Pferderennen dienen nur dem Menschen was (Wettgeld). Ich möchte ja nicht wissen, wieviele Pferdegelenke bereits vor den Rennen zerstört sind, da Medikamente verabreicht werden...

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  • Philipp am 24.06.2019 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht...

    Ein Pferd wird wegen einem gebrochenen Bein Eingeschläfert? Dann ist es doch nicht auf der Rennbahn verstorben. Viel eher auf Grund von negativen finanziellen Aussichten getötet worden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Laura am 27.06.2019 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück für die Reiter das Pferde nicht sprechen

    Ich war Spitzensportlerin und mein Köper ist sicher nicht so gesund wie von einer anderen 42 jährigem. Ich habe den Weg aber selber gewählt. Bei den Pferden oder Tieren da fragt niemand. Jetzt betreibe ich einen Ort wo ausrangierte Pferd zu mir kommen. Ich möchte denen ein Leben nach dem Sport schenken, eines das sie bestimmen können.

  • SZ am 25.06.2019 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die armen Pferde

    Ich sehe den Pferdesport sowie als Tierquälerei an Umsomehr dort wo es um Geld geht

  • Frau Holle am 24.06.2019 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiwillig?

    Wenn man ein Rennpferd auf die Bahn stellt und los lässt, wird es nicht aus Spass Runden rennen. Ebenso geht ein Springpferd nicht alleine über die Hindernisse wenn es auf dem Springplatz weidet.

    • Leonore am 24.06.2019 19:24 Report Diesen Beitrag melden

      Doch, das gibt es

      Der ist übermütig frei rumgetobt und es war einfacher über den plötzlich im Weg stehenden Sprung zu gehen als drum herum.

    • Leon der Profi am 25.06.2019 02:53 Report Diesen Beitrag melden

      @leonore

      Es tobt rum vor Lebensfreude, rennt aber keine Runden und springt schon gar nicht über Hindernisse. Ein Pferd umgeht ein Hindernis immer und überspringt es nicht. Auch darum sind diese Praktiken zum reinen Vergnügen einiger dekadenten Gesellschaften Tierquälerei.

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  • Anja Moser am 24.06.2019 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etwas Respekt bitte!

    Man kann mit diesen Tollen Tieren so viel schönes machen, wieso sie rennen lassen bis sie Tod umfallen? Das selbe beim Springreiten...irgendwann ist es hoch genug!!! Das sind Lebewesen, deren Leben genau den selben wert hat wie das unsere!!!

  • Mara am 24.06.2019 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Pferdehaltung oft fragwürdig

    Insbesondere in der Freizeithaltung. Da wird überall nur gespart. Beim Stroh, Spänen, Futter, katastrophales Heu usw. streut man auf eigene Kosten zusätzlich ein und füttert selbst, wird es aus der Boxe und der Futterkrippe geklaut. Den Futtersack muss man eh im Auto lassen, sonst ist er weg. Pferdehaltung sollte nur ab einem gewissen Einkommen erlaubt sein, damit ordentlich für sie gesorgt wird.

    • 50+ am 24.06.2019 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mara

      sorry, aber hast du echt das Gefühl, dass nur gut betuchte Menschen sich gut und liebevoll um ein Pferd kümmern können? Ja, es gibt schlechte Ställe, aber es gibt auch gute und das hat nicht immer mit Geld zu tun

    • Waldelfe am 24.06.2019 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @50+

      Aber echt. Als ob bei gut betuchten alles rund läuft, da bekomme ich gleich nen hysterischen lachanfall

    • 50+ am 24.06.2019 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Waldelfe

      eben, deshalb fragte ich ja nach ;)

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