22. Oktober 2006 15:01; Akt: 22.10.2006 22:00 Print

Alonso ist Weltmeister - Schumi sagt Tschüss

Fernando Alonso hat wie erwartet seinen Formel-1-Titel verteidigt. Der Spanier wurde beim GP von Brasilien hinter Lokalmatador Felipe Massa Zweiter und verteidigte seine WM-Führung damit souverän. Michael Schumacher wurde bei seinem letzten Rennen nach einem Reifenschaden und einer letzten grossen Aufholjagd Vierter.

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Das ohnehin ungleiche Titelduell in der Formel 1 fand zum Saisonabschluss nicht mehr statt. Michael Schumacher fiel im Grand Prix von Brasilien früh aus der Entscheidung, so dass Fernando Alonso fast kampflos wieder Weltmeister wurde.

Trotz Michael Schumachers neuerlichem Pech hatte Ferrari noch einmal Grund zum Feiern. Der aus der Pole-Position ins Rennen gegangene Felipe Massa kam ungefährdet zu seinem zweiten Sieg in der Formel 1 nach jenem in der Türkei und sorgte so für einen versöhnlichen Saisonabschluss für die Scuderia. «Kanarienvogel» Massa - er war in einem in den brasilianischen Landesfarben grün, gelb und blau gehaltenen Overall angetreten - ist der erste einheimische Sieger in São Paulo seit 1993, als Ayrton Senna triumphiert hatte. «Es war für mich das vielleicht einfachste Rennen des Jahres, denn dank dem Super-Auto musste ich nicht alles riskieren. Dass mir dies vor meinen Landsleuten gelungen ist, macht das Ganze zum bisher schönsten Tag in meiner Rennfahrerkarriere», sagte der sichtlich gerührte Massa.

Diesmal wars ein Reifenschaden

Zwei Wochen nach dem Motorschaden in Suzuka und einen Tag nach dem Problem mit der Benzinpumpe im dritten Teil des Qualifyings schlug die Defekthexe bei Michael Schumacher in seinem allerletzten Formel-1-Rennen noch einmal zu. In der neunten Runde zerschlugen sich so die allerletzten Hoffnungen endgültig, das Unmögliche doch noch zu schaffen und als achtmaliger Champion abtreten zu können. Der Rheinländer touchierte beim Überholen von Giancarlo Fisichella mit dem linken Hinterrad den Frontflügel des Renault und fing sich dabei einen Plattfuss ein. Durch den nötig gewordenen Boxenstopp fiel er an den Schluss des Fahrerfeldes zurück. Bis zu diesem verhängnisvollen Zwischenfall hatte sich Schumacher von Startplatz 10 bereits an die 6. Stelle vorgekämpft, nachdem er kurz nach dem Start Rubens Barrichello, Ralf Schumacher und die BMW-Sauber-Fahrer Nick Heidfeld und Robert Kubica überholt hatte.

Michael Schumacher verabschiedete sich aller Widerwärtigkeiten zum Trotz in grossem Stil aus der Formel 1. Mit einem grandiosen Manöver gegen seinen Nachfolger bei Ferrari, Kimi Räikkönen, sicherte er sich noch Platz 4 und liess sich zudem die schnellste Rennrunde notieren. «Schade, dass ich so früh zurückgeworfen wurde, denn das Auto war wunderbar. Vom Speed her hätte ich heute wohl alle überrunden können», blickte Schumacher auf seinen letzten Einsatz als Formel-1-Fahrer zurück.

Alonso, dem schon der 8. Rang in jedem Fall zum neuerlichen Titelgewinn gereicht hätte, konnte nach dem Reifenplatzer am Ferrari mit Michael Schumacher das Risiko noch weiter dosieren. Dennoch wurde der Spanier vor Jenson Button als Zweitplatzierter abgewinkt und bescherte er zusammen mit Giancarlo Fisichella, der Sechster wurde, auch Renault die erfolgreiche Titelverteidigung in der Wertung der Konstrukteure. «Es ist fantastisch, wieder beide Titel gewonnen zu haben», rapportierte Alonso. «Es war ein langes Rennen für uns. Ich selber brauchte nur einen Punkt, doch wir hatten natürlich auch den Teamtitel im Auge gehabt. Es ist alles nach Plan gelaufen. Meine beiden Titel sind natürlich mehr wert, weil ich sie gegen Michael Schumacher errungen habe.»

Platz 5 für BMW-Sauber

Früh war auch der Zweikampf zwischen BMW-Sauber und Toyota um Platz 5 in der Team-Wertung entschieden. Nur eine Runde nach Michael Schumachers unvorhergesehenem Zwischenhalt steuerten hintereinander auch dessen Bruder Ralf Schumacher und Jarno Trulli mit defekten Hinterradaufhängungen die Garage an. Damit war der Weg frei für den schweizerisch-bayerischen Rennstall, der mit einem Punkt Vorsprung nach Brasilien gereist war, und die als Saisonziel deklarierte Klassierung Tatsache.

Dass Robert Kubica als Neunter leer ausging und Nick Heidfeld ausschied, fiel derart nicht mehr ins Gewicht. Heidfeld musste die Segel sechs Runden vor dem Ende nach einem Dreher streichen. Dem Gladbacher wars schon zuvor nicht nach Wunsch gelaufen. Nach halbem Pensum und einem Rencontre mit Vitantonio Liuzzi im Toro Rosso hatte er sich eine neue Frontpartie abholen müssen und war schon vorzeitig aus den Traktanden gefallen.

Für das Williams-Team war das Saisonfinale schon nach wenigen hundert Metern zu Ende. Nico Rosberg fuhr auf seinen Teamkollegen Mark Webber auf und beschädigte dabei die Frontpartie seines Autos. Der Australier, der in der kommenden Saison an der Seite von David Coulthard für Red Bull fahren wird, rollte mit defektem Heck an die Box zurück. Rosberg seinerseits verabschiedete sich spektakulär. Der Blondschopf setzte den blau-weissen Wagen in einen Reifenstapel und machte so den Einsatz des Safety-Car nötig. Bis das Wrack und die herumliegenden Trümmer weggeräumt waren, war das Rennen während vier Runden neutralisiert.