Transmenschen

08. November 2018 14:42; Akt: 08.11.2018 14:42 Print

Diese Sportler wurden im falschen Körper geboren

von Marcel Allemann - Transfrauen und -männer haben es in der Sportwelt nicht leicht. Acht Biografien von acht Transsportlern aus acht verschiedenen Sportarten.

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Renée Richards (Tennis)
Die Transfrau aus den USA bestritt am US Open sowohl das Männer- als auch das Frauenturnier. Fünfmal zwischen 1953 und 1960 unter dem Namen Richard Raskind als Mann und nach der Geschlechtsoperation, die 1975 erfolgte, von 1977 bis 1981 unter dem Namen Renée Richards als Frau. Wobei sich die heute 84-Jährige dieses Recht vor Gericht erstreiten musste. Die Entscheidung wurde als wegweisend für die Rechte von Transsexuellen angesehen. 1977 erreichte Richards im Frauen-Doppel am US Open den Final und 1979 mit Platz 20 der Frauen-Weltrangliste die höchste Platzierung, die Transsexuelle im Tennis-Ranking je erreicht haben.

Jaiyah Saelua (Fussball)
Biologisch als Mann mit dem Namen Johnny Saelua geboren, lebt die 30-Jährige aus Samoa als Transfrau, spielte aber bei den Männern Fussball und schrieb dabei in doppelter Hinsicht Geschichte. Saelua bestritt nicht nur als erste Transsexuelle Fifa-Länderspiele bei den Männern (WM-Qualifikation 2014), sondern war auch beim 2:1 gegen Tonga, dem ersten Sieg des Nationalteams Samoas überhaupt, im Einsatz.

Fallon Fox (MMA)
Die 42-jährige Amerikanerin lebte zunächst unter dem Namen Boyd Burton ein heterosexuelles Leben als Mann und wurde auch Vater einer Tochter. Doch im Jahr 2006 hielt sie es nicht mehr aus, im falschen Körper zu leben und nahm in Thailand die operative Geschlechtsangleichung vor. Später wurde Fox zur MMA-Kämpferin und trat gegen Frauen an. Den IOC-Regularien entsprechend darf man dies zwei Jahre nach der Geschlechtsangleichung. Von Anfang an begleitete sie jedoch eine riesige Kontroverse. Auch verschiedene Gegnerinnen empfanden es als unfair, dass sich Fox mit Frauen messen durfte. Ihre Bilanz im Ring: 6 Kämpfe, 5 Siege.

Mianne Bagger (Golf)
Bei der Geburt wurde sie dem männlichen Geschlecht zugeordnet und nahm im Alter von 29 Jahren die geschlechtsangleichende OP vor. Seit ihrem achten Lebensjahr war Golf die Passion der in Australien lebenden Dänin. Nach dem Eingriff nahm die heute 51-jährige Bagger 2004 als erste transsexuelle Golferin an einem Frauen-Profiturnier (Australian Open) teil. Danach erkämpfte sie sich das Recht, auch an Profiturnieren in Europa, Afrika und den USA teilzunehmen.

Balian Buschbaum (Leichtathletik)
War als Yvonne Buschbaum eine erfolgreiche Stabhochspringerin: mehrfache deutsche Meisterin, EM-Dritte 1998 und 2002 sowie Olympia-Sechste 2000. 2007 outete sich Buschbaum als Transmann und beendete zugleich seine sportliche Karriere. Es folgte die Hormontherapie und die geschlechtsangleichende Operation. Später machte der heute 38-jährige Buschbaum geltend, dass er wegen der psychischen Belastung, so viele Jahre im falschen Körper gelebt zu haben, derart verletzungsanfällig war. Im Laufe seiner Karriere musste er sich vier Fussoperationen unterziehen.

Fabienne Peter (Eishockey)
Sie ist die erste Transfrau im Schweizer Eishockey und stürmt für die Frauen des EHC Basel in der dritten Leistungsklasse. Der Club stellte für die 32-Jährige den Kontakt zu Swiss Ice Hockey her, Peter brachte dort ihr Anliegen vor und wurde dann schnell und unkompliziert lizenziert. Sie musste dafür nachweisen können, dass ihr Testosteron-Level ein Jahr lang einen vorgeschriebenen Wert nicht überstiegen hatte. Die Einnahme von weiblichen Hormonen haben ihre Performance auf dem Eis verändert: «Mein Schuss ist nicht mehr so stark wie früher.»

Rachel McKinnon (Rad)
Die Kanadierin gewann Mitte Oktober an der Bahnrad-WM in Los Angeles in der Sprint-Kategorie der 35- bis 44-Jährigen. Dass die 36-Jährige eine Transfrau ist, toleriert die drittplatzierte Amerikanerin Jennifer Wagner überhaupt nicht: «Das war definitiv nicht fair.» Die erste Transfrau-Rad-Weltmeisterin wehrt sich: «Ich trainiere bis zu 20 Stunden pro Woche, zweimal am Tag.» Und sie werde gezwungen, einen «ungesund tiefen Testosteronwert» nachzuweisen.

Nong Rose Barnjaroensuk (Thaiboxen)
Die 22-jährige Thailänderin eifert ihrem Vorbild Nong Toom nach, die in den 90er-Jahren als Ladyboy für Furore sorgte und ihre männlichen Gegner in den thailändischen Muay-Thai-Boxringen reihenweise k. o. schlug. Nong Rose, die mit bürgerlichem Namen Somros Polchareon heisst, boxt ebenfalls gegen Männer. Ihre Bilanz: 52 Siege aus 60 Kämpfen. Anfang Jahr wurde sie sogar nach Paris eingeladen und trat gegen den französischen Meister Akram Hamidi an, dem die Asiatin schliesslich unterlag. Die Hormonpillen hat Nong Rose übrigens vorläufig abgesetzt, um im Thaiboxen konkurrenzfähig bleiben zu können.

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