Zu hohe Testosteronwerte

01. Mai 2019 11:44; Akt: 01.05.2019 22:53 Print

Caster Semenya verliert vor dem Sportgericht

Jahrelang gab das Geschlecht der südafrikanischen Olympiasiegerin zu reden. Nun entschied der CAS in Lausanne für den Leichtathletik-Verband.

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Die 800-m-Olympiasiegerin Caster Semenya kassierte am Sportgerichtshof in Lausanne eine Niederlage. Der CAS befand: Die Testosteron-Obergrenze bei Frauen mag diskriminierend sein, sie ist aber legitim.

Um was geht es: Die 800-m-Läuferin Caster Semenya gilt als intersexuell. Sie weist für Frauen ungewöhnlich hohe Testosteron-Werte aus, die bei ihr durch eine Erbkrankheit ausgelöst werden. Durch den erhöhten Testosteron-Wert verfügen Athletinnen wie die 28-jährige Südafrikanerin über einen Wettbewerbsvorteil. Testosteron (das männliche Geschlechtshormon) gilt als einer der wichtigsten Faktoren für körperliche Leistungsfähigkeit.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat im letzten Jahr für Athletinnen, die über Distanzen zwischen 400 m und einer Meile antreten, einen Testosteron-Höchstwert eingeführt. Dieser beträgt 5 Nanomol pro Liter (nmol/l) Blut. Zum Vergleich: Normal sind bei Frauen Werte von 0,12 bis 1,79 nmol/l. 99 Prozent aller Sportlerinnen verfügen über Testosteron-Werte unter 3 nmol/l. Bei den Männern beginnen die Normalwerte bei 10,5 nmol/l. Frauen mit höheren Werten (wie bei Semenya) sollen diesen Wert sechs Monate lang mit Hilfe von Medikamenten auf 5,0 nmol/l senken und dürfen diesen Grenzwert danach nicht mehr überschreiten. Gegen diese Regel richtete sich Semenyas Einsprache beim Sportgerichtshof. Sie führte an, diese sei diskriminierend.

Der Sportgerichtshof erachtete die IAAF-Regel zwar tatsächlich als diskriminierend, aber auch «als notwendiges, vernünftiges und angemessenes Mittel» um das Fairplay gegenüber allen zu wahren. Die Richter wiesen in ihrem Urteil aber ausdrücklich auch darauf hin, dass es im konkreten Einzelfall zu Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Regel kommen kann. Das CAS-Urteil könnte Auswirkungen auf das Startrecht von Frauen mit hohen Testosteronwerten für die WM vom 27. September bis 6. Oktober in Katar haben. Bis zum WM-Start verbleiben weniger als sechs Monate.

Semenya muss nun ihren Testosteron-Wert reduzieren, um wieder starten zu können - oder sie muss den Entscheid des CAS innerhalb der nächsten 30 Tage vor dem Bundesgericht anfechten. Semenyas erste Reaktion nach dem Urteil des CAS: «Manchmal ist die beste Reaktion, gar nicht zu reagieren.»

Streitfrage seit 2009

An Caster Semenya scheiden sich in der Leichtathletik die Geister seit zehn Jahren. 2009 wurde sie in Berlin erstmals Weltmeisterin über 800 m. Schon vor dem Start kursierten Gerüchte, wonach die Südafrikanerin keine richtige Frau sei - wegen ihrer tiefen Stimme und männlich anmutender Gesichtszüge. Es folgte ein Startverbot der IAAF, welches wieder aufgehoben wurde. Die IAAF legte 2010 einen maximalen Testosteron-Wert von 10,0 nmol/l fest. Diese Regel wiederum wurde 2015 vom Sportgerichtshof aufgehoben. Die IAAF musste danach beweisen, dass erhöhte Testosteron-Werten zu erhöhter Leistungsfähigkeit führen. Diesen Beweis erbrachte die IAAF 2017 mittels einer Studie. 2018 führte die IAAF den Testosteron-Grenzwert von 5 nmol/l ein.

Nicht nur die zweimalige Olympiasiegerin und dreimalige Weltmeisterin Semenya («Ich will so rennen, wie ich geboren wurde») wehrt sich gegen die neue IAAF-Regel. Es gab einen Offenen Brief von 60 Spitzensportlerinnen, mit dem verlangt wurde, dass keine Frau ihren Körper verändern müsse, um an Wettkämpfen für Frauen starten zu dürfen. Selbst die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte den Weltverband dazu auf, die Regel wieder zu streichen.

Resultate und Tabellen

(red/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • g.a. am 01.05.2019 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uihhh

    Es soll doch einfach - neben Männerdisziplinen und Frauendisziplinen - auch für alle anderen Geschlechter separate Disziplinen geben. Schließlich wollen diese ja auch separat behandelt werden, beim Passeintrag, Toiletten, bei Behörden usw. Alles andere wäre nicht konsequent. Das haben wir nun von diesem Gender-Wahn.

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  • Nina am 01.05.2019 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Chance

    Normale Frauen haben keine Chancen gegen Caster, die ein Mehrfaches an Testosteron besitzt. So würde bei jedem Rennen die Siegerin vor dem Rennen feststehen.

    einklappen einklappen
  • Nina am 01.05.2019 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider einzig richtige Massnahme

    Sonst brauchen andere Athletinnen gar nicht antreten gegen eine Frau mit so vielen männlichen Hormonen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Margrit Vögeli am 02.05.2019 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwitterhaftes

    Der ist Männlich und hat gar nichts Weibliches an sich,aber mit den ungebeten Siegen sicher schon Millionen kassiert

  • Peter Kern am 02.05.2019 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Ungerechtigkeiten im Sport

    Es ist wieder Marathonzeit. Jedesmal, wenn ich ein wenig schaue, fällt mir/jedem auf, dass nur Schwarze an der Spitze laufen. Da sollte man auch etwas gegen deren Vorteil unternehmen. Sie sollten separat laufen.

  • kuede am 02.05.2019 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    danke

    Endlich konnte sich das Gericht durchringen, diesem Treiben ein Ende zu setzen! Frauen hatten keine Chance mehr.

  • kuede am 02.05.2019 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    paralympics

    Eigentlich ist diese Fehlfunktion doch eine Behinderung. Sie sollte also jeder zeit an den Paralympics starten können.

  • Berner Bär am 02.05.2019 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht schlimmer!

    Wer sich an die Leichtathletik um 1980 und die sowjetischen und tschechischen Läuferinnen - wahre muskelbepackte Kampfmaschinen ohne feminine Züge - erlebte, glaubte, dass es nicht schlimmer werden könnte. Doch Semenya hat das Gegenteil bewiesen.