Markus Rehm

28. Juli 2014 07:18; Akt: 29.07.2014 15:55 Print

Darf der Protesenmann in Zürich starten?

von Marcel Allemann - Mit 8,24 Metern wurde Markus Rehm mit seiner Unterschenkel-Prothese Deutscher Weitsprungmeister bei der nichtbehinderten Elite. Er hat damit auch die EM-Limite geschafft.

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Damit geht die Diskussion, ob er mit seiner Protese einen Wettbewebsvorteil hat, richtig los. Es läuft nun eine biomechanische Untersuchung, deren Auswertung sich jedoch noch über Monate hinwegziehen dürfte.

Unter den anderen Weitspringern ist bereits jetzt eine heisse Diskussion im Gang. Der zweitklassierte Christian Reif (8,20 m) ist pro Rehm eingestellt, solange dessen Wettbewerbsvorteil nicht erwiesen ist und zieht vor seinem neuen Konkurrenten sogar den Hut: «Der Druck, der in den letzten Tagen auf Markus aufgebaut wurde, war enorm. Wie er damit umging, ist mehr als bemerkenswert.» Wegen Rehm eher ungehalten ist dagegen Europameister Sebastian Bayer, der in Ulm als Fünfter (7,62 m) ein persönliches Debakel erlebte: «Die Prothese ist gefühlte 15 Zentimeter länger als das andere Bein.» Beyer vertritt die Ansicht, dass Rehm deshalb an Sportanlässen von Nichtbehinderten nichts verloren hat.

Fakt ist aber: Rehm schaffte mit seinen 8,24 Metern die Norm für die EM in Zürich (12. bis 17. August) – und wird vom Deutschen Verband wohl auch selektioniert. Damit wird der «schwarze Peter» der Entscheidung an den europäischen Verband weitergereicht, doch dieser sagt durch Präsident Hansjörg Wirz im «SonntagsBlick», dass der Weltverband entscheiden müsse. Das kann je heiter werden!

Rehm ist mitten in die europäische Elite gesprungen

Auf jeden Fall wäre Rehm aufgrund seiner Geschichte in Zürich eine der Hauptattraktionen. Mit seinen 8,24 ist er mitten in die europäische Elite gesprungen. Womöglich holt er im Letzigrund eine Medaille und muss diese genauso wie seinen deutschen Meistertitel später zurückgeben, sollte sich bei der Untersuchung herausstellen, dass Rehm durch die Protese eben doch einen Vorteil hat. «Wenn es so wäre, dann wäre es so und ich könnte das akzeptieren», sagte Rehm am Samstagabend im «Aktuellen Sportstudio» auf ZDF und verweist darauf: «Ich war stets an einer Untersuchung interessiert und lege dafür alles offen. Denn ich möchte mir meine Leistungen im Vergleich mit der nichtbehinderten Konkurrenz auf keinen Fall erschleichen, indem ich einen Vorteil habe, sondern mir diese fair und sportlich verdienen.»

Deutscher Verband hat Entwicklung verschlafen

Schlechte Noten bekommt bei der ganzen Angelegenheit auf jeden Fall der Deutsche Leichtathletik-Verband. Zu lange hat dieser Rehm und seine Leistungen unterschätzt und deshalb das ganze verschlafen, wie man inzwischen selber zugibt. Als Folge davon entsteht nun unmittelbar vor der EM in Zürich dieses ganze Wirrwarr. Erst am Samstag in Ulm wurden die technischen Voraussetzungen geschaffen, um Rehms Leistungen zu untersuchen. Dieser selbst sieht die EM-Frage fast am entspanntesten von allen Beteiligten: «Wenn ich in Zürich dabei sein könnte, wäre dies phantastisch. Und wenn nicht, werde ich zuhause vor dem Fernseher sitzen und Christian Reif die Daumen drücken.»