Aufklärungsbedarf

16. Februar 2018 17:31; Akt: 16.02.2018 17:31 Print

Darum fehlt es MMA in der Schweiz an Akzeptanz

von Adrian Hunziker - Zwar befindet sich Mixed Martial Arts in der Schweiz auf dem Vormarsch, aber es gibt noch viele Vorurteile gegenüber der Kampfsportart.

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Was für ein Unterschied: In Russland gibt es 20'000 aktive, gemeldete Amateur-Kämpfer, in der Schweiz sind es 300 MMA-Fighter, die in den letzten fünf Jahren an Wettkämpfen teilgenommen haben. Dieser Vergleich zeigt auf, wie klein die Mixed-Martial-Arts-Community bei uns noch ist.

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Aber: Das Interesse an der Sportart nimmt seit einigen Jahren stetig zu. «Fast jeden Monat bietet ein Gym neu MMA-Kurse an. Auch bestehende Kampfsportzentren erweitern ihr Angebot. Im Vergleich zu Russland und den USA steckt MMA in der Schweiz wie auch in Europa in den Kinderschuhen. Im internationalen Vergleich besteht Nachholbedarf», erklärt Steven Jencic, Verbandspräsident von SAMMAF (Swiss Amateur MMA Federation).

Schwierige Sponsorensuche

Natürlich hinkt der Vergleich mit Russland etwas. Denn im flächengrössten Land der Welt leben ungefähr 145 Millionen Menschen, in der Schweiz sind es rund 8 Millionen. «Und der russische MMA-Verband wird staatlich gefördert», sagt Jencic. Davon ist man hierzulande weit entfernt. Um MMA in der Schweiz grösser zu machen, braucht es mehr Geld. «Es ist extrem schwierig, Sponsoren zu finden, für Kampfsportarten im Allgemeinen, MMA im Speziellen. Wenn Sponsoren ausbleiben, kann man keine Gelder ins Marketing einfliessen lassen, um mehr Interessenten zu erreichen oder bekanntere Kämpfer für Events zu holen.»

Zudem fehle es hier an Akzeptanz vonseiten der Bevölkerung, es brauche noch viel Aufklärungsbedarf. «Die Leute denken, es sei ein Strassenkampf, bei dem man weiter schlagen kann, wenn einer am Boden liegt», erklärt Jencic. Dem sei natürlich nicht so, sowohl der Stand- als auch der Bodenkampf gehörten als Element zu MMA. Es sei ein falsches Bild, wenn man denke, die Fighter prügelten auf einen Wehrlosen ein. «Es handelt sich vielmehr um eine komplexe Mischung verschiedener Kampfsportarten, die Raffinesse und jahrelanges Training benötigt.»

Oezdemir war ein Türöffner

In der Schweiz gibt es heute rund 25 Clubs, die primär auf MMA spezialisiert sind. «Einige Clubs rüsten um und legen mehr Wert auf MMA. Deshalb ist es schwierig, eine genaue Angabe zu machen. Ich würde sagen, es gibt mittlerweile beinahe in jedem Kanton mehrere Clubs, die MMA anbieten», schätzt Jencic.

Zum Aufschwung in den letzten zwei Jahren haben hauptsächlich ein Ire und ein Schweizer beigetragen: Conor McGregor, der in der amerikanischen UFC kämpft und in seiner Gewichtsklasse wohl der beste Fighter der Welt ist, und Volkan Oezdemir. Zwar verlor der Freiburger seinen WM-Kampf gegen Daniel Cormier, aber der UFC-Kämpfer ist eine Art «symbolischer Türöffner» für MMA-Sportler in der Schweiz.

«Er hat gezeigt, dass man es in relativ kurzer Zeit mit guter Leistung und gutem Marketing bis nach ganz oben bringen kann. Es ist unglaublich, dass wir als kleine Schweiz einen solchen Topsportler auf diesem Niveau sehen können.» Für Jencic ist ein solcher Erfolg nur noch vergleichbar mit dem Lausanner Yoann Kongolo, der im Kickboxen zur Weltspitze gehört, oder aber mit dem ehemaligen K-1-Star Andy Hug.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GG am 16.02.2018 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    komisch

    komischer vergleich. wieviel mehr einwohner hat russland als die schweiz....?

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  • MMA-Fighterin am 16.02.2018 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MMA-Fighterin

    Alle die sagen, dass dieser Sport gewalt sei sollen zuerst Mal ein paar Trainingsstunden nehmen. Ausdauer, Disziplin und Technik sind die drei wichtigsten Grundpfeiler dieser Sportart. Ausserdem hilft er vielen ihre Aggressionen in den Griff zubekommen indem man gezielt Danpf ablassen kann. Ich trainiere seit 5 Jahren und hatte auch noch nie ernsthaftere Verletzungen. Klar hier und da ein blauer Fleck, aber immerhin heulen wir dann nicht rum wie die Fussballer

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  • Paul am 17.02.2018 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaube muss auch in so ein Training

    Sonst habe ich bald keine Chancen mehr auf der Strasse.

Die neusten Leser-Kommentare

  • anonym am 17.02.2018 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Oh ja, ganz toll...

    Dann laufen noch mehr von diesen Stressköpfen auf den Strassen rum und wollen jeden verprügeln, der in ihre Richtung blickt... weil sie machen Kickboxen und so... Ich habe die Nase so voll von diesen Proleten und wenn man sie verdrischt, geht das Geheule los.

  • Pitt am 17.02.2018 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute muss man sich wehren können aber

    Ich mache MMA jetzt seit 8 Jahren und ich musste es noch nie anwenden.Den alleine eine Vorführung meiner Sprungkraft und Schlagfertigkeit demoralisiert jeden Gegner oder ganze Gruppen.

  • P. Prenzlau am 17.02.2018 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klischee

    Man muss sich nur die Zuschauer ansehen um zu erkennen in welchem "Millieu" man sich befindet oder welche "Klientel" dieser "Sport" anzieht.

    • Komisch Komisch am 17.02.2018 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @P. Prenzlau

      Also bei uns trainieren vorwiegend Studenten und Kadermitglieder

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  • Martin am 17.02.2018 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Proletenunterhaltung

    Kein wunder kommt proleten unterhaltung (sport ist das nicht) in russland besser an als in der schweiz

  • Oralapostel am 17.02.2018 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    MMA macht attraktiv

    MMA macht attraktiv. Schaut euch mal einen Josh Samman oder eine Kailin Curran an - um nicht immer dieselben zu nennen. Einfach ästhetische, schöne Körper!

    • Judas am 17.02.2018 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Oralapostel

      Und die Ohren erst.

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